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Wo ist das Wasser in den Seen hin?

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Von: Joachim Wille

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Mehrere Boote liegen im Hafen von Moos auf dem Trockenen, weil der Bodensee Niedrigwasser hat.
Mehrere Boote liegen im Hafen von Moos auf dem Trockenen, weil der Bodensee Niedrigwasser hat. © Felix Kästle/dpa

Extremes Wetter: Aus vielen Seen überall auf der Welt verdunstet Wasser. Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Abkühlung im Wasser? Endlich mal wieder Boot fahren? Etwa im „schwäbischen Meer“, dem Bodensee? Diesmal nicht so einfach. Wieder mal. Es herrscht Ebbe in Deutschlands größtem Gewässer. Der niedrige Wasserpegel lässt nach und nach Sandbänke ans Licht kommen, stellenweise könnte man bald mitten im See stehen. Und Bootsbesitzer mussten ihre Boote an Land holen.

Der Wasserstand beträgt bei Konstanz nur noch knapp 3,30 Meter. Vom Niedrigwasser-Rekord ist der See nur noch gut zehn Zentimeter entfernt. Und die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg schätzt, der bisher niedrigste Wert von 3,17 Meter, gemessen 1876 und 1949, könnte über kurz oder lang sogar unterschritten werden, falls es weiter wenig regnet.

Ein trockener Bodensee - kurz vor Niedrigwasser-Rekord

Doch noch ein anderes Phänomen spielt hier mit – und genauso in praktisch allen Seen weltweit. Ein US-Forschungsteam von der Texas A & M University hat jetzt herausgefunden, dass sich die Wasserverdunstung aus den mehr als 1,4 Millionen Binnenseen, die es gibt, in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat. Das verdampfte Volumen macht zwar weniger als ein Prozent des in allen Seen gespeicherten Wassers aus, entspricht aber doch dem Dreißigfachen der Bodensee-Wassermenge. Und seit 1985 nahm das Volumen, das verdunstet, pro Jahr im Schnitt um etwa drei Kubikkilometer zu – das entspricht einmal dem Starnberger See.

Die wahrscheinlichsten Gründe für diese Zunahme? Der Anstieg der Lufttemperatur sowie der Rückgang der Eisbedeckung, die beide die Verdampfung anheizen, so das Team um die Hydrologin Huilin Gao. Die Phänomene sind, man ahnt es, vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen, der den hydrologischen Zyklus verstärkt: Es gibt mehr Verdunstung und in der Folge auch mehr Niederschläge.

Extreme von Trockenheit und Hochwasser könnten sich verstärken

Dass das zusätzlich verdunstete Wasser auch wieder auf die Erde herunterkommen muss, ist dabei nur ein kleiner Trost. Denn dass das am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosierung passiert, um die Defizite auszugleichen, ist höchst unwahrscheinlich. Eher schon, dass sich die Extreme von Trockenheit und Hochwasser verstärken.

Abkühlung, Boot fahren? Wer das bisher vom Bodensee garantiert sah, muss sich wohl umstellen. Zum Glück kann man umsteigen, es gibt da auch Schwimmbäder und Radwege. Aber ob es dasselbe ist? (Joachim Wille)

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