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Weltraumtourismus: Virgin Galactic verkauft schon Tickets, SpaceX hat noch größere Pläne

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Von: Tanja Banner

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Weltraumtourist:innen auf dem Weg ins All: die SpaceX-Mission „Inspiration 4“ hat erstmals vier Privatpersonen in den Erdorbit geschickt. (Archivbild)
Weltraumtourist:innen auf dem Weg ins All: die SpaceX-Mission „Inspiration 4“ hat erstmals vier Privatpersonen in den Erdorbit geschickt. (Archivbild) © imago/UPI Photo

Erstmals können Privatpersonen Tickets für Flüge ins Weltall kaufen – wenn sie es sich leisten können. Außerdem hat SpaceX hochfliegende Pläne.

Hawthorne – Im vergangenen Jahr machten gleich mehrere Weltraumtourismus-Unternehmungen von sich reden – Virgin-Gründer Richard Branson und Amazon-Gründer Jeff Bezos flogen mit Raketen ihrer eigenen Unternehmen ins Weltall, Milliardär Elon Musk ließ mit seiner Raumkapsel „Crew Dragon“ vier Tourist:innen gleich mehrere Tage lang die Erde umkreisen. Jeff Bezos‘ Unternehmen Blue Origin ließ noch einige Male die Rakete „New Shepard“ mit Tourist:innen an Bord starten, doch ansonsten wurde es noch 2021 wieder ruhig um das Thema Weltraumtourismus. Doch das hat sich nun geändert. Zwei große Ankündigungen innerhalb weniger Tage lassen darauf schließen, dass der Weltraumtourismus im Jahr 2022 seinen Durchbruch feiern könnte.

Da wäre zuerst das Unternehmen Virgin Galactic von Richard Branson. Der Milliardär hatte nach seinem erfolgreichen Weltraumflug im Juli 2021 gesagt „ich kann es nicht erwarten, dass ihr alle dort hochkommen könnt“. Er hatte bereits zuvor angekündigt, dass Flüge mit seinem Unternehmen ins Weltall bald für alle Interessierten offenstehen sollten. Nun hat Virgin Galactic den Verkauf von Tickets für Flüge in den Weltraum für Privatpersonen freigegeben. Ab Mittwoch (16.02.2022) können die Reisen in die Schwerelosigkeit gebucht werden – doch der Preis, den Branson dafür aufruft, dürfte wohl für die meisten Menschen weltweit ein Ausschlusskriterium sein: Wer mit Virgin Galactic ins Weltall fliegen will, muss dafür 450.000 US-Dollar (etwa 400.000 Euro) zahlen, wie das Unternehmen mitteilte. 150.000 US-Dollar müssen gleich mit der Reservierung als Kaution hinterlegt werden.

Virgin Galactic: Ticket für Weltraumflug kostet 450.000 US-Dollar

Dafür erhalte der zahlende Kunde oder die zahlende Kundin eine 90-minütige Reise „einschließlich eines Starts aus der Luft und eines Mach-3-Boosts ins All“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Mehrere Minuten der Schwerelosigkeit sollen möglich sein, außerdem verspricht das Branson-Unternehmen „atemberaubende Blicke auf die Erde aus den 17 Fenstern des Raumschiffs“. Zuvor müssen sich die künftigen Weltraumtourist:innen mehrere Tage auf den Raumflug vorbereiten. „Wir bei Virgin Galactic glauben, dass der Weltraum einen Wandel herbeiführen kann“, betont der Chef von Virgin Galactic, Michael Colglazier. „Wir planen, unsere ersten 1.000 Kunden zu Beginn des kommerziellen Dienstes noch in diesem Jahr an Bord zu haben.“

Virgin-Gründer Richard Branson in der Schwerelosigkeit. Das Erlebnis will er nun auch zahlenden Kund:innen ermöglichen. (Archivbild)
Virgin-Gründer Richard Branson in der Schwerelosigkeit. Das Erlebnis will er nun auch zahlenden Kund:innen ermöglichen. (Archivbild) © imago/Cover-Images

SpaceX: Milliardär Isaacman kauft gleich drei ambitionierte Weltraumflüge

Virgin Galactic ist nicht das einzige Unternehmen, das in diesem Jahr einen weiteren Schritt in Sachen Weltraumtourismus machen will. Auch SpaceX, das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk steht offenbar vor einem großen Schritt. Der Milliardär Jared Isaacman, der im vergangenen Jahr die erste private SpaceX-Mission „Inspiration 4“ bezahlt hat und auch an ihr teilnahm, hat nach eigenen Angaben drei weitere SpaceX-Flüge ins Weltall gekauft. Dabei geht es jedoch offenbar weniger darum, Privatmenschen den Zugang ins All zu ermöglichen, sondern eher darum, die private Raumfahrt weiterzuentwickeln.

Geplant ist, dass die erste Mission namens „Polaris Dawn“ die SpaceX-Raumkapsel „Crew Dragon“ in nie gekannte Höhen befördert. Während die Mission „Inspiration 4“ die Erde in einer Höhe von bis zu 565 Kilometern umkreiste, soll „Polaris Dawn“ die Erde so hoch umkreisen, wie es nie zuvor ein Raumschiff getan hat. Der Rekord liegt bisher bei 1373 Kilometern Höhe, die die Nasa-Mission „Gemini 11“ im Jahr 1966 erreichte. Die Missionen zum Mond in den Jahren 1969 bis 1972 entfernten sich zwar deutlich weiter von der Erde, doch der Rekord-Orbit von 1373 Kilometern hat bis heute Bestand. Dabei wird die Mission, die frühestens Ende 2022 starten soll, auch in Teilen durch den Van-Allen-Strahlungsgürtel fliegen, der die Erde umgibt. Geplant ist, dass die Crew – neben Milliardär Isaacman sollen zwei SpaceX-Angestellte und ein früherer Pilot dabei sein – unter anderem Daten zu den Auswirkungen der Weltraumstrahlung auf die menschliche Gesundheit sammeln.

„Polaris“-Programm von SpaceX: Weltraumspaziergang und höchster Erdorbit

„Das Polaris-Programm ist ein wichtiger Schritt, um die Erforschung des Weltraums durch den Menschen voranzutreiben und gleichzeitig dazu beizutragen, Probleme durch den Einsatz innovativer Technologien hier auf der Erde zu lösen“, so Isaacman in einer Mitteilung. Geplant ist auch, dass mindestens zwei Crew-Mitglieder aus der Raumkapsel aussteigen und den ersten kommerziellen Außenbordeinsatz im Weltall durchführen. Dazu müssen die bereits bestehenden SpaceX-Raumanzüge weiterentwickelt werden. Im Weltall sollen die privaten Astronaut:innen dann auch ein Produkt testen, das Elon Musk und SpaceX bereits für Privatpersonen anbieten: das Satelliten-Internet „Starlink“.

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Besonders spannend ist auch der geplante dritte Start im „Polaris“-Programm: Er soll der erste Start des „Starships“ mit Menschen an Bord sein. SpaceX entwickelt das „Starship“ – eine Kombination aus Schwerlastrakete und Raumschiff, die beide wiederverwendbar sein sollen – seit einigen Jahren, um damit in Zukunft den Mars zu besiedeln. Außerdem wurde das „Starship“ von der Nasa als Mondlandefähre ausgewählt. Wann der erste Start mit Astronaut:innen an Bord möglich ist, ist unklar. Bisher sind Prototypen des „Starships“ zwar mehrere Kilometer in die Höhe geflogen, jedoch steht ein erster Orbital-Flug noch aus. Er wird für das aktuelle Jahr erwartet. Ein weiterer astronautischer Flug des „Starships“ ist bereits seit einigen Jahren verkauft: Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa will an Bord des Raumschiffs um den Mond fliegen. Der Japaner war bereits zuvor Weltraumtourist: Er ist Ende 2021 mit einer russischen „Sojus“-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation ISS geflogen. (tab)

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