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Ein Junge wird geimpft. (Symbolbild)

Impfungen

Youtube dreht Impfgegnern den Geldhahn zu

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Vor Videos mit impfkritischen Inhalten wird auf Youtube künftig keine Werbung mehr ausgespielt. Auch andere Plattformen nehmen Impfgegner ins Visier.

Auch wenn die Behauptung, Impfungen könnten Autismus auslösen, längst widerlegt ist, nimmt die Zahl der Impfgegner weltweit offenbar stetig zu. Das führt so weit, dass in den USA, wo die Masern im Jahr 2000 offiziell als ausgerottet galten, wieder regionale Masern-Ausbrüche gemeldet werden. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen. Hier sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weniger als 95 Prozent der Bevölkerung geimpft. Ab einer Impfquote von 95 Prozent kann sich die Krankheit nicht mehr weiter ausbreiten, sagen Experten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Plan, die Masern bis 2020 auszurotten und hat erst Anfang des Jahres das „Vermeiden oder Verzögern von Impfungen“ in die Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen. Dort stehen die Impfgegner in einer Reihe mit Krankheiten wie Ebola, HIV oder dem Dengue-Fieber.

Immer wieder werden soziale Netzwerke mitverantwortlich dafür gemacht, dass Verschwörungstheorien sich weiter verbreiten. Kein Wunder: Mit Facebook, Youtube und Co. haben die Verbreiter der Impfschaden-Theorien Plattformen gefunden, auf denen sie ihre Inhalte weit streuen können und – im Fall von Youtube – durch vor die Videos geschaltete Anzeigen sogar noch Geld verdienen. Doch nun haben die sozialen Netzwerke den Impfgegnern den Kampf angesagt – auch auf Druck der Politik und von Firmen. Einige Unternehmen hatten festgestellt, dass ihre Anzeigen Videos von Impfgegnern vorgeschaltet waren und hatten sich nach einem Bericht von „Buzzfeed“ an Youtube gewandt. Die Videos, um die es dabei geht, haben Titel wie „Mom Researches Vaccines, Discovers Vaccination Horrors and Goes Vaccine Free“, übersetzt etwa „Mutter erkundigt sich über Impfungen, entdeckt Impfhorror und wird Impfgegner“. Das Video wurde seit dem Upload mehr als 200.000 Mal abgerufen und der Youtuber dürfte durch vorgeschaltete Werbeanzeigen einiges verdient haben.

Impfgegner-Videos können nicht mehr monetarisiert werden

Das will Youtube ändern: Vor Videos von Impfgegnern soll künftig keine Werbung mehr geschaltet werden. In einem Statement, aus dem die BBC zitiert, heißt es: „Desinformation zu medizinischen Themen ist besonders besorgniserregend.“ Youtube entzieht den Impfgegnern auf der Videoplattform die finanzielle Grundlage – und geht noch einen Schritt weiter: Veränderungen am Algorithmus sollen dafür sorgen, dass „verbindlichere Inhalte“ zu den positiven Aspekten von Impfungen einfacher zu finden sind. Impfgegner-Videos sollen dagegen künftig nicht mehr in Empfehlungslisten auftauchen. Außerdem sollen kurze Infotexte unter den Impfgegner-Videos den Nutzern die Möglichkeit geben, die Informationen selbst nachzuprüfen. „Buzzfeed“ zeigt, dass nun unter einigen Videos ein Hinweis auf die Diskussion um das Impfen steht, außerdem gibt es einen Link zur Wikipedia.

Nachdem der US-Kongressabgeordnete Adam Schiff einen offenen Brief zum Thema Impfgegner an Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Google-Chef Sundar Pichai veröffentlicht hatte, beschäftigt sich auch Facebook mit den Anti-Impf-Inhalten auf der Plattform. Nach Informationen von CNN soll es „in Kürze“ Änderungen auf Facebook geben, die dabei helfen sollen, Anti-Impf-Inhalte auf der Plattform einzudämmen. Dabei handelt es sich offenbar hauptsächlich um Änderungen am Algorithmus, Facebook-Gruppen von Impfgegnern würden dann beispielsweise nicht mehr in den Suchergebnissen auftauchen.

Besonders streng geht überraschenderweise die Fotoplattform Pinterest mit Inhalten um, die sich gegen das Impfen richten. Wer dort nach den englischen Begriffen „vaccines“ oder „vaccinations“ sucht, bekommt bereits seit vergangenem Jahr keine Inhalte mehr angezeigt. „Wir wollen, dass Pinterest ein inspirierender Platz für Leute ist und es gibt nichts Inspirierendes an Desinformation“, zitiert CNBC einen Pinterest-Sprecher. „Deshalb arbeiten wir weiter an neuen Wegen, um irreführende Inhalte von unserer Plattform fernzuhalten.“ Seit 2017 verfolgt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Strategie gegen Desinformation im Gesundheitsbereich. Damals stellte man laut mehrerer Medienberichte offenbar fest, dass viele Inhalte, die auf der Plattform gepostet wurden, Nutzer auf Webseiten weiterleiteten, die von medizinischen Behandlungen abrieten.

Zur Sache: Masernimpfung

Masern sind eine hochansteckende Virus-Erkrankung, die in seltenen Fällen zu schweren Komplikationen führen kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, die erste Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite Impfung zwischen 14 und 23 Monaten durchzuführen. Erwachsenen empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Masern.

Das Gerücht, die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) verursache Autismus, entstand durch eine Studie von Andrew Wakefield, die 1998 in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Versuche, die Studienergebnisse zu reproduzieren, scheiterten. 2004 wurde bekannt, dass Wakefield Gelder von Anwälten bekommen hatte, die die Eltern autistischer Kinder vertraten. 2010 wurde die Studie zurückgezogen, Wakefield erhielt ein Berufsverbot in Großbritannien.

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