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Raumfahrt

ESA in unentdecktem Terrain: Weltraumforschung auf anderen Planeten

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Mithilfe der Raumfahrt können nicht nur andere Planeten erforscht werden, auch für die Erde sind die Entdeckungen im Weltraum bedeutsam, wie Simon Plum, Leiter eines Missionsbetriebs der Esa weiß.

  • Simon Plum ist der neue Leiter des Missionsbetriebs am Satellitenkontrollzentrum der europäischen Weltraumorganisation Esa.
  • Klimawandel, Stürme oder Überflutungen: Daten aus dem Weltraum liefern wichtige Erkenntnisse für die Erde.
  • News zur Raumfahrt und News zur Astronomie finden Sie auf unseren Themenseiten.

Darmstadt – Viele seiner rund hundert neuen Kolleginnen und Kollegen hat Simon Plum bisher noch nicht leibhaftig gesehen. Der 43 Jahre alte Elektrotechnik-Ingenieur ist am Satellitenkontrollzentrum Esoc der europäischen Weltraumorganisation Esa der neue Leiter des Missionsbetriebs. Er tritt damit die Nachfolge von Paolo Ferri an, der Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen ist.

Auch beim Esoc in Darmstadt arbeiten während der Corona-Pandemie die meisten Angestellten im Homeoffice. Vieles, was früher nur im Kontrollraum möglich war, funktioniert durch technische Umrüstung jetzt auch in den eignen vier Wänden. So lässt sich nun zum Beispiel auch vom Bildschirm im Wohnzimmer aus verfolgen, wo BepiColombo auf seiner Reise zum Merkur derzeit unterwegs ist. Bei seinem Bewerbungsgespräch im April 2020 habe er gerade das Flyby-Manöver der Esa-Sonde erleben können, erzählt Simon Plum: „Ich sah die Bilder und dachte, Wahnsinn, das ist wirklich noch Terra incognita – und ich darf dabei eine Rolle spielen.“

Simon Plum: Faszination für die Raumfahrt von Kindesbeinen an

Als Leiter des Missionsbetriebs gehört für ihn auch diese im Oktober 2018 gestartete Mission der Esa zum Merkur in seine Verantwortung. Doch BepiColombo ist nur eines von vielen laufenden und künftigen Projekten, um die sich Simon Plum künftig kümmern wird. Sämtliche vom Esoc aus betreuten Missionen aus den Bereichen Erdbeobachtung, Science, Robotik und Exploration fallen in seine Zuständigkeit; aktuell sind es 22 Satelliten, die von Darmstadt aus kontrolliert werden.

Die interessanteste Frage für den Weltraum-Forscher Simon Plum ist es, ob wir Menschen irgendwann in der Lage sein werden, die Erde zu verlassen.

Simon Plum ist neu am Esoc, besitzt aber beim Thema Raumfahrt bereits viel Erfahrung. Der studierte Elektrotechniker hat unter anderem am Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, bei verschiedenen Raumfahrtunternehmen und vor mehr als zehn Jahren sogar schon einmal bei der Esa gearbeitet, damals beim Europäischen Weltraumforschungszentrum Estec im niederländischen Noordwijk. Die Raumfahrt habe ihn, wie so viele in dem Metier, bereits als Kind „wahnsinnig fasziniert“, berichtet Plum.

Doch die ganze große Begeisterung habe ihn als junger Mann gepackt, als er bei seinem Bewerbungsgespräch beim Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum regelrecht gefangen gewesen sei von der besonderen Atmosphäre der Kontrollräume, „wo von Menschen gemachte Maschinen unterschiedliche Aufgaben im Weltraum erledigen, und zwar nicht in der Therorie sondern in der Realität“.

Wichtige Forschungsmissionen – Reise zum Mars mit der Nasa

Am Esoc in Darmstadt, seinem neuen Arbeitsplatz, wird Simon Plum neben den laufenden Missionen in Zukunft eine Reihe ambitionierter Projekte betreuen. „Mehr als 16 Missionen sind fest in Planung“, berichtet er.

Dazu gehört eine gemeinsame Marsmission mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa, bei der zum ersten Mal überhaupt Proben auf dem roten Planeten gesammelt und zur Erde gebracht werden sollen. Dazu gehört das geplante Weltraumteleskop Euclid, das helfen soll, die mysteriöse dunkle Materie und dunkle Energie besser zu verstehen. Dazu gehört ebenfalls Hera, eine gemeinsame Mission mit der Nasa, bei der versucht werden soll, die Flugbahn eines Asteroiden zu verändern; ein Testlauf für eine mögliche Verteidigung der Erde vor Gefahren aus dem All.

