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Wie Omikron in die Welt kam

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Von: Pamela Dörhöfer

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Forschende aus Berlin und Afrika gehen davon aus, dass Vorläufer der Variante schon Monate vorher zirkulierten

Während der Ursprung von Sars-CoV-2 auch knapp drei Jahre nach Beginn der Pandemie noch nicht zweifelsfrei geklärt ist, konnte die Entstehung der Omikron-Variante jetzt entschlüsselt werden. Gemeinsam haben Forschende der Charité Universitätsmedizin Berlin und Wissenschaftler:innen aus Afrika im Labor nachvollzogen, dass es Vorläufer schon lange vor dem ersten Nachweis der Variante – im November 2021 bei einem Patienten in Südafrika – gegeben hat.

Omikron soll demnach schrittweise über mehrere Monate in verschiedenen Ländern Afrikas entstanden sein. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht. Omikron unterschied sich deutlich von allen vorherigen Varianten, im Vergleich zum ursprünglichen Sars-CoV-2 durch mehr als 50 Mutationen. Etliche davon betrafen das Spike-Protein, mit dem das Virus an Zellen andockt – sie machten Omikron wesentlich ansteckender als die Vorgänger und im Laufe der Zeit sogar infektiöser als sämtliche bekannten Viren.

Bis Ende 2021 hatte diese Variante deshalb die zuvor dominierte Delta-Variante binnen weniger Wochen in 87 Ländern der Erde verdrängt. Was rückblickend insgesamt eher positiv zu bewerten ist, da Omikron zwar für einen starken Anstieg der Infektionen, aber im Schnitt für wesentlich mildere Krankheitsverläufe sorgte. Zur Entstehung von Omikron gab es bislang zwei dominierende Theorien: Die erste lautete, dass das Coronavirus irgendwann vom Menschen wieder auf ein Tier übergesprungen und dort mutiert sei, bis es erneut einen Menschen infizierte. Die zweite ging davon aus, dass sich Omikron in einer Patientin oder einem Patienten mit unterdrücktem Immunsystem – etwa durch eine Aids-Erkrankung – entwickelt hat, weil der Körper den Erreger nicht beseitigen konnte, dieser deshalb dort überdauerte und Zeit hatte, sich zu verändern.

13 000 Proben ausgewertet

Die Auswertung der Forschenden aus Deutschland, Südafrika und Benin widerspricht indes beiden Annahmen. Das Team um Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie der Charité und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelte zunächst eine speziellen PCR-Test, um die Omikron-Variante BA.1 spezifisch nachweisen zu können. Diesen wandten sie dann bei mehr als 13 000 Proben aus 22 afrikanischen Ländern an, die zwischen Mitte 2021 und Anfang 2022 genommen worden waren. Dabei fanden sie Viren mit Omikron-typischen Mutationen bei 25 Menschen aus sechs verschiedenen Ländern, die bereits im August und September 2021 an Covid-19 erkrankt waren, also zwei Monate bevor Omikron offiziell auf der Bildfläche erschien.

Die Wissenschaftler:innen entschlüsselten bei 670 Proben das virale Erbgut und entdeckten mehrere Viren, die unterschiedlich starke Ähnlichkeit mit Omikron aufwiesen, aber eben nicht identisch mit der Variante waren. „Unsere Daten zeigen, dass Omikron verschiedene Vorläufer hatte, die sich miteinander vermischten und zur selben Zeit und über Monate hinweg in Afrika zirkulierten“, erklärt Drexler. Das deute auf eine graduelle Evolution hin, „während der sich das Virus immer besser an die vorhandene Immunität der Menschen angepasst hat“.

Dass Omikron scheinbar plötzlich kam. liege daran, dass in großen Teilen Afrikas vermutlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst werde. „Die Entwicklung von Omikron wurde also einfach übersehen“. sagt der Virologe. pam

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