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Schnuckelig nimmt er sich aus, der autonome Wiener Bus (r.) 2018. Aber sein ökologischer Fußabdruck war riesig.
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Schnuckelig nimmt er sich aus, der autonome Wiener Bus (r.) 2018. Aber sein ökologischer Fußabdruck war riesig.

Autonomes Fahren

Wenn der Bus auch für Gänseblümchen bremst

  • VonJörg Staude
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Autonome Fahrsysteme sind noch aufwendig und nicht ausgereift. Der Bund startet ein Programm zur Künstlichen Intelligenz.

Zwei autonom fahrende Busse sind seit Anfang Juni im oberfränkischen Hof unterwegs. Auf dem Zehn-Haltestellen-Rundkurs sind maximal vier Fahrgäste dabei sowie ein Fahrer, genannt „Operator“. Gleiches geschieht in Kronach und Rehau. Die „Shuttlemodellregion Oberfranken“ kostet mehr als 15 Millionen Euro. Zwölf Millionen davon schießt der Bundesverkehrsminister zu, bekanntlich ein Niederbayer.

Während man in Bayern in den autonomen Busverkehr nun einsteigt, hat die Stadt Wien Ende Juni ihre beiden selbstfahrenden elektrischen Kleinbusse in die Ecke gestellt. Dort ist das Projekt „auto.Bus – Seestadt“ nach mehr als zwei Jahren Erprobung, 12 000 im Linienbetrieb gefahrenen Kilometern und mehr als 8000 beförderten Fahrgästen beendet. Das Ergebnis sei „durchwachsen“, teilten die Wiener Linien mit.

Sommers wie winters habe es wetterbedingte Probleme gegeben. Starker Wind habe ebenso wie leichter Schneefall, Starkregen oder Nebel dafür gesorgt, dass die E-Busse manuell gesteuert werden mussten, erklärte der größte Nahverkehrsbetrieb Österreichs das mäßige Resultat.

Einfacher gesagt: Nach heutigem Stand sind autonome Busse – und das gilt auch für Pkw – mehr oder weniger Schönwetterfahrzeuge. Sie können auch kleine Veränderungen an der Strecke kaum tolerieren. So wird berichtet, dass im Frühling am Wiener Straßenrand sprießende Gänseblümchen die autonom fahrende Intelligenz verwirrten und diese veranlassten, den Shuttle wegen eines unbekannten Hindernisses zu stoppen. Der lernende Rechner kannte die Strecke eben nur von Bildern aus der kalten Jahreszeit – ohne Blumen. „Die Umgebung selbst war eine Herausforderung, da sie sich aufgrund von Bauarbeiten und anderem ständig veränderte“, versucht Jean-Michel Boëz vom Fahrzeuganbieter Navya das bescheidene Ergebnis zu erklären. Navya hatte die Busse für das Wiener Projekt geliefert. Man habe die Strecke kontinuierlich anpassen sowie auch künftige Arbeiten an dieser vorhersagen müssen, um einen möglichst reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, sagte Boëz.

All das stellt natürlich einen erheblichen Aufwand dar. Studien zum autonomen Fahren warnen deshalb auch davor, dass der technisch-logistische Einsatz für die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) so hoch ist, dass die Umwelt gar nicht entlastet wird.

Dirk Meyer, im Bundesumweltministerium der für den Bereich nachhaltige Digitalisierung zuständige Abteilungsleiter, gibt zu bedenken, dass Transformationsprozesse in Richtung Treibhausgasneutralität in besonderer Weise durch Digitalisierung, unterstützt werden können. Die Technik bleibe aber ambivalent, warnt er, weil sie beispielsweise das bisherige Wirtschaften weiter beschleunigen könne. „Eine Art Brandbeschleuniger“, meint Meyer. Aus seiner Sicht kann die Frage, wann und wo digitale Technologien einen wichtigen Nutzen stiften, nie pauschal beantwortet werden. Erst müsse ein „Zielbild“ da sein – also etwas, das man erreichen will – und dann erst komme die Frage, womit man das erreichen will. „Technologische Konzepte allein lösen vermutlich aus sich selbst heraus kein Problem“, wiederholt Meyer eine gar nicht so neue Erkenntnis der Ökobewegung.

Auch im kürzlich erst beschlossenen Fünf-Punkte-Programm des Umweltministeriums für eine, wie es heißt, „umweltgerechte und gemeinwohlorientierte KI-Entwicklung und Anwendung“ klingt eine gewisse Skepsis an. So gesteht das Ministerium im begleitenden Programmfaltblatt, es gebe auch ökologische Schattenseiten der KI. Nicht nur die Milliarden von Rechenoperationen auf Hochleistungsprozessoren würden viel Energie verschlingen, gleiches gelte auch für den Transport und die Speicherung riesiger Datenmengen.

KI im Sinne der Umwelt einzusetzen heiße – ist da weiter zu lesen –, die direkten und indirekten Umweltwirkungen der KI-Systeme und ihres Einsatzes möglichst gering zu halten. Dazu werde mehr Forschung benötigt, vor allem zum tatsächlichen ökologischen Fußabdruck von KI-Anwendungen über die gesamte Lebensdauer.

Im entsprechenden Förderprogramm – 150 Millionen Euro stellt das Ministerium bis 2025 bereit – spielt denn auch die „Öko-Erforschung“ von Künstlicher Intelligenz eine zentrale Rolle. Weitere Ziele des Programms sind Anwendungen für kleine und mittlere Unternehmen zur Senkung des Energie- und Materialeinsatzes, zivilgesellschaftliche Beteiligungsplattformen zur gemeinwohlorientierten Ausgestaltung und Nutzung von KI sowie Big Data für öffentliche Umweltdaten.

Letzteres mündet im größten Einzelprojekt des Programms: Aufbau einer bundesweiten Umweltdatenbank. In einer Art Öko-Big-Data sollen in den nächsten Jahren die Umweltdaten von allen föderalen Ebenen zusammengefasst und auf einer virtuellen Plattform für alle zugänglich gemacht werden.

Standort der ziemlich gigantischen Datensammlung wird Merseburg in Sachsen-Anhalt sein. Bezahlt wird das 85-Millionen-Projekt aber nicht aus dem Fördertopf des Umweltministeriums, sondern vor allem aus den zusammen mit dem Kohleausstieg eingerichteten Töpfen zur Strukturstärkung.

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