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Die Produktion von einem Kilo Plastik verursacht Schnitt drei Kilogramm Treibhausgase. Wird das Material nicht recycelt, steigt die Bilanz auf fünf Kilogramm CO2.

Leserfrage

Hilft Müllvermeidung das Energieproblem zu entschärfen?

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FR-Umweltexperte Joachim Wille antwortet auf Leserfragen

Der „Coffee to Go“-Becher ist das Symbol der Wegwerfgesellschaft. Für die pro Jahr in Deutschland benutzten 2,8 Milliarden Becher sind, so die Deutsche Umwelthilfe, rund 320 Millionen Kilowattstunden Energie nötig. Damit könnten 100 000 Durchschnittshaushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Der Ersatz von Einweg- durch Mehrwegbecher ist also aktiver Klimaschutz – obwohl man auch den Energieaufwand gegenrechnen muss, der durch die Produktion und das Spülen der Mehrwegbecher nötig ist. 

Ex-und-Hopp verschlingt fast immer unnötig viele Ressourcen, außerdem entstehen Entsorgungsprobleme. Die Produktion von einem Kilo Plastik verursacht nach Angaben des Öko-Instituts im Schnitt drei Kilogramm Treibhausgase. Wird das Material nicht recycelt, steigt die Bilanz auf fünf Kilogramm CO2 – da wieder Neumaterial aus Erdöl hergestellt werden muss und auch in der Müllverbrennung nur ein Teil der Energie zurückgewonnen werden kann. Die Hälfte aller Gegenstände aus Kunststoff, die jährlich produziert werden, sind Einwegprodukte. 

Der Energieverbrauch muss gesenkt werden

Wer Plastik spart, hilft also dem Klima. Eine längere Lebensdauer und bessere Reparaturmöglichkeiten der Produkte könnten helfen, das Müllproblem einzudämmen sowie Treibhausgase einzusparen. Allerdings passiert in vielen Bereichen das Gegenteil: Die Nutzungsdauer von Elektrogeräten etwa ist oft sehr kurz. Die ökonomische Logik der Wegwerfgesellschaft zu durchbrechen, wird daher immer wichtiger. Schätzungen dazu, wie stark nachhaltiges Produzieren und Konsumieren den Energieverbrauch senken könnten, gibt es allerdings nicht. Dazu sind die vielen unterschiedlichen Produktgruppen, Nutzungsarten und globalen Lieferketten zu komplex. Das sollte aber kein Hindernis sein, das Wegwerfen zu beenden. 

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass durch ein nachhaltiges Wirtschaften der Ausbau der erneuerbaren Energien gebremst werden könnte. Selbst bei einer radikalen Abkehr vom Wegwerfen wird in Zukunft mehr Ökostrom benötigt: Denn der muss in vielen Bereichen fossile Brennstoffe ersetzen.

Diese Frage stellte Manfred Bonson aus Lüdinghausen.

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