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Fachleute empfehlen Nasa einen Flug zur Venus – Lohnt sich die Reise zum „Höllen-Planeten“?

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Von: Constantin Hoppe

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Der Planet Venus
Die Venus gilt als „Zwilling der Erde“ im Sonnensystem. Doch unter der dichten Wolkenschicht wartet ein höllischer Ort. © NASA/JPL/dpa

Eine Generalprobe für eine bemannte Mars-Mission? Nasa-Fachleute schlagen einen bemannten Flug zur Venus vor.

Paris – Auf dem Weg zum Mars sollte die Nasa einen Zwischenstopp an der Venus einlegen. Das empfahl eine Gruppe von Fachleuten der Raumfahrt-Behörde während des International Astronautical Congress 2022 (IAC), der vergangenen Woche in Paris stattfand. Diese Mission könnte nach den Fachleuten gleichsam als Generalprobe einer bemannten Marsmission dienen, berichtet die britische Tageszeitung The Guardian.

Die Venus hat einen ganz besonderen Platz im Sonnensystem: Kein anderer Planet ähnelt der Erde so sehr, was Größe, Masse, Schwerkraft und Entfernung zur Sonne angeht. Nicht umsonst trägt sie auch den Namen eines „Zwillings der Erde“. Doch damit hören die Ähnlichkeiten auf: Unter der dichten Wolkendecke herrschen Bedingungen, die eher an Höllen-Bilder von Hieronymus Bosch erinnern.

Fachleute raten: Anstatt zum Mars – Nasa sollte Flug zur Venus ins Auge fassen

Wolken aus Schwefelsäure, Temperaturen von bis zu 497 Grad Celsius und ein Druck, wie er in rund 1000 Metern Wassertiefe herrscht, macht den „Zwilling“ zu keinem sehr einladenden Ort für Menschen. Doch für die Wissenschaft bietet die Venus einen großen Mehrwert, behaupten zumindest einige Fachleute der Nasa.

Nasa-Chefökonom Alexander Macdonald und Dr. Noam Izenberg vom Labor für angewandte Physik der Johns Hopkins University in Baltimore gehören zu diesen Experten. Sie haben in der vergangenen Woche (18. bis 22. September) auf dem IAC einen Bericht vorgestellt, der mit der Empfehlung endet, zunächst die Venus als Ziel einer bemannten Mission ins Auge zu fassen.

Der Planet Venus
Mittlere Entfernung zur Sonne108.000.000 Kilometer
Umlaufzeit225 Tage
Näheste Entfernung zur Erde38.000.000 Kilometer
Oberflächentemperatur437 bis 497 Grad Celsius
Oberflächendruck92 bar

Statt zum Mars erst zur Venus: Kein anderer Planet kommt der Erde so nahe

Es gibt allerdings einige Nachteile bei den Plänen: Ein Spaziergang auf der Oberfläche wäre ein unüberwindbares Hindernis, sodass die Astronaut:innen den Planeten bei einem Vorbeiflug aus der Sicherheit ihres Raumschiffs betrachten müssten.

Für die Idee spricht jedoch die Nähe der Venus zur Erde: Beide Planeten nähern sich bis auf 38,3 Millionen Kilometer einander an. Damit könnte eine Mission innerhalb eines Jahres beendet werden, im Gegensatz zu dem mindestens dreijährigen Flug zum Mars (Hin- und Rückflug). Ein Vorbeiflug wäre wissenschaftlich wertvoll und könnte als Vorstufe zu einem Besuch auf dem Mars entscheidende Erfahrungen mit einer längeren Weltraummission liefern, zitiert The Guardian aus dem Bericht.

Flug zur Venus wäre schwierig, könnte aber viele Ergebnisse liefern

Bei einem Vorbeiflug wäre es den Astronaut:innen jedoch trotzdem möglich, durch ferngesteuerte Rover, Drohnen und Ballons den Planeten zu erforschen – genauer als dies die derzeitigen Sonden vermögen. So könnten sie die Vulkane der Venus beobachten und nach Anzeichen für Wasser oder gar nach Lebenszeichen suchen. Letztere werden nach einer 2020 veröffentlichten Studie auf unserem Nachbarn im Sonnensystem vermutet.

Zudem gibt es einen weiteren Vorteil durch einen Flug zur Venus: Unter Umständen könnte dieser laut Macdonald und Itzenberg einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars bedeuten. Dabei könnte ein Raumschiff ein sogenanntes „Swing-by“-Manöver ausführen. Durch solche kann die Geschwindigkeit eines Raumschiffs durch Nutzung der Schwerkraft eines Planeten erhöht werden. Das würde Treibstoff und Flugzeit für einen Marsflug verringern.

Experte über bemannte Venus-Mission: „Ein Wunderland mit betörenden und mysteriösen Aussichten“

„Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass die Venus ein endloses Wunderland mit betörenden und mysteriösen Aussichten und Formationen sein wird“, sagte Itzenberg in Paris.

Andere Forschende sehen in einem Flug zur Venus jedoch keinen Mehrwert: „Es ist wirklich kein schöner Ort zum Reisen. Es ist eine höllische Umgebung, und die thermischen Herausforderungen für eine menschliche Mission wären beträchtlich“, sagte Prof. Andrew Coates, ein Weltraumwissenschaftler am Mullard Space Science Laboratory des University College London.

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Doch gleich, wie die Nasa einem bemannten Flug zur Venus gegenüber steht: Das wissenschaftliche Interesse an dem nächsten Nachbarn der Erde im Sonnensystem ist wieder entfacht: Alleine die Nasa plant mit DaVinci+ und Veritas zwei neue Sonden-Missionen zur Venus – die ersten Besuche der US-Raumfahrtbehörde dort seit der Pioneer-Sonde 1978. (Constantin Hoppe)

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