Wenn der Paketsafe nicht benötigt wird, lässt sich der Sack platzsparend zusammenrollen
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Wenn der Paketsafe nicht benötigt wird, lässt sich der Sack platzsparend zusammenrollen

Paketzustellung

Ohne Klingelmarathon zum Paket

Das Start-up Paketsafe will die Zustellung von Paketen drastisch vereinfachen - mit einem Paketsack, der fast überall angebracht werden kann.

Wer kennt es nicht: Man kommt abends nach Hause, freut sich auf die bestellten Sneakers und muss sich auf der Suche nach dem Paket erst mal durch die halbe Nachbarschaft klingeln. Das bayrische Unternehmen Paketsafe verspricht, das Zustellungschaos mit seinem gleichnamigen Produkt zu lösen. Der platzsparend an der Hauswand angebrachte Safe rollt beim Öffnen einen großen Sack aus und Zusteller können zu jeder Zeit Pakete darin ablegen. Laut dem Start-up sparen so nicht nur die Empfänger, sondern auch die Zusteller viel Zeit.

Paketsafe soll diebstahlsicher sein

Die von den Cousins Thomas Singer und Josef Singer entwickelten robusten und wasserabweisenden Säcke des Paketsafes tragen ein Gewicht von bis zu 30 Kilogramm. Das eingebaute Edelstahlnetz und das selbstsichernde Schloss sollen den Inhalt vor Gelegenheitsdieben schützen.

Die Kundschaft des Start-ups ist laut Thomas Singer bunt zusammengewürfelt. Vom Eigenheimbesitzer bis zum Mieter und vom Studierenden bis zum Rentner sei alles dabei. Die Safes kaufe „einfach jeder, der sich schon öfter über chaotische Paketzustellungen geärgert hat“.

Paketdienste zeigen sich offen

Doch was sagen Paketdienste zu dem Safe? GLS unterstützt „grundsätzlich anbieteroffene Paketkasten-Systeme“ wie den Paketsafe. Sie entlasteten durch ihre durchgängige Verfügbarkeit die Paketzusteller und erhöhten die Quote erfolgreicher Zustellungen beim ersten Versuch. Beim Konkurrenten DHL heißt es, man stelle „Sendungen in alle Systeme zu, sofern dies prozessual und rechtlich abbildbar ist“.

Keine langwierige Suche nach einem Abnehmer für die Pakete  - das verspricht Paketsafe.

Die Paketsafes sind seit 2016 auf dem Markt. Anfangs haben die Cousins ihr Start-up hobbymäßig neben ihren eigentlichen Festanstellungen betrieben. „Inzwischen ist das Unternehmen gewachsen, sodass wir seit einem halben Jahr beide in Vollzeit für das eigene Unternehmen arbeiten“, freut sich Thomas Singer. Mehr als 3000 Safes haben er und sein Partner bereits verkauft. Je nach Ausstattung kosten sie rund 180 bis 350 Euro.

Paketsafe kann immer nur von einem Zusteller genutzt werden

Ein Nachteil des Paketsafes ist, dass ein zweiter Zusteller keine Möglichkeit hat, weitere Sendungen abzulegen. Nach dem Zuziehen kann der Sack nur noch vom Empfänger mit einem Schlüssel geöffnet werden und steht erst nach dem Leeren wieder zur Verfügung.

Neben dem Paketsafe gibt es zahlreiche weitere Paketkasten-Systeme auf dem Markt. Der mobile Paketbutler von der Telekom etwa besteht aus einem faltbaren Stoffsack mit Bodenplatte und verschließbarem Deckel. Er lässt sich bei Bedarf vor der Wohnung aufstellen, mit einem Sicherheitsgurt an der Tür befestigen und mit einer über eine App generierten PIN vom Kunden öffnen. Auch der Paketbutler kann von Zustellern aller Paketdienste genutzt werden.

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Der reibungslose Empfang von Paketsendungen treibt auch Wohnungsvermieter um. Marktführer Vonovia hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 400 Paketkasten-Anlagen von DHL vor seinen Häusern aufgestellt. Laut einem Sprecher ist der Konzern jedoch auch anderen Anbietern gegenüber offen und startet Mitte des Jahres dazu ein Pilotprojekt in Berlin.