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Klinikhygiene in einem Krankenhaus: UV-Licht macht Verschmutzungen an den Händen sichtbar.

Interview

„Zumeist mauern die Kliniken“

Wer ist schuld an einer Infektion? – Gespräch mit einem Juristen über einen Nachweis, der schwer zu führen ist

Herr Haack, Sie beraten Menschen, die selbst oder deren Angehörige nach einer medizinischen Behandlung gesundheitliche Probleme bekommen haben. Mit welchen Fällen werden Sie konfrontiert?
Da geht es um die ganze Bandbreite an Fällen: Eltern, deren Neugeborene sich gleich nach der Entbindung mit einem Keim infiziert haben, bis hin zu älteren Menschen, die sich nach einer Operation einen Keim zugezogen haben und im schlimmsten Fall daran verstorben sind. Da suchen dann die Hinterbliebenen rechtlichen Beistand. Ein Großteil sind Menschen, die selbst nach einem kleinen Eingriff teils Jahre mit schweren Wundheilungsstörungen zu kämpfen haben.

Was sind die häufigsten Ursachen für solche Keiminfektionen?
Es geht ausschließlich um Hygienemängel und darum, dass sich das Krankenhauspersonal nicht an die Vorschriften gehalten hat. In einem neuen Fall beispielsweise sollte der Patient lediglich eine Injektion bekommen, dabei kam es zu einem Spritzenabszess. Das Personal hatte weder Mundschutz noch Handschuhe getragen und auch kein steriles Abdecktuch benutzt. Nach 14 Tagen hat man bei dem Patienten einen Keim im Rückenmark festgestellt. Es gibt auch immer wieder Fälle, in denen frisch Operierte zu keiminfizierten Patienten ins Zimmer gelegt werden – da ist die Gefahr einer Ansteckung groß.

Hansjörg Haack ist Fachanwalt für Medizinrecht.

Wie lassen sich die Versäumnisse nachweisen?
Zumeist schildern mir die Patienten und Zeugen, etwa Besucher, ihre Beobachtungen. Manches lässt sich aus den Behandlungsdokumentationen herauslesen. Das ist aber nicht einfach, zumeist mauern die Kliniken.

Wie groß ist die Chance, dass ein Patient Schmerzensgeld beziehungsweise Schadensersatz erhält?
Vor gut zwei Jahren hat der Bundesgerichtshof die Patientenrechte gestärkt. Vorher musste der Patient beweisen, dass er sich im Krankenhaus oder beim Arzt mit dem Keim infiziert hat und dass der Keim einen Gesundheitsschaden bei ihm ausgelöst hat. Heutzutage muss der Patient nur einen typischen Geschehensablauf vortragen. Wenn etwa der Patient darlegen kann, dass der Arzt keine sterilen Handschuhe trug oder er in das Zimmer eines bereits keiminfizierten Patienten verlegt worden ist, muss das Krankenhaus den Nachweis erbringen, dass die Keiminfektion nicht durch diese Umstände eingetreten ist.

Wie können sich Patienten schützen?
Sie sollten darauf achten, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden. Dies gilt insbesondere bei frisch operierten Patienten. Hier sollte zudem darauf geachtet werden, dass nicht der Bettnachbar mit Keimen infiziert ist. Schließlich kann sich der Patient bei der Klinik auch danach erkundigen, ob und wann sogenannte Abstriche gemacht worden und wie diese ausgefallen sind.

Interview: Sonja Fröhlich

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