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Hat noch viel vor: Nils Stieglitz ist Präsident der Frankfurt School of Finance & Management.

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„Wir wollen wachsen“

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Jung und hungrig: Der neue Präsident der privaten Frankfurt School sucht den Wettbewerb mit den besten Wirtschaftsunis.

Jung und hungrig – so charakterisiert Nils Stieglitz, der neue Präsident der Frankfurt School of Finance and Management, sein Mitarbeiter-Team. Er selbst ist allerdings auch erst 44 Jahre alt, hat aber schon eine Forscherkarriere hinter sich. 2012 kam der Volkswirtschaftler als Professor für Strategic Management an die Frankfurt School, zuvor hatte er an der University of Southern Denmark geforscht.

Nach knapp zwei Jahrzehnten als Wissenschaftler hat er dann Anfang April den langjährigen Präsidenten Udo Steffens an der Spitze der Frankfurt School abgelöst. „So eine Chance bekommt man nicht zweimal“, betont Nils Stieglitz, dessen Markenzeichen hochgekrempelte Hemdsärmel sind. Und in der Tat will er in seinem neuen Amt anpacken, mitgestalten und „nicht nur verwalten“. Er möchte „einmal Teil der Story sein und sich sagen können: An dieser tollen Reise war ich beteiligt. Ich fühle mich am lebendigsten, wenn sich Dinge verändern“. Nur Hobbys wie Brettspielen oder Konzertbesuchen könne er sich momentan nicht widmen, stattdessen verbringe er lieber die rare Freizeit mit seiner Familie.

Sein Büro im gediegenen Neubau an der Adickesallee ist gerade frisch renoviert worden. Vor allem seinen bequemen, türkisfarbenen Lesesessel nutzt Stieglitz intensiv – zum Aktenstudium im Vorfeld von Meetings. Aus der oberen Etage genießt der Hochschulpräsident den Blick über Downtown und gerät dabei ins Schwärmen: „Frankfurt ist ein attraktiver Standort. Die Stadt ist weltoffen, international und dynamisch. Auch ohne Deutsch zu sprechen, kann man hier gut leben.“ Er schätze die hohe Lebensqualität: kurze Wege, das Kulturangebot und die Flughafenanbindung. Der Norddeutsche sagt über sich selbst, dass er mittlerweile „Wahlfrankfurter“ sei. Stieglitz sieht zudem Chancen, dass „Frankfurt überdurchschnittlich vom Brexit profitieren könnte, wenn mehr Wohnraum und Büroflächen geschaffen werden“. Ein Schub für den Finanzplatz sei dringend nötig, denn etliche Banken steckten in der Krise.

Eine der größten Umwälzungen im Wirtschaftsleben werde die Digitalisierung mit sich bringen. „Wenn wir uns nicht bewegen, überrollt sie uns“, sagt Stieglitz. Er rechne fest damit, dass zudem viele Jobs in der Branche im Zuge der Digitalisierung wegfielen. Für den Wertpapierhandel seien beispielsweise schon jetzt automatisierte Algorithmen und nicht mehr Menschen verantwortlich. In vielen Bereichen werde die Künstliche Intelligenz die menschliche übertrumpfen, nicht nur bei der Rechenleistung, sondern auch bei kreativen Ausgaben.

„Gebraucht werden Fachkräfte an der Schnittstelle zwischen der Technik und der betrieblichen Anwendung.“ Im September starte daher an der Privatuni der neue Studiengang Master of Applied Data Science mit 20 Plätzen. Neben Fallstudien arbeite man eng mit Unternehmen wie der Commerzbank und der Beratungsfirma KPMG zusammen, um die Problemlösungskompetenz zu schulen.

Dieser Trend macht sich auch bei der strategischen Ausrichtung der Frankfurt School bemerkbar: War die Bankakademie in den Gründungsjahren nach 1957 und die spätere Hochschule für Bankwirtschaft für die Berufsqualifizierung im Finanzsektor ausgelegt, sieht Nils Stieglitz die Zukunft der Frankfurt School nun als eine führende forschungsstarke Wirtschaftsuniversität: Aus dem erfolgreichen, auf Banking spezialisierten Nischenanbieter soll bis zum Jahr 2020 eine der besten Business Schools in Europa werden. Seine Ambition ist ehrgeizig – zumal der Markt national wie international umkämpft ist.

„Viele denken, dass unsere Hochschule viel Geld hat. Aber wir haben kein großes Stiftungsvermögen. Uns zeichnet aus, dass wir das Geld, das wir ausgeben, jedes Jahr verdienen müssen.“ Die private Hochschule hat auch den 110 Millionen Euro teuren Campusneubau selbst finanziert. Die rund 2000 Studierenden am Standort Frankfurt zahlen für ein Bachelor- oder Masterstudium zwischen 20 000 und 44 000 Euro an Gebühren. „Das erscheint viel für deutsche Ohren, ist im internationalen Vergleich jedoch günstig. Indem wir Entscheider ausbilden, entlastet unsere Hochschule im Gegensatz zu staatlichen Universitäten zudem die Steuerzahler“, argumentiert der Volkswirtschaftler.

Die Professoren würden sich in der Lehre anstrengen, „indem sie neue Inhalte bieten und Studierende sehr gut betreuen“. Absolventen würden bereits jetzt bei ihrer Karriereplanung unterstützt – auch in der Industrie oder bei Beratungsfirmen.

„Und wir wollen wachsen“, kündigt Stieglitz an – er peilt eine Studierendenzahl von 2500 am Standort Frankfurt an. Zudem nutzten im Jahr rund 40 000 Teilnehmer die berufsbegleitenden akademischen Weiterbildungsangebote.

„Keine meiner Vorlesungen an der Frankfurt School habe ich auf Deutsch gehalten“, berichtet Stieglitz. 80 Prozent der Vorlesungen an der Frankfurt School seien auf Englisch. Viele Studierende kämen aus dem Ausland, in den Masterprogrammen sogar jeder zweite.„Trotz Donald Trump wird die Kommunikation zwischen den Kulturen immer wichtiger, aber auch auf Teamfähigkeit legen wir Wert bei der Ausbildung“, betont Stieglitz. „Grenzen behindern die Wirtschaft“ – das sei das Credo der Frankfurt School; zudem fühle man sich dem europäischen Gedanken und globalen Werten wie Toleranz, Ethik und Weltoffenheit verpflichtet.

Auch der akademische Nachwuchs wird an der Frankfurt School promoviert. „Wir vergeben sehr selektiv acht bis zehn Stipendien pro Jahr, aber nur unter der Bedingung, dass die Stipendiaten später in der Spitzenforschung arbeiten wollen.“ Das sei mit Risiken verbunden, da einer Professur oft unterbezahlte und prekäre Beschäftigungsverhältnisse vorangingen. Die Qualität der Doktorarbeiten werde durch eine hohe Zahl an Gutachtern und die Einbindung internationaler Institutionen gewährleistet, berichtet Stieglitz.

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