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Umstritten ist, wie umweltverträglich die Windkraft ist.

Klima

Weniger Vögel, mehr Echsen

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Windräder könnten bislang unbeachtete Auswirkungen auf Tiere haben, legt eine indische Studie nahe. Doch der Klimawandel gefährdet ungleich mehr Arten.

Recht plötzlich waren die Eidechsen da und sie waren viele. In einer Region in den indischen Westghats, einem Gebirgszug im Westen des Subkontinents, gibt es nun deutlich mehr von den kleinen Reptilien. Den Grund sieht ein indisches Forscherteam um die Biologin Maria Thaker in dem Windpark, um den herum die Eidechsen leben. Die Wissenschaftler haben das Gebiet mit windradlosen Regionen der Umgebung verglichen. Ihre Studie erschien jetzt im Fachmagazin Nature Ecology and Evolution.

Wegen des Windparks, so die Forscher, meiden Raubvögel das Gebiet oder sterben gar durch die Rotoren, die verbleibenden Tiere jagen weniger intensiv. Die Eidechsen, ihre Beutetiere, breiten sich aus. Und sie verändern ihr Verhalten. Die Tiere zeigen etwa eine geringer ausgeprägte Fluchtreaktion, dafür aber stärkere Konkurrenz zu ihren vielen Artgenossen.

Zwar bezieht sich die Studie nur auf eine Region, ihre Ergebnisse sind nicht zwangsläufig auf andere Gebiete übertragbar. „Es ist eine Schwachstelle der Studie“, sagt Frauke Ecke von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften, „dass nur ein Windpark untersucht wurde“. Die Ergebnisse könne man schwer verallgemeinern.

Dennoch hat das Papier der indischen Forscher für einiges Aufsehen gesorgt. Denn es geht um die Folgen der Windkraft, die gerade unter Naturschützern umstritten sind.

Allerdings stelle sich die Frage, ob wirklich der Windpark tatsächlich die Ursache für die selteneren Raubvögel sei, meint Agrarwissenschaftlerin Ecke. 

„Oder tragen eventuelle Umweltgifte – zum Beispiel Blei, wie es hier in Schweden zur Elchjagd eingesetzt wird – zu einem herabgesetzten Reaktionsvermögen der Raubvögel bei, so dass die Vögel verstärkt Gefahr laufen, mit Windrädern zu kollidieren?“

Auch Reinhard Klenke vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung vermisst Informationen über mögliche andere Faktoren, deren Einfluss auf die indischen Eidechsen in den untersuchten Gebieten unterschiedlich und deshalb von Bedeutung gewesen sein könnte. Klenke nennt etwa die Sonneneinstrahlung, den Temperaturverlauf und den Niederschlag.

„Die Dichte der Eidechsenpopulation könnte davon beeinflusst sein und davon könnte wiederum die Attraktivität der Flächen für die Greifvögel abhängig sein“, sagt Klenke. „In dem Fall wäre die Interpretation genau gegensätzlich zu der in der Studie.“

Klenke findet die Ergebnisse aus Indien im Grunde erwartbar. Er wünscht sich, dass mehr zu dem Thema geforscht wird, damit Umweltverträglichkeitsprüfungen mit neuem Wissen unterfüttert werden. Mit dem Artenschutz argumentieren allerdings nicht nur jene, die die Standortsuche für Windräder verbessern wollen, sondern häufig auch die Gegner jeglichen Windkraftausbaus. 

Besonders der Schutz der Vögel hat es ihnen angetan, landen die doch tatsächlich regelmäßig mit tödlichem Ausgang in Rotoren von Windrädern. Wie oft genau, ist allerdings umstritten.
Eine Schweizer Studie kam beispielsweise 2016 zu dem Ergebnis, dass der Bestand gefährdeter Vogelarten parallel zum Ausbau der Windenergie in Deutschland gewachsen sei. Die Zahl der Rotmilane hat demnach in anderthalb Jahrzehnten um 40 Prozent zugenommen. Ähnliches treffe auch für die Bestände von Schwarzstorch, Seeadler, Uhu und weiteren als „Windkraft-sensibel“ geltenden Vogelarten zu, schreibt das Umweltbüro Kohle-Nusbaumer aus Lausanne, das die Untersuchung durchführte.

Bei der Bedrohung von Großvögeln durch Windanlagen handle es sich um ein „Scheinproblem“, heißt es in dem Papier. Im Verhältnis zu anderen Todesursachen wie Stromtod oder Vergiftung sei die Gefahr einer tödlichen Kollision mit Windrädern „verschwindend gering“. Stromschläge an Freileitungen führten 100-mal häufiger zum Tod der Tiere als die Windenergie. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen frühere Schätzungen in den USA und auch Untersuchungen in Deutschland.

Der Verzicht auf Windkraft dürfte dem Artenschutz jedoch noch deutlicher entgegenstehen: Jede sechste Art ist laut einer US-Studie vom Aussterben bedroht, falls keine zusätzlichen Anstrengungen gegen den Klimawandel unternommen werden. Laut der Analyse beschleunigt sich das Artensterben mit jedem weiteren Grad Erwärmung. Derzeit liege das Aussterberisiko bei 2,8 Prozent. 

Wird das Zwei-Grad-Ziel eingehalten, steigt das Risiko demnach bereits auf 5,2 Prozent. Bei drei Grad Erwärmung beträgt es schon 8,5 Prozent, bei vier Grad 16 Prozent.

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