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Der Tesla Model X wurde 2018 vorgestellt. Ein solches E-Auto muss rund 150 000 Kilometer laufen bevor es klimafreundlicher als ein Benziner oder Diesel ist.

Klimawandel

Wir wirtschaften,als gäbe es kein Morgen

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Weltweit muss der Verbrauch von Rohstoffen um die Hälfte sinken.

E-Autos sollen die Verkehrswende bringen. Doch sind PS-Boliden wie der Tesla X oder der Audi E-tron wirklich die Zukunft der klimafreundlichen Mobilität? Bis zu 2,5 Tonnen schwer, bis zu 770 PS stark – und doch von der EU als „Nullemissionsauto“ eingestuft. Dabei stoßen der Tesla und der Audi wie alle E-Pkw auch CO2 aus – nur nicht am Auspuff, sondern im (Kohle- und Gas-)Kraftwerk, das einen Teil ihres Fahrstroms produziert.

Große Mengen Treibhausgase entstehen außerdem bereits beim Herstellen der Batterie, die mehrere hundert Kilo zum Gesamtgewicht beiträgt. Solche ökologisch schweren Rucksäcke führen dazu, dass ein E-Auto laut dem Heidelberger Ifeu-Institut rund 150 000 Kilometer fahren muss, bevor es tatsächlich klimafreundlicher ist als ein Benziner oder Diesel.

Der Ausstoß der Treibhausgase muss sinken – auf netto null bis spätestens 2050. Doch das kann nur funktionieren, wenn neben dem direkten Verbrauch fossiler Energien auch die Nutzung der Rohstoffe sinkt. Der weltweit hohe Verbrauch der Ressourcen trägt nach der Analyse des International Resource Panel (IRP), eines Gremiums beim UN-Umweltprogramm Unep, enorm zum CO2-Problem bei. Rohstoffgewinnung und -verarbeitung sind laut dem jüngsten IRP-Report von 2019 für die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und für 90 Prozent des Verlustes an biologischer Vielfalt. Unep-Vizechefin Joyce Msuya kommentierte: „Wir durchpflügen die endlichen Ressourcen des Planeten, als gäbe es kein Morgen.“

Seit 1970 hat sich der globale Ressourcenverbrauch von 27 auf 92 Milliarden Tonnen pro Jahr fast vervierfacht. Geht es so weiter, wird er laut IRP bis 2060 auf 190 Milliarden Tonnen steigen – das wäre ein weiteres Plus von 43 Prozent bei den CO2-Emissionen.

Nur wenig wird recycelt

Ein Entkoppeln der Wohlstandserzeugung vom Naturverbrauch, wie es schon der Club of Rome vor fast 50 Jahren in „Die Grenzen des Wachstums“ gefordert hat, ist nicht zu sehen. Die Rohstoffproduktivität hat sich, global betrachtet, nicht verbessert. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch heute zwar niedriger als 2000. In den vergangenen Jahren ist er aber wieder gestiegen.

Der Mensch verändert den Globus nach Aussage des im vorigen Jahr verstorbenen Umweltforschers und „Ressourcenpapstes“ Friedrich Schmidt-Bleek stärker als die geologischen Kräfte. Ökologisch wird das zum Problem – vor allem weil im Durchschnitt mehr als 90 Prozent der aus der Natur entnommenen Ressourcen auf dem Weg zur Produktion von Nahrungsmitteln, Maschinen, Gebäuden oder Fahrzeugen sowie nach dem Gebrauch zu Müll degenerieren. Die Recyclingquoten sind gering. Selbst in der hoch entwickelten europäischen Wirtschaft werden nur 13 Prozent der Ressourcen im Kreislauf geführt, weltweit sind es gar nur sieben Prozent.

Der Schlüssel, um den zu hohen Rohstoffverbrauch und damit auch die Abfallströme zu mindern, liegt in einer Verbesserung der Ressourcenproduktivität – also einer besseren Ausnutzung der Materialien, um die benötigten Dienstleistungen zu erbringen. Weltweit muss die Ressourcennutzung Schmidt-Bleek zufolge mindestens halbiert werden. In den Industrieländern muss der Verbrauch sogar auf ein Zehntel des bisherigen Niveaus sinken. Konzepte dafür gibt es in vielen Bereichen; konsequent umgesetzt werden die Ideen aber bisher nicht.

Bei den Rohstoffen ist also wie beim Klimaschutz eine radikale Trendwende nötig. Abfälle müssen in der Produktion, beim Konsum und bei der Mülltrennung drastisch reduziert werden. Sie sollten am besten erst gar nicht entstehen – denn ein öko-intelligentes Produktdesign kann eine Kreislaufführung auf hohem Niveau ermöglichen. Nötig sind nach Ansicht von Experten eine spürbare Besteuerung von Rohstoffen, ein konsequentes Recycling und veränderte Konsumgewohnheiten.

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