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Dieses tote Tier wurde von Spaziergängern gefunden.
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Dieses tote Tier wurde von Spaziergängern gefunden.

Wölfe

Wolf im Westerwald wurde erschossen

  • VonSilke Janovsky
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Der Wolf, der sich im Westerwald angesiedelt hatte, ist tot. Das Tier wurde mit einer großkalibrigen Waffe erschossen. Auf die Ergreifung des Täters ist eine Belohnung ausgesetzt.

Es gab Zeiten, da war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde, doch die sind lange her. Seit Wölfe als Feind des Menschen galten, weil sie dessen Nutzvieh rissen und in Fabeln und Märchen als Inkarnation des Bösen herhalten mussten, wurde der Canis lupus bejagt. In Deutschland galten die wilden Tiere seit Mitte des 19. Jahrhunderts faktisch als ausgerottet.

Auch im rheinland-pfälzischen Steimel im Kreis Neuwied wurde mehr als 120 Jahre kein freilebender Wolf mehr gesehen. Bis zum 26. Februar dieses Jahres, da fotografierten Wanderer im Westerwald ein scheues Tier, das tatsächlich einem Wolf sehr ähnlich sah und vom Naturschutzbund Deutschland auch als ein solcher identifiziert wurde. Experten schätzten das Tier als ungefährlich ein. Doch nun ist eben jener Westerwald-Wolf wohl tot.

„Vollkommen unverständlich“

Spaziergänger fanden am Samstag ein erschossenes Tier in einem abgelegenen Waldstück nahe Hachenburg, wie der Kreisjagdmeister Bernd Schneider am Montag bestätigte. Weder hätte in dem Revier am Samstag eine Jagd stattgefunden noch seien dessen Pächter zugegen gewesen. Es sei „vollkommen unverständlich“, warum jemand den Wolf abgeschossen habe. „Das ist alles sehr dubios“, sagte Schneider.

Nach Angaben des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz wurde das Tier mit einer großkalibrigen Waffe erschossen, das zeigten die Ein- und Ausschusslöcher am Kadaver des zwei Meter langen und 30 Kilogramm schweren Rüden. Der Täter ist unbekannt, aber der Verband hat eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise zu dessen Ergreifung ausgesetzt, um den „schwerwiegenden Verstoß gegen das Naturschutzgesetz“ zu ahnden. „Wir sind entsetzt über diese traurige Nachricht“, sagte der Präsident des rheinland-pfälzischen Landesjagdverbands Kurt Alexander Michael. „Sollte es sich dabei um einen Jäger handeln, hat dieser mit einer hohen Geldstrafe und dem Entzug des Jagdscheins zu rechnen.“ Die Kriminalpolizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Der Kadaver ist nun ins Landesuntersuchungsamt nach Koblenz überführt worden, ein Gentest soll ermitteln, ob es sich bei dem toten Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Derzeit sieht aber alles danach aus. Eventuell kann der Test auch zeigen, welcher Population der einsame Wolf entstammt.

Seit dem Jahr 2000 konnten in Deutschland erstmals wieder Wolfspopulationen nachgewiesen werden. Vermutlich stammen sie aus Osteuropa und haben sich im Osten Deutschlands erneut angesiedelt. Im sächsischen Teil der Lausitz und in Brandenburg leben mittlerweile elf Rudel und ein Wolfspaar, wie das Wolfsbüro Lausitz im Februar dieses Jahres bekanntgab. Vereinzelte Wölfe wurden in den vergangenen Jahren aber auch schon in Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beobachtet. Man geht inzwischen davon aus, dass in ganz Deutschland zwischen 60 und 100 freilebende Wölfe beheimatet sind. Damit ist der Wolf eines der seltensten Säugetiere hierzulande. Die Tiere stehen deshalb in Deutschland seit 1990 unter strengem Schutz und dürfen nicht gejagt werden.

Nach einer Forsa-Umfrage, die der Umweltschutzorganisation BUND vergangenes Jahr in Auftrag gegeben hatte, haben sich vier von fünf Deutschen eine Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland gewünscht. Demnach messen vor allem jüngere Menschen dem Tier- und Artenschutz einen hohen Stellenwert bei, während die über 60-Jährigen sich eher gegen eine Rückkehr der Wölfe aussprachen.

Schwieriges Verhältnis

Lange stand es um das Verhältnis des Menschen zum Wolf nicht zum Besten: In Fabeln wurden Isegrim Charaktereigenschaften wie Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit angedichtet. Und auch in den Märchen der Gebrüder Grimm verhält sich das Raubtier durchaus streitbar, wenn es sich etwa Rotkäppchens Großmutter einverleibt oder auch sechs der sieben Geißlein genüsslich vertilgt. Am Ende aber hat es den bösen Wolf immer erwischt. So auch jetzt im Westerwald, auch wenn er überhaupt kein Bösewicht war.

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