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Hongkong: Aktivistin „Grandma Wong“ wegen Protesten zu acht Monaten Gefängnis verurteilt

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Von: Constantin Hoppe

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Die bekannte Demonstrantin „Grandma Wong“ soll laut Richter eine „Störung der sozialen Ordnung“ verursacht haben.

Hongkong - In Hongkong wurde am Mittwoch die bekannte Aktivistin Alexandra Wong zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt. Die unter ihrem Spitznamen „Grandma Wong“ bekannte 66-Jährige wurde wegen ihrer Beteiligung an den pro-demokratischen Demonstrationen im Jahr 2019 inhaftiert und nun verurteilt, wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet.

Wong wurde vor drei Jahren regelmäßig bei den Protesten gesehen, wobei sie meist eine britische Union-Jack-Flagge schwenkte. Die Richter befanden nun, dass sie sich damit an zwei illegalen Versammlungen beteiligt habe. Dabei soll sie „verbotene Worte“ geäußert haben und eine „Störung der sozialen Ordnung“ verursacht haben, sagte ein Richter.

„Grandma Wong“: „Hongkongs Regierung ist ein autoritäres Regime.“

Auf der Anklagebank schlug die bebrillte und grauhaarige „Grandma Wong“ einen trotzigen Ton an, um ihrer Sache Nachdruck zu verleihen: Sie bezeichnete die Regierung Hongkongs als „autoritäres Regime“.

Die bekannte Aktivistin „Grandma Wong“ wird im Juli 2021 nach Protesten in Hongkong von Polizisten abgeführt.
Die Aktivistin „Grandma Wong“ wird im Juli 2021 nach Protesten in Hongkong von Polizisten abgeführt. Nun wurde sie für ihre Beteiligung an den Protesten 2019 vor Gericht schuldig gesprochen. © Xiaomei Chen/Imago

Wong ist vor Gericht keine Unbekannte: Wegen ihrer Beteiligung an den Protesten wurde sie bereits mehrfach verurteilt. Unter anderem musste sie im Januar eine viertägige Haftstrafe antreten, da sie sich bei einer Demonstration weigerte, ihren Ausweis vorzuzeigen. Im Juli 2021 wurde sie zu einer einmonatigen Haftstrafe wegen Körperverletzung verurteilt, weil sie einen Sicherheitsbeamten geschubst hatte.

66-jährige „Großmutter Wong“ zu „patriotischer Reise“ durch China gezwungen

Während der großen Demokratieproteste 2019 in Hongkong, verschwand Wong für 14 Monate spurlos, nachdem sie die Stadt Shenzen besucht hatte. Später gab sie an, sie sei von den chinesischen Behörden inhaftiert worden. Anschließend wurde sie zu einer fünftägigen „patriotischen Reise“ durch China gezwungen - eine nicht unübliche Taktik im Umgang mit Aktivisten - und musste zwölf Monate lang in Shenzhen bleiben.

Die neueste Verurteilung Wongs erfolgte nur einen Tag nach einem ähnlichen Fall: Ein anderer Stadtrichter verurteilte den 75-jährigen Koo Sze-yiu, der an Darmkrebs im Endstadium leidet, am Dienstag wegen „versuchter Aufwiegelung“ zu neun Monaten Gefängnis, weil er einen Protest gegen die Olympischen Winterspiele in Peking geplant hatte. Erst Anfang Juli feierte China den 25. Jahrestag der Rückgabe

Nach Angaben des Hongkong Democracy Council, einer in den USA ansässigen Aktivistengruppe, wurden in Hongkong seit 2019 mehr als 10.500 Menschen wegen protestbezogener Aktivitäten festgenommen. 2900 von ihnen wurden strafrechtlich verfolgt. Erst Anfang Juli feierte China den 25. Jahrestag der Rückgabe der einstigen britischen Kolonie. (con)

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