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Wie lange hält der Schutz nach einer Infektion?

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Von: Pamela Dörhöfer

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Zur Immunität von Genesenen sind mehrere Studien erschienen – eine davon belegt Antikörper noch nach 20 Monaten.

Die Verkürzung des Genesenenstatus für Ungeimpfte von sechs Monaten auf 90 Tage durch das Robert Koch-Institut (RKI) sorgte Mitte Januar für Irritationen. Wie lautet eigentlich der aktuelle Wissensstand dazu? Das Thema war bereits Gegenstand etlicher Studien, doch die Ergebnisse sind nicht einheitlich. Wie lange eine durchgemachte Infektion (ohne vorherige Impfung) Schutz bietet und ob „nur“ vor schwerem Verlauf oder auch vor neuerlicher Ansteckung, ist nicht abschließend geklärt und zudem von mehreren Faktoren abhängig. So reagiert nicht jedes Immunsystem gleich. Das eines älteren Menschen arbeitet anders als das eines jüngeren, das eines Kranken anders als das eines Gesunden.

Sehr wahrscheinlich spielt auch eine wichtige Rolle, ob man durch die Infektion schwer, mild oder gar nicht an Covid erkrankt war. Die meisten Fachleute, die sich dazu geäußert haben, vermuten, dass leichte oder asymptomatische Verläufe mit einer schwächeren Immunantwort und einem kürzeren Schutz einhergehen. Eine schwedische Studie des Karolinska-Instituts Stockholm und der Universität Uppsala indes kommt zu dem Ergebnis, dass der Immunschutz unabhängig von der Schwere der Erkrankung ist und sogar bei asymptomatischen Verläufen bestehen kann.

Geht man davon aus, dass Krankheitsschwere, Stärke der Immunantwort und Dauer des Schutzes aneinander gekoppelt sind, so wäre das bei Omikron von besonderer Relevanz: Denn Infektionen verlaufen hier im Schnitt leichter als beim Wildvirus, bei Alpha oder Delta. Aber die Art der Variante nimmt auch noch aus einem anderen Grund Einfluss darauf, ob man sich wieder anstecken kann: So liefert eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck Hinweise, dass Ungeimpfte, die sich mit Omikron infiziert haben, nur vor einer erneuten Ansteckung mit genau dieser Variante geschützt sind. Umgekehrt gilt, dass Omikron besser als seine Vorgängerinnen in der Lage ist, dem Immunschutz durch Antikörper zu entgehen, die der Körper gegen eine frühere Virusversion gebildet hat. Das trifft auf Geimpfte ebenso zu wie auf Genesene. Allerdings deuten mehrere Studien, unter anderem aus Israel, darauf hin, dass das Risiko einer Re-Infektion bei Genesenen geringer ist als das einer Durchbruchsinfektion bei doppelt Geimpften.

Das RKI beruft sich bei seiner Änderung zum Genesenenstatus auf die Siren-Studie aus Großbritannien, für die bei 44 000 Beschäftigten des nationalen Gesundheitswesens regelmäßig PCR-Tests und Antikörpertests vorgenommen werden. Das „Ärzteblatt“ nennt eines der Ergebnisse, das für das RKI relevant gewesen sein dürfte: Demnach steckten sich im Dezember 2021 von 255 Ungeimpften 35 nach drei Monaten erneut an. Genesene hätten demzufolge nach einer überstandenen Infektion im Schnitt einen Schutz von etwa 44 Prozent vor einer symptomatischen oder asymptomatischen Infektion mit Omikron. Bei doppelt Geimpften betrug die Effektivität des Vakzins 60 Prozent und hielt 20 Wochen an. Bei Geboosterten stieg der Schutz vor Infektion auf 71 Prozent, sank aber ab Woche zehn auf 45 bis 50 Prozent.

Andere Forschungsteams stellten bei ihren Studien einen länger anhaltenden Schutz von Genesenen fest. An der Spitze in Bezug auf die Dauer steht dabei eine Arbeit der Johns-Hopkins-Universität aus den USA. Darin wurde gezeigt, dass Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert und vorher nicht geimpft waren, auch noch nach 20 Monaten Antikörper gegen das Virus aufweisen (und möglicherweise noch länger, denn als die Studie lief, lagen die Infektionen der Teilnehmenden höchstens 20 Monate zurück). Allerdings stammen die untersuchten Proben noch aus der Zeit vor Omikron, deshalb ist ungewiss, was das für die jetzige Situation bedeutet. Auch die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass es unklar sei, ob die gemessenen Antikörper vor neuen Varianten schützen.

Grundsätzlich hängt der Immunschutz nicht alleine von Antikörpern ab. Selbst wenn nur noch wenige im Blut zirkulieren, könnte die zelluläre Immunantwort noch effektiv eingreifen (sofern die entsprechenden Akteure vorhanden sind). Dazu gehören T-Zellen, die infizierte Zellen erkennen und bekämpfen, sowie Gedächtnis-B-Zellen. Mehrere Studien haben sich mit dieser Thematik beschäftigt, eine stammt vom Klinikum der Universität München. Die Forschenden stellen fest, dass auch bei Menschen, die früher Covid, aber keine Antikörper mehr hatten, noch Gedächtnis-B-Zellen im Blut zu finden waren, die im Falle eines Kontakts mit dem Virus schnell wieder Antikörper produzieren können.

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