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Zwischen Corona und der Umwelt: Wir sind ja so bewusst – Hoffnung mit Haken

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Von: Joachim Wille

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 Zwei Drittel der Befragten sind bereit, künftig weniger Fleisch zu essen.
 Zwei Drittel der Befragten sind bereit, künftig weniger Fleisch zu essen. © Imago

Auch in der Corona-Pandemie denken die Deutschen an die Umwelt, wie eine Studie zeigt. Das macht Hoffnung - aber es gibt einen Haken. Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Die Deutschen sind sehr klimabewusst. Sie erwarten von der Politik, dass mehr für den Umweltschutz und die CO2-Einsparung getan wird. Am menschgemachten Klimawandel gibt es kaum noch Zweifel. Das sind Ergebnisse einer großen Studie zum „Umweltbewusstsein in Deutschland 2020“, die das Umweltbundesamt jetzt detailliert ausgewertet hat.

Es sind Zahlen, die zuversichtlich stimmen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie 2020 erhoben wurden. Da hatte Corona uns voll im Griff, keiner war geimpft, und es war unklar, ob und wann man wieder zu einem halbwegs normalen Leben zurückkehren könnte. Klimakrise und Klimaschutz behielten trotzdem eine hohe Priorität. Kaum anders als 2019, als die Fridays-for-Future-Demos mit Hunderttausenden Teilnehmern den Takt in Öffentlichkeit und Politik vorgaben.

Na logisch, alle für Öko - Zumindest in der Theorie

Und es kommt noch besser. Die Untersuchung zeigt auch, dass die Bevölkerung viele Maßnahmen für Klimaschutz mehrheitlich unterstützt. Zum Teil sogar mit sehr hoher Zustimmungsraten. Rund 64 Prozent sind für ein Tempolimit auf Autobahnen, 80 Prozent für eine Verteuerung oder ein Verbot klimaschädlicher Produkte und 88 Prozent für den Abbau klimaschädlicher Subventionen.

Und man ist auch bereit, die eigenen Verhaltensweisen zu verändern. Etwa 60 Prozent der Befragten wollen „konsequenter besonders energieeffiziente Geräte kaufen“, zwei Drittel sind bereit, künftig weniger Fleisch zu essen, und 74 Prozent wollen „insgesamt weniger konsumieren“.

Hoffnung mit Haken: Der Unterschied zwischen Bereitschaft und Handlung

Doch, man ahnt es schon. Es gibt einen gewaltigen Haken. Die Bereitschaft, persönlich mehr für Umwelt- und Klimaschutz zu tun, spiegelt sich nicht immer im Verhalten wieder. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Jeder von uns kennt sie. Es sind die Alltagsanforderungen wie Zeitmangel, fehlende finanzielle Mittel oder Belastung in Familie respektive Beruf. Aber sie liegen auch im Mangel an „grünen“ Angeboten und entsprechenden Infrastrukturen.

Der Schluss daraus: Die Politik muss es den Menschen einfacher machen, nachhaltig zu leben und ihre Alltagsroutinen anzupassen. Das Umweltamt fordert: Wir brauchen anspruchsvolle Energie- und Umweltstandards für Gebäude, Verkehrsmittel, Produkte und Lebensmittel sowie Preise, die stärker die ökologische Wahrheit sagen. Jetzt muss die Ampel-Bundesregierung das nur noch umsetzen. So einfach ist das. (Joachim Wille)

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