Die Ästhetik soll Jugendliche direkt ansprechen.
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Die Ästhetik soll Jugendliche direkt ansprechen.

Politische Bildung

Im Dschungel der versteckten Codes

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Die Bildungsstätte Anne Frank hat ein Handy-Spiel entwickelt, dass Jugendliche vor Radikalisierung und Hass im Netz schützen soll. Der Bedarf an klugen digitalen Bildungsangeboten ist riesig.

Es ist fast schon ein Allgemeinplatz geworden, der seit Jahren gerade nach rechten oder islamistischen Anschlägen zu hören ist. Das Internet und soziale Netzwerke haben sich zum zentralen Ort für die Verbreitung rassistischer und antisemitischer Propaganda entwickelt, bei jungen Menschen hat eine rechtsradikale oder salafistische Radikalisierung oft viel mit dem Netz zu tun. Wie man der Hetze dort begegnen kann, wo sie stattfindet, treibt Schulen und die gesamte politische Bildungslandschaft intensiv um.

Die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank hat nun ein eigenes Handy-Spiel für Schüler:innen ab 14 Jahren entwickelt, das für Verschwörungsmythen, rechtsextreme Codes und die Gefahr einer politischen Radikalisierung sensibilisieren soll – und zwar so nah wie möglich an der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen. Das Spiel „Hidden Codes“ wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Computerspielefirma „Playing History“ und der Texterin Sarah Fartuun Heinze entwickelt und stellt ein Novum in der politischen Bildungsarbeit dar.

Deborah Schnabel (35) von der Bildungsstätte Anne Frank hat die Arbeit an dem Spiel geleitet.

Die Jugendlichen laden sich das Spiel auf Handy oder Tablet und bewegen sich dann in einer simulierten Social-Media-Umgebung, in der sie Chatnachrichten bekommen oder die Profile und Storys verschiedener Spielcharaktere durchforsten. Immer wieder müssen sie Entscheidungen treffen, die den Spielverlauf beeinflussen – und erfahren dabei, wie etwa rechte Stimmungsmache im Netz funktioniert. Idealerweise soll das Spiel parallel im Klassenverband gespielt und dann nachbereitet werden – Lehrkräfte können sich dafür schulen lassen. „Hidden Codes“ startet zunächst mit zwei Spiel-Episoden zu rechtsextremer Radikalisierung, die man jeweils in etwa 45 Minuten durchspielen kann. Zwei weitere Episoden zu islamistischer Radikalisierung sind bereits in Arbeit.

Jugendliche waren an der Entwicklung von „Hidden Codes“ beteiligt

Der Bedarf nach digitalen Bildungsangeboten für junge Menschen werde immer größer, sagt Deborah Schnabel, stellvertretende Direktorin der Bildungsstätte und Projektleiterin von „Hidden Codes“. Das Spiel sei durch unterschiedliche Fördermittel und die eigenen Strukturen der Bildungsstätte möglich geworden, die erste Idee dazu schon 2018 entstanden. Das Team habe immer wieder mit Jugendlichen von mehreren Schulen aus dem Rhein-Main-Gebiet zusammengearbeitet, um zu verhindern, dass das Spiel am Ende bemüht oder albern wirke, sagt Schnabel. „Das war eins der größten Ziele, die wir hatten.“ Die Sprache, aber auch die Ästhetik des Spiels, die die beiden Illustratorinnen Meikey To und Jennifer Hicks umgesetzt haben, solle die Schüler:innen unmittelbar ansprechen.

Wichtig sei, dass das Spiel etwa von Lehrkräften pädagogisch begleitet werde, sagt Schnabel. Denn viele Inhalte etwa zu rechten Szenecodes würden im Spiel zwar angetippt, aber nicht wirklich intensiv behandelt. „Wir haben das Spiel nicht so angelegt, dass permanent Fakten vermittelt werden“, so Schnabel. „Das soll schon ein Spiel sein.“ Ende April starte die erste Fortbildung zu dem Spiel für Lehrerinnen und Lehrer. Die bisherigen Reaktionen auf „Hidden Codes“, nicht nur aus Frankfurt, seien sehr gut, so Schnabel: „Das Interesse ist sofort durch die Decke gegangen“.

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Erste Reaktionen von Jugendlichen auf das fertige Spiel seien ebenfalls durchweg positiv, berichtet Céline Wendelgaß, die als Bildungsreferentin in der Bildungsstätte ebenfalls an der Entwicklung des Spiels mitgewirkt hat. Eine Schülerin habe zum Beispiel erzählt, dass sie richtig wütend geworden sei, als ein Charakter im Spiel sie geblockt habe, sie ihm also keine Nachrichten mehr schicken konnte. Das belege, dass man in die Spielwelt von „Hidden Codes“ richtig abtauchen könne, findet Wendelgaß.