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Ökostrom kann gespeichert werden, beispielsweise in Pumpspeicherwerke wie dieses in Rönkhausen.

Leserfrage

Woher kommt der Ökostrom nachts, wenn kein Wind weht?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

Der Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung ist seit Einführung des EEG im Jahr 2000 deutlich gestiegen. 2019 betrug er rund 46 Prozent. Am Neujahrstag 2018 morgens um sechs Uhr wurde Deutschland erstmals komplett mit Ökostrom versorgt, bei allerdings vergleichsweise niedrigem Verbrauch. Seither gibt es häufiger Tage, an denen Wind, Sonne, Wasser und Biomasse sehr hohe Anteile des Verbrauchs auch an normalen Tagen decken. 

Komplette „Dunkelflauten“ hingegen sind selten, aber sie kommen vor. Trotz der fluktuierenden Einspeisung von Ökostrom ist das deutsche Netz in internationalen Vergleich sehr sicher, weil es genügend flexible Backup-Kapazitäten gibt – konventionelle Kraftwerke, die einspringen können. Das kann auf Dauer aber nicht die Lösung sein. In einem Stromsystem mit steigenden Anteilen erneuerbarer Energien müssen andere Lösungen her. Und die erscheinen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten bis zur Komplettumstellung auf Ökostrom durchaus machbar: Wasser, Biogas und Holz liefern bereits heute einen Sockel immer verfügbarer Grundlastenenergie von mehr als zehn Prozent. 

Um bei einer Dunkelflaute den Rest des Bedarfs abzudecken, braucht es Kurz- und Langfrist-Stromspeicher. Dafür gibt es ausreichend viele Technologien, darunter Batterie-, Pumpspeicher-, Druckluft-, Biogas- und Wärmespeicher. Unter entsprechenden Rahmenbedingungen könnten sie heute schon weit mehr zum Einsatz kommen. Große Erwartungen werden auch in die „Power to gas“- Technologie gesetzt – dabei werden mit Ökostrom synthetische Gase erzeugt, gespeichert und bei Bedarf „verstromt“. Abfedern lassen sich Schwankungen in der Ökostromproduktion künftig auch durch ein europaweit besser integriertes Stromsystem (Motto: Irgendwo weht immer Wind) und mehr Flexibilität bei der Nachfragesteuerung, etwa wenn Großverbraucher ihre Produktion anpassen. Studien zufolge lassen sich Schwankungen in der Stromproduktion bei Extremwetter damit überbrücken. Die Gefahr der „Dunkelflaute“ – eine Wortschöpfung von Energiewendegegnern – sollte nicht überbewertet werden.

Die Frage stellte André Wolf, die Antwort gibt Joachim Wille.

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