1. Startseite
  2. Wissen

Zwei Planeten in galaktischer Nachbarschaft

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Ein Forschungsteam des Massachusetts Institute of Technology entdeckt ein 33 Lichtjahre entferntes System.

In der galaktischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems hat ein Team von Astronominnen und Astronomen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein System entdeckt, in dem zwei Planeten um einen Zwergstern kreisen. Es ist „nur“ etwa 33 Lichtjahre oder zehn Parsecs (Parallaxensekunden, eine Einheit für sehr große Distanzen) von der Erde entfernt – und doch unendlich weit weg: Ein Lichtjahr entspricht etwa 9,46 Billionen Kilometern. In den Dimensionen des Universums gleichwohl ein Katzensprung.

Im Herzen des Systems befindet sich ein kleiner Zwergstern mit Namen HD 260655. Er wird von mindestens zwei terrestrischen, erdgroßen Planeten umkreist – wobei „terrestrisch“ nicht bedeutet, dass auf der Oberfläche ähnliche Bedingungen wie auf der Erde herrschen, sondern schlicht, dass es sich um Gesteins- und nicht um Gasplaneten handelt.

Die Forschenden gehen davon aus, dass die „felsigen Welten“ dieser beiden Planeten „wahrscheinlich nicht bewohnbar sind“, wie es in einer Mitteilung des Massachusetts Institute of Technology heißt. Ihre Annahme basiert auf der Beobachtung, dass die Himmelskörper ihren Stern in relativ engen Bahnen umkreisen und sie deshalb Temperaturen ausgesetzt sind, die zu hoch sind, um auf der Oberfläche flüssiges Wasser zu ermöglichen. Letzteres wird neben dem Vorhandensein von Kohlenstoff und Energie im Allgemeinen als Bedingung für Leben angesehen.

Gleichwohl ist die Begeisterung der Astronominnen und Astronomen groß, denn die Nähe der Planeten zu ihrem Stern ermöglicht einen guten Blick auf die Himmelskörper und ihre möglichen Atmosphären. „Beide Planeten in diesem System zählen wegen der Helligkeit ihres Sterns zu den besten Zielen für atmosphärische Studien“, wird die an der Entdeckung beteiligte Wissenschaftlerin Michelle Kunimoto vom Kavli-Institut für Astrophysik und Weltraumforschung des MIT in der Mitteilung zitiert.

Mehr Masse als die Erde

Aufgespürt hatte das Planetensystem der Transiting Exoplanet Survey Satellite (Tess) der US-Weltraumbehörde Nasa. Ziel dieser vom MIT geleiteten Mission ist es, die nächsten und hellsten Sterne in der Umgebung unseres Sonnensystems zu beobachten und herauszufinden, ob sie von Planeten umkreist werden. Feststellen lässt sich das anhand periodischer Unterbrechungen des Lichts, das ein Stern abstrahlt. Genau solche Unterbrechungen bemerkte Michelle Kunimoto, als sie im Oktober 2021 die eingehenden Daten des Satelliten überwachte.

Bei einer genauerer Analyse der Daten erfuhren die Forschenden dann mehr über die Eigenschaften der Planeten: Sie stellten fest, dass der innere etwa 1,2-mal so groß ist wie die Erde, über ihre doppelte Masse, aber eine etwas geringere Dichte verfügt und seinen Zwergstern alle 2,8 Tage umkreist. Der zweite äußere Planet ist eineinhalbmal so groß wie die Erde, hat ihre dreifache Masse, eine noch geringere Dichte als der erste Planet und umkreist sein Zentralgestirn alle 5,7 Tage. Die Temperaturen des inneren Planeten werden auf 435 Grad Celsius geschätzt, die auf dem äußeren auf 284 Grad – viel zu heiß also, um bewohnbar zu sein.

„Aber es könnte noch mehr Planeten im System geben“, sagt Astrophysiker Avi Shporer vom MIT. Viele ähnliche Systeme umfassten fünf oder sechs Planeten: „Hoffentlich werden wir mehr finden, und einer könnte dann in der bewohnbaren Zone sein“, malt sich der Wissenschaftler aus: „Das ist optimistisches Denken.“

Auch interessant

Kommentare