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Der Mars – hier eine Aufnahme des Nasarovers Curiosity – ist ein Ziel künftiger Weltraummissionen.
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Der Mars – hier eine Aufnahme des Nasarovers Curiosity – ist ein Ziel künftiger Weltraummissionen.

Raumfahrt

Raumfahrt: Warnung vor immer mehr Gefahren aus dem All

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein australisches Forschungsteam warnt vor den biologischen Risiken der expandierenden Raumfahrtindustrie und mahnt mehr Prävention an.

Frankfurt am Main - Noch haben erst wenige Menschen einen fremden Himmelskörper, den Mond, betreten. Noch ist die Präsenz unserer Spezies im Weltraum überschaubar. Doch allein schon durch die zunehmenden Aktivitäten privater Raumfahrtunternehmen wie SpaceX oder Blue Origin wird bald mehr Betrieb jenseits des Orbits herrschen. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beunruhigt, dass es für künftige Missionen und Reisen in den Weltraum keine ausreichenden Regelungen gibt. Sie warnen vor ungeahnten Auswirkungen durch eingeschleppte Mikroorganismen, sollten nicht „gute Biosicherheitsmaßnahmen“ installiert werden.

Konkret äußern diese Befürchtung Forschende der australischen Universitäten Adelaide und Melbourne im Fachmagazin „BioScience“. Sie fordern deshalb eine stärkere Anerkennung der Risiken durch die Raumfahrtindustrie. Die Erforschung und Nutzung des Weltraums durchlaufe derzeit eine „Revolution“, denn er sei nun für „ein breiteres Spektrum von Akteuren“ zugänglich, „als dies jemals zuvor möglich war“, heißt es in der Studie.

Gefahr aus dem All steigt durch immer mehr menschliche Aktivität im Weltraum

Damit habe sich auch das mit Aktivität im Weltraum verbundene Risikoprofil „dramatisch verändert. Die bisher existierenden regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen seien auf mögliche Szenarien dieser Art nicht vorbereitet. „Der Weltraum entwickelt sich zu einer neuen Grenze des Biosicherheitsrisikos“, schreiben die Forschenden. „Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, um diese Risiken zu mindern“, wird Studienautor Phill Cassey, Leiter der Abteilung für Ökologie und Evolutionsbiologie an der Universität Adelaide, in einer Mitteilung der australischen Hochschule zitiert.

Es geht den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei ihrer Sorge nicht um Angriffe irgendwelcher Aliens wie aus dem Science Fiction-Film. Sie fürchten vielmehr, dass zum einen Organismen von der Erde ins All getragen (Vorwärtskontamination) oder zum anderen Mikroben aus dem Weltraum ungewollt mit zur Erde gebracht werden und dort Ökosysteme kontaminieren könnten (Rückwärtskontamination).

Raumfahrt: Potenzial für extreme Folgen aus dem Weltall

Zwar wird ein solches Risiko in der Wissenschaft derzeit als gering angesehen. Die Studie führt indes ein Beispiel einer versehentlichen Vorwärtskontamination an, die sich im Sommer 2019 ereignet hat. Damals stürzte ein israelischer Mondlander über dem Erdtrabanten ab, an Bord tausende schlafender Bärtierchen, wirbellose Tiere, die auch unter härtesten Bedingungen wie extremer Trockenheit, eisigen Temperaturen und hoher Strahlenbelastung überleben können.

Gleiches treffe auf einige Mikroben zu, heißt es in der Studie, manche Bakterien wiederum könnten in Schwerelosigkeit wachsen. Der Absturz des israelischen Landers zeige, dass das Risiko eines technologischen Versagens nicht vernachlässigt werden dürfe, schreiben die Forschenden auch mit Verweis auf künftige Missionen zum Mars.

Mikroorganismen: Bedrohung aus dem Weltraum

Zudem dürften die Biosicherheitsrisiken durch die Raumfahrt auch schon allein deshalb nicht ignoriert werden, weil sie das Potenzial für „extreme Folgen“ hätten, argumentiert Phill Cassey. Entscheidend seien Prävention, Früherkennung und schnelle Reaktion sowie die Fähigkeit zu unterscheiden zwischen dem, was fremd und was einheimisch ist. Als mahnendes Beispiel gilt den Forschenden, was auf der Erde auch ganz ohne Zutun der Raumfahrt geschieht: Menschen haben Organismen aller Art in die entlegensten Regionen, in unwirtliche Gebirge und die Tiefen der Meere, gebracht, wo sie teils erhebliche Schäden verursachen.

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Um auf die mit einer expandierenden Raumfahrt einhergehenden Risiken vorbereitet zu sein und sie anzugehen, schlagen die Studienautorinnen und -autoren vor, die Erkenntnisse von Expertinnen und Experten zu nutzen, die zu invasiven Arten auf der Erde forschen. Unter invasiven Arten versteht man Pflanzen und Tiere, die aus ihren natürlichen Verbreitungsgebieten in andere Ökosysteme einwandern oder eingeschleppt werden. Ursachen dafür sind der Klimawandel, der vielen Arten das Überleben in einstmals kälteren Gebieten ermöglicht, sowie der globale Handel und Reiseverkehr. Invasive Arten in Deutschland sind unter anderem der Waschbär, das Grauhörnchen oder die Tigermücke. Besonders gefährdet sind indes Inseln und abgelegene Lebensräume – wobei es bei einer möglichen Bedrohung aus dem Weltraum freilich nicht um hoch entwickelte Organismen geht, sondern eher um Mikroorganismen.

Raumfahrt: Forschungsteam fordert mehr Sicherheit und Gefahrenabwehr

Das australische Forschungsteam regt außerdem an, Erfahrungen aus der Gefahrenabwehr auf der Erde zu nutzen, um besser mit den Risiken einer Kontamination durch außerirdische Organismen umgehen zu können. Als hilfreich aufgeführt werden auch Protokolle zur Früherkennung von Naturkatastrophen, zur Einschätzung potenzieller Gefahren und zur schnellen Reaktion sowie Strategien, die bereits heute eingesetzt werden, um invasive Arten auf der Erde einzudämmen.

Darüber hinaus sollten Biologinnen und Biologen, die auf invasive Arten spezialisiert sind, nach Ansicht der australischen Forschenden stärker in die Weltraumforschung und den Planetenschutz einbezogen werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Invasionsbiolog:innen, Astrobiolog:innen und politisch Verantwortlichen würde nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren die bestehenden internationalen Protokolle für die planetare Biosicherheit verbessern. (Pamela Dörhöfer)

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