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Abgebrochene Korallen können am Boden weiterwachsen. Die Wissenschaft nutzt das für die Renaturierung. Foto:A. Taylor/Blue Corner Marine Research
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Abgebrochene Korallen können am Boden weiterwachsen. Die Wissenschaft nutzt das für die Renaturierung.

Sterbende Korallenriffe

Welche Korallenriffe sind noch zu retten?

  • VonBarbara Barkhausen
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Forscherinnen und Forscher nutzen eine Methode aus der Ökonomie, um Prioriäten beim Schutz der Meere zu setzen.

Die Portfoliotheorie hilft Anlegerinnen und Anlegern, die richtigen Investitionen auszuwählen. Auf den Punkt gebracht empfiehlt der US-amerikanische Ökonom Harry Markowitz, Aktientitel zu mischen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Diese Strategie nahmen sich Forscher:innen zum Vorbild, um weltweit die 50 Korallenriffe auszuwählen, die die beste Chance haben, die Folgen des Klimawandels zu überleben.

Dabei berücksichtigten die Wissenschaftler:innen nicht nur die ökologischen Hintergründe, sondern auch soziale, wirtschaftliche, gesundheitliche und ernährungsphysiologische Aspekte für die Gemeinden in der Nähe der Riffe. Ove Hoegh-Guldberg, ein Klimawissenschaftler an der University of Queensland, der das Projekt „50 Reefs“ mitgeleitet hat, sagte dem „Guardian“, dass die Portfoliostrategie ihnen geholfen habe, Entscheidungen zu treffen, welche Riffe und Korallen es lohne, bis zum Ende des Jahrhunderts zu schützen. „Es ist unsere beste Chance, eine langfristige Zukunft für Korallenriffe zu haben“, sagte er.

Wie ernst die Situation der Korallenriffe schon heute ist, zeigte eine Studie im Oktober. Diese analysierte die Gesundheit von Korallenriffen und kam zu dem Schluss, dass 14 Prozent der Riffe weltweit in weniger als einem Jahrzehnt verloren gegangen sind. Die meisten Korallen waren dabei Bleichereignissen zum Opfer gefallen.

Bleichen werden von erhöhten Wassertemperaturen ausgelöst und damit vom Klimawandel angefeuert. Während einer Bleiche wird die Symbiose der Nesseltiere mit einer Algenart, die die Korallen mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen. Zwar können sich die Tiere von Bleichen auch wieder erholen, doch wenn diese zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren, sterben die Korallen oft ganz ab.

Die Hälfte aller Korallen des Great Barrier Reefs sind verschwunden

Schätzungen gehen davon aus, dass selbst bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau 70 bis 90 Prozent der Korallen verschwinden werden. Das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde, hat seit 1998 insgesamt fünf große Bleichen erlebt. 80 Prozent der Einzelriffe sind dabei seit 2016 ein-, zwei- oder sogar dreimal stark gebleicht worden, wie eine Studie aufzeigte, die im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde. Nur zwei Prozent des Great Barrier Reef blieben völlig von Bleichen verschont.

Bereits im Oktober 2020 fand eine weitere Studie der James-Cook-Universität, dass die Hälfte aller Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er Jahren verloren gegangen ist. Dies zeigte bereits, dass selbst die enorme Größe des Riffs nicht ausreicht, um sein Überleben zu sichern.

Um letztendlich eine Entscheidung fällen zu können, teilten die Wissenschaftler:innen die Korallenriffe weltweit in „bioklimatische Einheiten“ von 500 Quadratkilometern ein. Untersucht wurden 174 Messwerte eingeteilt in fünf Kategorien, darunter Temperaturverlauf und -prognosen, Ozeanversauerung, invasive Arten, Zyklonaktivität und Konnektivität mit anderen Riffen. Die Portfoliotheorie half schließlich dabei, Bedrohungen zu quantifizieren und die Riffe zu identifizieren, die die besten Chancen haben, die künftigen Risiken durch den Klimawandel zu überdauern.

Hawai nicht in Liste aufgenommen

Das Projekt wählte Riffe im Nahen Osten, in Nord- und Ostafrika, in Australien, der Karibik, den pazifischen Inseln, Südamerika sowie in Südost- und Südasien aus. Unter den Riffen sind Teile des Great Barrier Reef in Australien, Riffe im Roten Meer sowie Teile des Korallendreiecks um Indonesien, Malaysia, Papua-Neuguinea und den Philippinen. Mehrere ökologisch bedeutsame Gebiete wie Hawaii und das Barrier Reef in Mittelamerika wurden dagegen nicht aufgenommen.

Drei Jahre nach der Veröffentlichung der Studie stellte ein Bericht nun fest, dass der „50-Riffe-Ansatz“ mindestens 26 Organisationen und acht Geldgebern geholfen hat, rund 60 Korallenriff-Ökosysteme in mehr als 40 Ländern zu priorisieren.

Korallenriffe bilden den Lebensraum für ein Viertel aller Tier- und Pflanzenarten im Meer: In den verästelten Labyrinthen wächst der Fischnachwuchs auf, geschützt von Räubern und den Launen der Natur. Doch auch für den Menschen sind sie unverzichtbar: Über 500 Millionen Menschen sind weltweit von den Riffen abhängig. Beispielsweise schützen Riffe die Küstengebiete bei Stürmen vor Erosion. Außerdem bieten sie eine wichtige Einnahmequelle – nicht nur im Tourismus. In vielen tropischen Ländern wie Malaysia oder Indonesien ist der Fischfang eine der Hauptnahrungsquellen und ohne Riffe verschwinden auch ihre Bewohner.

Korallen gehören wie auch Quallen und Seeanemonen zu den Nesseltieren, doch sie teilen auch einige Eigenschaften mit Steinen und Pflanzen. