Die zwei Erfinder: die Darmstädter Jonathan Oberthür (li.) und Philo Boras.
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Die zwei Erfinder: die Darmstädter Jonathan Oberthür (li.) und Philo Boras.

Darmstadt

Intelligentes Schneidebrett zeigt Nährstoffe an

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Zwei Studenten wollen mit ihrer Erfindung künstliche Intelligenz in die tägliche Ernährung einbringen.

Schlaf, Schritte, Kalorienverbrauch: „Alles kann man tracken, der gesamte Fitnessbereich ist automatisiert“, sagt Jonathan Oberthür. Fast alles – bei der Ernährung höre es auf. Doch das soll sich nun ändern. Zumindest wenn es nach den Gründern des Starts-ups Aurora Life Science, Jonathan Oberthür und Philo Boras, geht. Die beiden Darmstädter Studenten haben ihrer Ansicht nach eine Weltneuheit entwickelt und wollen diese demnächst auf den Markt bringen.

In der Werkstatt im Technologie- und Gründerzentrum „Hub 31“ in Darmstadt haben sie zwei Jahre lang ein intelligentes Schneidebrett entwickelt und es „Aurora Nutrio“ getauft. Es sieht aus wie ein normales Küchenholzbrett und kann auch so benutzt werden. Allerdings sind in der Unterkonstruktion ein Monitor, eine Kamera sowie mehrere Sensoren verbaut. Damit erkennt das Schneidebrett jedes Nahrungsmittel – egal ob verpackt oder unverpackt. Auf dem Display werden dann Nährstoffe sowie Kalorien angezeigt.

Das Ganze funktioniert recht einfach, wie die beiden bei einer Demonstration für die Frankfurter Rundschau zeigen: Haferflockenpackung vor den Strichcodescanner halten und dann in die auf dem Brett platzierte Müslischale geben. Apfel vor die Kamera halten, kleinschneiden und zu den Haferflocken geben. So wird mit jeder weiteren Zutat verfahren. Am Schluss zeigt das Display den gesamten Nährwert des Gerichts an.

Genauso funktioniere es mit einem selbst belegten Brot oder auch gekochten Speisen, erklärt Philo Boras. Zudem hätten alle fertig gekauften Gerichte inzwischen Barcodes und könnten ebenfalls eingelesen werden. Sogar abgefüllte Nahrungsmittel lassen sich per programmierbarem Aufkleber checken.

Hinter der Analyse stecke eine künstliche Intelligenz, die auf verschiedene Nährwertdatenbanken zugreife sowie auf die Angaben der Herstellerfirmen, erklärt Boras, der für die Entwicklung der Software zuständig ist. Eigene Nahrungsmittel könnten ebenfalls eingegeben werden. Bisher seien 15.000 Lebensmittel in einer Datenbank programmiert.

Zwar werden bislang nur die Nährstoffangaben von zum Beispiel Durchschnittsäpfeln verwendet, doch die beiden Gründer wollen langfristig auch ein Schneidebrett entwickeln, das den jeweiligen Apfel auf seine tatsächliche Zusammensetzung analysiert. Dafür benötigten sie aber ein Nanoinfrarot-Spketrometer, wie es Labore verwenden, und das sei momentan zu teuer, sagt Boras. „Deshalb beginnen wir mit gemittelten Werten.“

Per Click lassen sich die zubereiteten Speisen in einem Ernährungstagebuch auf dem Handy eintragen. Mit der App könnten auch Statistiken über die Mikro- und Makronährstoffe, die man zum Beispiel die Woche über zu sich genommen habe, erstellt werden. Auf diese Weise lasse sich einer Mangelernährung entgegenwirken, glauben die beiden.

Für Menschen mit Diabetes oder Lebensmittelunverträglichkeiten sei das Schneidebrett ebenfalls hilfreich. „Bisher müssen sie alles aufschreiben oder im Handy eingeben und ausrechnen“, sagt Oberthür. Das mache keinen Spaß und sei ein großes Hindernis für eine bewusste Ernährung. Beide sprechen aus Erfahrung: Als Fitnesstrainer wissen sie, wie wichtig eine gesunde Ernährung für den Erfolg des Trainings ist – und hätten am eigenen Leib gemerkt, wie sehr das übliche Kalorien- und Nährstoffzählen nerven könne.

Kennengelernt haben sich der 33-jährige Boras und sein 29-jähriger Geschäftspartner Oberthür beim Sport. An der Technischen Universität (TU) Darmstadt studieren sie Wirtschaftsingenieurwesen beziehungsweise Maschinenbau. Die Räume im Hub 31 können sie und ihr sechsköpfiges Team im Rahmen einer Förderung für Start-ups nutzen; dort konnten sie ihre Bauteile im 3-D-Drucker herstellen.

30.000 Euro benötigen sie nach eigenen Angaben, um mit der Massenproduktion für das zum Patent angemeldete Nutrio loslegen zu können und „eine weltweite Food Revolution“ in Darmstadt zu starten. Dafür beginnt am 13. April eine Crowdfunding-Kampagne auf indiegogo.de.