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Der Umstieg auf E-Autos ist erst dann wirklich sinnvoll, wenn Ökostrom sie antreibt. Und daran mangelt’s.

Leserfrage

Wenn wir den Ausstoß von CO2 jetzt stoppen, geht die Erwärmung dann weiter?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

Ein Batterie-Pkw mit 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung verbraucht im Jahr im Schnitt rund 3000 Kilowattstunden – in etwa so viel wie ein Zwei-Personen-Haushalt. Würden alle 48 Millionen Pkw in Deutschland auf einen Schlag elektrifiziert, bräuchte man dafür rund 145 Terawattstunden (TWh). Das heißt: Die Stromproduktion – 2019 waren es 607 TWh – müsste um rund ein Viertel ansteigen. Die Bundesregierung peilt für 2030 eine E-Flotte von zehn Millionen Pkw an, dafür bräuchte man rund 30 TWh, also fünf Prozent mehr als heute. Freilich ist der Umstieg auf E-Autos erst dann wirklich sinnvoll, wenn Ökostrom sie antreibt. Und daran mangelt’s.

Um die gesamte Flotte zu elektrifizieren, bräuchte man rund 30 Millionen kleine Solaranlagen auf Hausdächern oder 24.000 Windkraftanlagen an Land oder 6000 Offshore-Windräder respektive eine Kombination davon. Das wäre ein Projekt für zwei oder drei Jahrzehnte. Problem: Der Ausbau der Windkraft ist zuletzt nahezu zum Erliegen gekommen, und das Ziel der Bundesregierung, den Ökostromanteil bis 2030 von derzeit rund 45 auf 65 Prozent hochzuschrauben, ist ohne neue Maßnahmen illusorisch. Für die Windkraft, aber auch für die Photovoltaik und Stromspeicher-Lösungen braucht es einen neuen Anlauf.

Eine Alternative, um den Verkehr CO2-neutral zu machen, sind synthetische Kraftstoffe oder Gase, die mit billigem Ökostrom in Ländern mit großem Solar-, Wind- oder Wasserkraftpotenzial hergestellt werden – also zum Beispiel in Nordafrika, dem Nahen Osten oder Skandinavien. Bisher ist das noch Zukunftsmusik, doch eine Reihe von Unternehmen arbeitet daran, die entsprechenden „Power-to-X“-Technologien marktreif zu machen.

Vorteil wäre hier, dass auch Verbrennungsmotoren klimafreundlicher betrieben werden könnten. Hauptprobleme sind noch die hohen Kosten, die um einen Faktor 5 schlechtere Gesamteffizienz im Vergleich zum E-Auto und neue Abhängigkeiten von Energielieferanten aus dem Ausland – wie heute beim Erdöl. Die Herstellung des Ökosprits dürfte bei Markteinführung zwei Euro pro Liter kosten, bei Benzin und Diesel sind es derzeit 30 bis 40 Cent.

Die Frage stellte: Klaus Philipp Mertens, Frankfurt

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