Laura Mohn, Gründerin von Talking Hands
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Will zur Inklusion beitragen: Laura Mohn.

Talking Hands

Mit Daumenkinos kommunizieren: Laura Mohn lässt Hände sprechen

  • vonSarah Josef
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Laura Mohn hat bei ihrer Schwester erlebt, wie sehr es Kinder mit Sprachproblemen belastet, wenn sie sich unverstanden fühlen. Mit ihren Daumenkinos „Talking Hands“ will die Designerin den Mädchen und Jungen helfen, sich mitzuteilen

Zum Schluss musste Laura Mohn nur noch zeichnen. Wobei „nur noch“ eine ziemliche Untertreibung ist: Zeichnen im Akkord war angesagt. 100 Daumenkinos, jedes mit mindestens zehn Seiten. In Summe mehr als 1000 Illustrationen. Tag und Nacht sei sie am Zeichnen gewesen, erzählt die junge Kommunikationsdesignerin, die in Frankfurt studiert hat. „Danach hatte ich eine Sehnenscheidenentzündung, aber es hat sich gelohnt!“

Entstanden sind Daumenkinos, die Kindern mit einer verzögerten Sprachentwicklung helfen sollen, sich mitzuteilen und ihre Gefühle auszudrücken. Mit ihren „Talking Hands“ will Laura Mohn es Kindern mit und ohne Behinderung erleichtern, die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) zu erlernen, damit sie besser am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen können. Bei dieser Form der Kommunikation werden nicht alle gesprochenen Wörter und grammatischen Strukturen gebärdet, sondern nur die bedeutungstragenden Wörter.

Laura Mohns Daumenkinos sollen Kindern „ein spaßiges Erlebnis mit nachhaltigem Lerneffekt“ bieten.

Der erste Prototyp der „Talking Hands“ umfasst hundert Gebärden-Daumenkinos mit dem Wortschatz von Kleinkindern. „Durch das Medium der Daumenkinos können die Kinder die Bewegungsabläufe der Gebärde leichter begreifen und einfach nachmachen“, erklärt Laura Mohn. Zusätzlich stärke die Haptik beim Blättern die motorischen Fähigkeiten. Das herkömmliche GuK-Lernmaterial besteht unter anderem aus Karten, die die Bewegungsabläufe der Gebärden mit Hilfe von Bildern und Pfeilen vermitteln. Mohns Ziel ist es, „das Erlernen der Gebärden für alle zu einem spaßigen Erlebnis mit nachhaltigem Lerneffekt“ zu machen.

Gebärden beugen der Isolation vor, sagt Laura Mohn

Inspiriert zu dem Projekt wurde Laura Mohn von ihrer Schwester. „Sie hat das Down-Syndrom und wir wissen aus eigener Erfahrung, wie frustrierend es sein kann, wenn Gefühle und Wünsche nicht richtig kommuniziert und somit nicht verstanden werden können“, erzählt sie. „Gebärden sind der einfachste Weg, dieser Art von Isolierung vorzubeugen.“ Laura Mohn beherrscht GuK selbst und möchte auch die Deutsche Gebärdensprache noch lernen.

Die Gebärden-unterstützte Kommunikation wurde von Etta Wilken entwickelt, die bis zu ihrer Emeritierung als Professorin für Integrative und Behindertenpädagogik in Hannover lehrte. Kinder mit Down-Syndrom entwickeln sich laut Wilken langsamer als Kinder ohne Behinderung. Die Sprachentwicklung sei davon besonders stark betroffen, was zu beeinträchtigter Kommunikation und fehlender Mitteilungsfähigkeit führe.

Daumenkinos werden in Kindergärten erprobt - mit Erfolg

Mit ihrem Projekt „Talking Hands“, das gleichzeitig die Abschlussarbeit ihres Studiums im Fach Kommunikationsdesign an der European School of Design in Frankfurt war, gewann Laura Mohn unter anderem im Mai dieses Jahres einen Preis beim ADC Nachwuchsfestival 2020, einer Veranstaltung für Kreativität und Design.

Zum Einsatz kommen die „Talking Hands“ seit etwa einem Jahr in der Kita Grüne Soße in Frankfurt Sachsenhausen, die immer auch von zwei bis drei gebärdenden Kindern besucht wird. „Die Daumenkinos fördern die Interaktion aller Kinder“, berichtet Bettina Marsden, Sozialpädagogin und Teil der Kita-Leitung, der Frankfurter Rundschau. Außerdem habe sie den Eindruck, dass sich die gebärdenden Kinder durch die Nutzung von „Talking Hands“ zugehöriger fühlten. Die Daumenkinos werden in der Kita sowohl von gebärdenden als auch von nichtbehinderten Kindern genutzt.

Laura Mohn, die ihr Studium Anfang 2019 beendet hat, ist nun mit der Gründung ihres Startups beschäftigt. Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Maria Möller möchte sie die Daumenkinos deutschlandweit vertreiben. Für die nächsten Jahre strebe sie die Expansion in weitere Länder an. „Inklusion ist schließlich eine weltweite Angelegenheit und wir möchten mit Talking Hands unseren Beitrag zu erfolgreicher Inklusion leisten.“