Und neben den Erdbeobachtungsmissionen gehört schließlich auch Juice dazu, eine für 2022 avisierte Reise zu den Galileischen Monden des Jupiter, von denen einer – Europa – als Kandidat gilt, in einem gewaltigen Ozean unter der eisigen Oberfläche Leben zu beherbergen. Nicht zu vergessen die laufenden großen Missionen wie BepiColombo oder der Solar Orbiter, der erstmals der Menschheit einen Blick auf die Pole der Sonne ermöglichen soll. Simon Plum sagt: „Es bereitet mir große Freude, in einem Bereich zu arbeiten, der noch kein Standard ist.“

Klimawandel, Stürme, Überflutungen: Satelliten liefern wichtige Daten für die Erde

Nun gibt es aber auch eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl von Menschen, die Raumfahrt als ein sehr kostspieliges „Vergnügen“ ansehen, für das man angesichts drängender Probleme auf der Erde nicht so viel Geld ausgeben sollte. Simon Plum kennt solche Einwände. Er sagt dazu: „Das ist eine Sichtweise, die ich nachvollziehen kann, aber nicht teile. Wir betreiben Forschung im Weltraum, weil wir uns weiterentwickeln und neue Erkenntnisse gewinnen wollen. Wieviel das jedem Einzelnen wert ist, dürfte unterschiedlich sein. Ich finde die Ausgaben absolut adäquat für unsere Gesellschaft.“

Eine Illustration von BepiColombo auf dem Weg zum Merkur.

Außerdem, so Plum, würden Forschungsergebnisse und Daten aus dem Weltraum „immer relevanter“ für das Leben auf der Erde. So liefere die Erdbeobachtung über Satelliten wichtige Bilder zu Katastrophen wie Überflutungen und schweren Stürmen und auch zum Klimawandel. „Aus dem Weltall können wir Dinge sichtbar machen, die man sonst kaum in globalem Zusammenhang sehen könnte“, erklärt Plum. Auch so Alltägliches wie der Wetterbericht wäre ohne Unterstützung aus dem Orbit „bei weitem nicht so gut“. „Und fast jeder nutzt mindestens einmal in der Woche Google Maps oder Vergleichbares. Jedes Handy arbeitet mit Ortungssignalen von Satelliten. Das Weltall wird in vielen Bereichen zu einem Stück Infrastruktur wie eine Autobahn.“

Durch Raumfahrt Innovationen für der Erde entwickeln

Außerdem würden Entwicklungen für die Raumfahrt auch „die Innovation auf der Erde antreiben“: „Man ist dort mit neuen Fragen konfrontiert, für die man Lösungen finden muss.“ So sei der Akkuschrauber auch durch Impulse aus der Raumfahrt entstanden: Weil den Astronauten keine Steckdose zur Verfügung stand, wenn sie Proben entnehmen, etwas reparieren oder anbringen mussten, musste ein Schrauber entwickelt werden, der seinen Strom aus Akkus bezieht, erklärt Simon Plum.

Für ihn spielen aber auch Aspekte eine Rolle, die sich nicht auf den unmittelbaren Nutzen reduzieren lassen. „Wirkliches Wissen können wir als Gesellschaft doch gar nicht genug haben. Das Weltall ist eine der letzten großen Unbekannten.“

Zukunftsmusik: Werden wir irgendwann die Erde verlassen können?

Simon Plum blickt dabei auch ganz weit in die Zukunft. „Ein großes gesellschaftliches Thema ist für mich die Frage, ob wir Menschen irgendwann in der Lage sein wollen, die Erde verlassen zu können. Vielleicht werden wir es sogar müssen. Wenn es soweit kommt, wäre es gut, wir hätten bis dahin die Technologie dafür.“

Im Moment sind die potenziellen Ziele noch relativ nah: Es ist der Mond - nach 50 Jahren mal wieder - und vielleicht irgendwann in den nächsten Jahrzehnten der Mars: „Ich denke, so wie wir es derzeit in Planung haben, ist es richtig“, sagt Simon Plum: „Dass wir uns vorbereiten und lernen und weitere Erkenntnisse sammeln – um uns irgendwann auf den weiteren Weg machen können. Das ist heute natürlich noch Zukunftsmusik. Erst im Rückblick werden die Menschen in der Lage zu sein, genau zu bewerten, ob wir es richtig gemacht haben.“ (Pamela Dörhöfer)

Das US-Start-up „Orbital Assembly Company“ plant, bis 2027 das erste Hotel im Weltraum zu bauen.

Rubriklistenbild: © ESA

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