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Auf der Oberfläche des „Höllenplaneten“ herrschen tausende Grad Celsius

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Von: Tanja Banner

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Der Exopalent 55 Cancri e („Janssen“) umkreist seinen Stern so nah, dass seine Oberfläche aus flüssiger Lava besteht. (Symbolbild)
Der Exopalent 55 Cancri e („Janssen“) umkreist seinen Stern so nah, dass seine Oberfläche aus flüssiger Lava besteht. (Symbolbild) © ESA/Hubble, M. Kornmesser

Forschende finden heraus, wieso der „Höllenplanet“ heiß ist. Bald soll auch das „James Webb“-Weltraumteleskop das Planetensystem erforschen.

New York City – Der Planet Venus gilt mit seiner Oberflächentemperatur von 500 Grad Celsius als „Gluthölle“, doch es geht noch heißer im Universum: Nur etwa 40 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist der Exoplanet „55 Cancri e“ den sonnenähnlichen Stern „Copernicus“ (55 Cancri). Auf der Oberfläche des Planeten herrschen Temperaturen, gegen die die Venus regelrecht „kühl“ wirkt: 2000 Grad Celsius haben Forschende ermittelt.

Der Planet ist so heiß, dass seine Oberfläche einem Lava-Ozean gleicht, sein Inneres könnte aus Diamanten bestehen, so Fachleute. Nun haben Forschende eine neue Theorie entwickelt, wieso der Planet 55 Cancri e – benannt nach dem niederländischen Optiker Zacharias Janssen – so höllisch heiß ist. Geholfen haben dabei neue Messungen, die zeigen, dass der „Höllenplanet“ „Janssen“ seinen Stern entlang des Äquators umkreist.

Weltraum: „Höllenplanet“ 55 Cancri e wurde von seinem Stern angezogen

In ihrer Analyse, die im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht wurde, zeigen die Forschenden nicht nur, dass „Janssen“ seinen Stern so nah umkreist, dass er für eine Umrundung nur 18 Stunden braucht. Die Forschenden haben die Theorie, dass „Janssen“ wahrscheinlich auf einer kühleren, weiter außen liegenden Umlaufbahn entstand und im Laufe der Zeit von seinem Stern angezogen wurde. „Astronomen gehen davon aus, dass er spiralförmig in seine jetzige Umlaufbahn einschwenkte, so die Studienleiterin Debra Fischer.

„Diese Reise könnte den Planeten aus der Äquatorebene des Sterns herausgeschleudert haben, aber dieses Ergebnis zeigt, dass der Planet festgehalten hat.“ Die Anziehungskraft von „Copernicus“ veränderte die Umlaufbahn des Planeten – die große Nähe zum Stern sorgt für die Gluthitze auf dem Exoplaneten.

Wie der „Höllenplanet“ höllisch heiß wurde

Weitere vier bekannte Planeten umkreisen den Stern „Copernicus“, doch keinen von ihnen hat ein ähnliches Schicksal ereilt. „Wir haben gelernt, wie dieses Mehrplanetensystem – eines der Systeme mit den meisten Planeten, die wir bisher gefunden haben - in seinen jetzigen Zustand gekommen ist“, freut sich die Hauptautorin der Studie, Lily Zhao vom Flatiron Institute in New York City in einer Mitteilung.

Doch auch in seinem ursprünglichen Orbit war der Planet wohl „wahrscheinlich so heiß, dass nichts von dem, was wir kennen, auf der Oberfläche überleben konnte“, so Zhao. Trotzdem können die neuen Erkenntnisse Forschenden dabei helfen, besser zu verstehen, wie Planeten entstehen und sich im Laufe der Zeit bewegen. Letztendlich geht es auch bei dieser Forschung wie so oft um die Frage, wie häufig erdähnliche Umgebungen im Universum existieren und wie weit außerirdisches Leben verbreitet sein könnte.

Planetensystem um „Copernicus“ ist für die Astronomie interessant

Das Planetensystem von „Copernicus“ ist für die Forschung von besonders großem Interesse, da es bereits gut erforscht ist. „Copernicus“ ist ein Doppelsternsystem, bestehend aus einem gelben Zwerg und einem roten Zwerg. Mit den fünf bekannten Exoplaneten gehört es zu den größten bekannten Planetensystemen außerhalb des Sonnensystems.

Der Exopalent 55 Cancri e („Janssen“) umkreist seinen Stern so nah, dass seine Oberfläche aus flüssiger Lava besteht. (Symbolbild)
Der Exopalent 55 Cancri e („Janssen“) umkreist seinen Stern so nah, dass seine Oberfläche aus flüssiger Lava besteht. (Symbolbild) © ESA/Hubble, M. Kornmesser

„Janssen“ war die erste Supererde, die um einen sogenannten Hauptreihenstern (zu dieser Kategorie gehört auch unsere Sonne) entdeckt wurde. Der Planet hat eine ähnliche Dichte wie die Erde, er ist circa doppelt so groß und hat etwa die achtfache Masse.

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In Kürze soll auch das „James Webb“-Weltraumteleskop den Blick auf 55 Cancri e richten. Die Forschenden wollen unter anderem herausfinden, ob der „Höllenplanet“ eine Atmosphäre hat und woraus sie besteht. Außerdem soll untersucht werden, ob „Janssen“ sich in einer sogenannten „gebundenen Rotation“ befindet. Dann wäre – ähnlich wie beim Mond-Erde-System – immer dieselbe Seite des Planeten zur Sonne gerichtet, was es dort noch höllischer machen würde. (tab)

Erst kürzlich hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa einen „Schlüssel-Planeten“ entdeckt.

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