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Wird Science Fiction zur Realität? Forschende simulieren „Baby-Wurmloch“

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Von: Tanja Banner

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Künstlerische Darstellung eines Wurmlochs.
Künstlerische Darstellung eines Wurmlochs. © inqnet/A. Mueller (Caltech)

In den USA gelingt einem Forschungsteam die Simulation eines Wurmlochs. Doch die Forschenden stehen noch ganz am Anfang ihrer Arbeit.

Pasadena – In der Theorie sind Wurmlöcher eine Art Tunnel, die zwei Orte im Universum miteinander verbinden. Der Name entstand aus einer Analogie: Ein Wurm frisst sich durch einen Apfel hindurch und verbindet damit zwei Seiten eines Raumes mit einem Tunnel. In der Science Fiction wird dieses Prinzip der „Einstein-Rosen-Brücken“, wie das Phänomen in der Physik genannt wird, gerne angewandt – ob es Wurmlöcher tatsächlich gibt, ist bisher jedoch noch nicht bewiesen.

Nun ist es Forschenden des California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena gelungen, ein „Baby-Wurmloch“ zu simulieren, wie die Forscherin Maria Spiropulu erklärt. Die Physikerin ist Mitautorin einer Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde. Dazu erzeugten das Forschungsteam um Spiropulu zwei winzige simulierte schwarze Löcher in einem Quantencomputer. Anschließend gelang es dem Team nach eigenen Angaben, eine Nachricht zwischen den beiden schwarzen Löchern durch einen Tunnel in der Raumzeit zu übertragen.

Wurmloch im Quantencomputer: Lebewesen kann man nicht hindurch schicken

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind jedoch noch weit davon entfernt, Menschen oder andere Lebewesen durch ein solches Portal schicken zu können. „Experimentell kann ich Ihnen sagen, dass es noch sehr, sehr weit entfernt ist. Die Leute kommen zu mir und fragen mich: ‚Können Sie Ihren Hund in das Wurmloch schicken?‘ Also, nein“, betont Spiropulu gegenüber Journalistinnen und Journalisten während eines Videobriefings. „Das ist ein gewaltiger Sprung.“

Der Physiker und Co-Autor Joseph Lykken (Fermilab) ergänzt: „Es gibt einen Unterschied zwischen etwas, das im Prinzip möglich ist und etwas, das in der Realität möglich ist.“ Man solle sich nicht darauf versteifen, seinen Hund durch das Wurmloch zu schicken, so der Physiker weiter. „Aber irgendwo muss man ja anfangen. Und ich denke, es ist einfach aufregend, dass wir überhaupt in der Lage sind, damit zu arbeiten.“

„Wir haben etwas, das in Bezug auf die Eigenschaften wie ein Wurmloch aussieht“

Doch was genau ist den Forschenden eigentlich gelungen? Lykken erklärt es so: „Es sieht aus wie eine Ente, es geht wie eine Ente und es quakt wie eine Ente. Das ist es also, was wir zu diesem Zeitpunkt sagen können – dass wir etwas haben, das in Bezug auf die Eigenschaften, die wir betrachten, wie ein Wurmloch aussieht.“

Es sieht aus wie eine Ente, es geht wie eine Ente und es quakt wie eine Ente. Das ist es also, was wir zu diesem Zeitpunkt sagen können – dass wir etwas haben, das in Bezug auf die Eigenschaften, die wir betrachten, wie ein Wurmloch aussieht.

Joseph Lykken

Bei dem Experiment sei kein Bruch von Raum und Zeit im physikalischen Raum erzeugt worden, betonen die Forschenden. Trotzdem scheine auf der Grundlage von Quanteninformationen ein durchquerbares Wurmloch entstanden zu sein. „Letztendlich sind wir in der experimentellen Wissenschaft tätig und wir haben sehr lange darum gekämpft, diese Ideen im Labor zu erforschen“, erklärt Lykken weiter. Es gehe nicht nur darum, dass Wurmlöcher „cool“ seien. „Dies ist eine Möglichkeit, diese sehr grundlegenden Probleme unseres Universums in einer Laborumgebung zu untersuchen.“ (tab)

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