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Windkraft ist das Arbeitstier

Ökostrom soll bis 2020 rund 20 Prozent Marktanteil erreichen

Von BERNWARD JANZING

Wo ein Wille ist, werden selbst Optimisten leicht übertroffen. Es war im Jahr 2003, als der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin das Ziel vorgab, bis 2010 müsse Deutschland 12,5 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Heute weiß man: Trittin war zu pessimistisch. Bereits im Jahr 2007 dürfte die angepeilte Marke überschritten werden, nachdem 2006 der Ökostromanteil mit zwölf Prozent nur knapp darunter lag.

Den größten Anteil unter den Erneuerbaren bringt in Deutschland heute der Wind, seit er 2004 die Wasserkraft überholte. Er dürfte im laufenden Jahr 35 Milliarden Kilowattstunden zum Strommix beitragen, also rund sechs Prozent. Mehr als 21 000 Megawatt Windkraft sind inzwischen in der Bundesrepublik am Netz - das sind rund 28 Prozent der globalen Windkraftleistung, und es ist der einsame Spitzenplatz in der weltweiten Statistik.

Das Potenzial ist aber auch damit noch nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft: 45 000 Megawatt könnten bis 2020 an Land installiert werden, schätzt der Bundesverband Windenergie (BWE) - vor allem durch Austausch älterer Rotoren durch neue, leistungsstärkere Maschinen.

Auf den deutschen Meeren jedoch verzögert sich der Ausbau. Für das Jahr 2015 erwartet der BWE nur noch 5000 Megawatt Offshore-Windparks und bis 2020 gelten gerade 10 000 Megawatt als realistisch. Frühere Prognosen der Bundesregierung, die bis 2020 mit 20 000 Megawatt gerechnet hatte, hält die Windbranche derzeit für nicht erreichbar - viele Investoren zögern, nachdem sich zeigt, dass die Einspeisevergütungen recht knapp bemessen sind.

Sonnenenergie boomt

Unterdessen boomt die Sonne. Rund 3000 Megawatt Photovoltaik sind in Deutschland inzwischen installiert, alleine 750 Megawatt kamen im vergangenen Jahr hinzu. Zwar deckte der Sonnenstrom im vergangenen Jahr gerade 0,3 Prozent des nationalen Verbrauchs, doch das Wachstum ist enorm: Seit 1990 ist die Menge des Solarstroms im deutschen Netz um weit mehr als das Tausendfache gestiegen. Stärker verbreitet als die Solarstromerzeugung ist gleichwohl die Nutzung von Solarwärme - den 300 000 Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern stehen rund eine Million Solarkollektoren gegenüber.

Unterdessen wird Südeuropa eine andere Form der Solarstromerzeugung voran bringen - solarthermische Kraftwerke nämlich. Das sind Anlagen, bei denen die Sonnenwärme eine Kraftmaschine antreibt. Im Unterschied zur Photovoltaik, die auch diffuses Licht verwertet, kann diese Technik jedoch nur die direkte Einstrahlung nutzen. Für Deutschland bietet sich das Verfahren deswegen (und auch wegen des Bedarfs an großen zusammenhängenden Flächen) nicht an. Die Photovoltaik wird hier auch langfristig die Technik der Wahl bleiben, weil sie sich dezentral auf den Dächern platzieren lässt.

Ein großes Spiegelfeld

Gleichwohl baut das Solar-Institut der Fachhochschule Aachen in Jülich gerade ein solarthermisches Kraftwerk. So entsteht in Jülich ein 20 000 Quadratmeter großes Spiegelfeld. Die Spiegel sind drehbar angeordnet, und werden dem Gang der Sonne nachgeführt. Damit bündeln sie die Sonnenstrahlen in einem Brennpunkt an der Spitze eines 50 Meter hohen Turmes. Bei Temperaturen von 1000 Grad wird dort Wasserdampf erzeugt, der eine Turbine antreibt.

Als schwieriges Terrain erweist sich die Geothermie, nachdem zahlreiche Projekte auf der Strecke geblieben sind. Die Geologie ist nicht immer berechenbar - fließt weniger Wasser im Untergrund als erhofft, ist die Wirtschaftlichkeit schnell dahin.

Zwei Projekte immerhin stehen in diesem Jahr vor der Vollendung: Landau und Unterhaching. Unterhaching bezieht seine Energie aus 120 Grad heißem Tiefenwasser, das in gut 3300 Meter Tiefe fließt. 3,4 Megawatt elektrischer Leistung sollen ab Ende 2007 daraus gewonnen werden. Auch in Landau sind zwei Bohrungen von 3000 Meter Tiefe fertiggestellt, und die Temperatur des vorgefundenen Wassers ist mit 155 Grad Celsius sogar noch fünf Grad höher als erwartet. Rund 2,5 Megawatt elektrische Leistung wird dieses Kraftwerk liefern.

Nennenswerte Beiträge bringt derweil die Bioenergie. Fast 17 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden im vergangenen Jahr in Deutschland aus Biomasse gewonnen, darunter gut zehn Milliarden aus Holz, über fünf Milliarden aus Biogas, und rund eine Milliarde aus Pflanzenöl. Der Anteil der Biomasse am Strommix lag bei rund drei Prozent. Bis 2020 soll er auf 12 Prozent steigen.

So werden die erneuerbaren Energien in Deutschland weiter wachsen. Die nächste Zielmarke ist auf das Jahr 2020 gesetzt: 20 Prozent Anteil am Strommix sollen die Regenerativen dann erreichen - und auch dieses Ziel dürfte früher erreicht werden.

Buchtipp: Jürgen Petermann (Hrsg.): Sichere Energie im 21. Jahrhundert, Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, 25 Euro.

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