Vielerorts ist der Wald bedroht.
+
Vielerorts ist der Wald bedroht.

ÖKO-LOGISCH

Wildwuchs bringt’s

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Der Wald ist weltweit bedroht, doch es gibt Lichtblicke – ausgerechnet in Europa.

Der Wald ist vielerorts bedroht. Doch Europa bildet den positiven Gegentrend. Weltweit werden jährlich rund 13 Millionen Hektar zerstört, das entspricht einer Fläche von rund 33 Fußballfeldern pro Minute. Doch in Europa wächst die bewaldete Fläche. Rund ein Drittel des Kontinents ist bewaldet, und die Fläche dehnt sich langsam, aber stetig aus – um 0,4 Prozent pro Jahr im Schnitt.

In vielen Ländern liegt das daran, dass Ackerland und Weiden aufgegeben werden. Die Landwirtschaft lohnt sich nicht mehr, Landflucht grassiert. Eine Methode zur „Aufforstung“ ist es, die Flächen sich selbst zu überlassen. Dann entwickelt sich ein „spontaner Wald“ aus dem Wildwuchs. Das ist nicht nur billig. Manche Forstexperten gehen auch davon aus, dass dadurch Wälder entstehen, die besonders gut an ihren Standort angepasst sind und mit dem Klimawandel besser zurechtkommen als von Menschenhand aufgeforstete Regionen.

Fläche Italiens aufgeforstet

Es geht dabei um durchaus beachtliche Flächen, wie Ökologen der Universität Hohenheim in Stuttgart nun analysierten, die das Phänomen in ihrem Projekt „Sponforest“ untersuchen. Seit 1950 haben die Waldareale in Europa um rund 300 000 Quadratkilometer zugenommen; das entspricht der Größe Italiens. Und sie wachsen weiter. Die Chancen der „passive Wiederherstellung der Landschaft“ – Europa war ursprünglich einmal zu 80 Prozent bewaldet – seien bisher nur wenig beachtet worden, so die Forscher. Das soll „Sponforest“ ändern. Untersucht werden dazu fünf Landschaften in Frankreich und Spanien – von der Metropolregion Barcelona bis zu dünn besiedelten Bergregionen.

Und warum wurde der „Wildwuchs“ bisher nicht ernst genommen? Ein Grund könnte darin liegen, dass die neuen Wälder in einigen Ländern alles andere als gut angesehen sind. In Zentralspanien etwa stehen laut den Forschenden große Teile der Bevölkerung der Wiedereroberung der Flächen durch die Natur skeptisch gegenüber. Der Wildwuchs ist für sie ein Symbol des wirtschaftlichen Niedergangs. In Frankreich hingegen gibt es Gebiete, in denen bereits die ersten Bäume auf diesen Flächen gefällt und verkauft wurden. Hier sei die Akzeptanz wesentlich höher.

Schade, dass die Lage in Deutschland nicht untersucht wird. Man hätte doch zu gerne gewusst, was die Leute hier vom Wildwuchs halten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare