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Das 1,5-Grad-Limit kann noch erreicht werden, obwohl die mittlere Erdtemperatur bereits um rund ein Grad höher liegt als vor der Industrialisierung.

IPCC

Weltklimarat drängt zu raschem Handeln

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Um das ambitionierte 1,5-Grad-Limit zu erreichen, ist eine starke Verringerung des CO2-Ausstoßes nötig.

Der Weltklimarat IPCC hat in seinem jüngsten Report vor den dramatischen Folgen einer Erwärmung der Erde um zwei Grad und mehr gewarnt. Dadurch steigt der Druck auf die Politik, stärkere Maßnahmen zu ergreifen, um die Aufheizung möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen – unter anderem mit einem schnellen Kohle-Ausstieg, beschleunigter Umstellung auf Öko-Energien und einer Bepreisung des Treibhausgases CO2. Umweltschützer drängten am Montag vor allem die Europäische Union, ihre mittel- und langfristigen CO2-Reduktionsziele zu erhöhen.

Der IPCC zeigt in seinem Bericht auf, dass das ambitionierte 1,5-Grad-Limit noch erreichbar ist, obwohl die mittlere Erdtemperatur bereits um rund ein Grad höher liegt als vor der Industrialisierung. Allerdings wäre dazu eine drastische Verringerung des CO2-Ausstoßes nötig – bis 2030 um fast die Hälfte und bis 2050 auf netto null. Bislang sind die Emissionen fast kontinuierlich angestiegen.

Die Vorteile gegenüber einem Zwei-Grad-Kurs wären zum Beispiel: Der Meeresspiegel steigt langsamer, Extremwetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen nehmen weniger stark zu, Pflanzen und Tiere können sich besser anpassen, ein Teil der Korallenriffe bleibt erhalten, 1,8 Millionen Quadratkilometer Permafrost-Boden – die fünffache Fläche Deutschlands – tauen nicht auf. Und vor allem: Das Risiko, dass Kippelemente des Klimas ausgelöst werden, bleibt gering.

Die NGO „Climate Action Network“ (CAN), in der 1300 Organisationen weltweit zusammengeschlossen sind, verkündete am Montag in Brüssel: „Alle Augen sind jetzt auf die EU-Umweltminister gerichtet.“ Der Ministerrat bereitet am heutigen Dienstag in Luxemburg den UN-Klimagipfel vor, der im Dezember im polnischen Kattowitz stattfindet und eine Bilanz der bisherigen Klimaschutzbemühungen der Länder ziehen wird. Bisher peilt die EU eine CO2-Minderung um 40 Prozent bis 2030 an, gemessen am Basisjahr 1990. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete hatte im Sommer dafür plädiert, diesen Wert auf 45 Prozent anzuheben, war dann aber eingeknickt.

Der Hintergrund: Deutschland und einige weitere EU-Staaten sperren sich dagegen, das CO2-Ziel jetzt nachzuschärfen. Andere Länder hingegen wollen sich beim Umweltministerrat dafür einsetzen. Die Umweltverbände appellierten nun an die EU-Minister, nach dem IPCC-Report ein positives Signal an die Weltgemeinschaft zu geben. Sie müssten „Führung“ zeigen, forderte die Umweltstiftung WWF. Um das 1,5-Grad-Limit zu halten, müsse sich die EU auf eine Null-Emissionspolitik bis 2040 verpflichten. Der Europa-Umweltpolitiker Jo Leinen (SPD) plädierte dafür, das CO2-Reduktionsziel von 40 auf 50 Prozent anzuheben.

Deutsche Umwelt- und Entwicklungsgruppen und Oppositionspolitiker nutzten den IPCC-Report als zusätzliche Munition für ihre Forderung nach einem schnellen Kohle-Ausstieg. „Es gibt keinen Grund für ein reiches Industrieland wie Deutschland, seine CO2-Bilanz weiterhin mit alten, schmutzigen Kohlekraftwerken zu ruinieren“, kommentierte Greenpeace. Der Ausstieg müsse jetzt starten, um bis 2030 abgeschlossen sein.

Das Fazit des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) lautet: „Wir haben nur ein Jahrzehnt Zeit, um die CO2-Wende zu schaffen und die Menschen noch vor den größten Risiken des Klimawandels zu schützen.“ Als zentrales Mittel, um den Kohleausstieg weltweit voranzubringen, empfiehlt das PIK eine wirksame CO2-Bepreisung. Die Einnahmen sollten an die Bürger zurückgegeben werden, „entweder durch den Ausbau staatlicher Infrastruktur, der allen zugute kommt, oder direkt über Schecks für Privathaushalte“.

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