+
Das perfekte Lächeln für ein Vorstellungsgespräch. (Archivbild)

Kopfnote

Die Zähne zeigen

  • schließen

Gesunde und schöne Zähne gehören heute zum Kern unserer Kultur, eine hässliche "Fassade" kann alles zunichte machen. Das war nicht immer so.

Der große Goethe würde heute bei einer Begegnung kaum punkten. „Er hatte am Ende nur Stummel im Mund, fünf unten, sechs oben, die größtenteils im Zahnfleisch verschwanden“, hieß es in einem Bericht über seinen Zustand. Damit würde er zu keiner TV-Show mehr geladen werden. Genauso, wie George Washington heute kein USA-Präsident mehr werden würde – mit einem einzigen Zahn im Mund.

Auf die Fassade kommt es an

Gesunde, strahlende Zähne gehören heute zum Kern unserer Kultur – und damit der Erziehung. Man kann noch so gut aussehen, reizvoll und intelligent sein – schlechte Zähne machen alles zunichte. Wobei es vor allem um die Frontzähne geht, sprich: die Fassade.

Wie sehr sich die Rolle der Fassade gewandelt hat, dokumentierte die Hamburger Wirtschafts-Professorin Sonja Bischoff, die über Jahrzehnte Führungskräfte befragte. Während 1986 nur fünf Prozent die äußere Erscheinung eines Bewerbers als karrierewichtig einstuften, waren es 1998 schon 22 Prozent. Und Ende 2005 maß die Mehrzahl der Befragten erstmals dem Äußerlichen – vor allem auch den Zähnen – größere Bedeutung zu als dem persönlichen Netzwerk und den Sprachkenntnissen.

Beim Thema Zähne zählt aber nicht nur die Fassade. Das hat gerade eine Umfrage im Auftrag der Universität Witten/Herdecke ergeben. Vor allem für jüngere Menschen, meist Frauen und Gebildete, ist Zahngesundheit sehr wichtig. Die Ernährung hängt für sie eng damit zusammen. Die Studie ergab, dass 82 Prozent der 14- bis 29-Jährigen das „Zahnmännchen“ kennen – ein Siegel für zahnfreundliche Süßigkeiten und Getränke. In der Bevölkerung insgesamt haben 55 Prozent schon mal davon gehört.

Fegen und rütteln

Zugleich ist es ein Wunder – offenbar dem hohen Stand der Zahnmedizin zu veranken –, dass nur wenige Leute heute noch wie Goethe herumlaufen. Denn 57 Prozent der Deutschen putzen ihre Zähne falsch. Kreisende Bewegungen – wie man sie einst als Kind lernte – verletzten das Zahnfleisch und schöben Bakterien unter den Zahnfleischrand, sagt der Wittener Zahn-Professor Stefan Zimmer. „Fegende und rüttelnde Bewegungen“ seien wesentlich besser.

Lernen unsere Kinder also seit Jahrzehnten das Falsche? Nein, sagt Zimmer. Für Kinder bis zum Grundschulalter sei das Kreisputzen die richtige, weil einfache Technik. Danach müsse man umlernen.

Vielen Leuten allerdings geht das Putzen offenbar ganz auf die Nerven. Nur 40 Prozent der Befragten nehmen sich dafür drei Minuten oder länger Zeit. Nur gut die Hälfte nutzt Zahnseide. Vor allem Jüngere machen nebenbei etwas anderes. Sie laufen beim Putzen umher, betreiben Gymnastik-Übungen, ziehen Grimassen, telefonieren.

Kinder, drei Minuten kann man auch mal stillstehen!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare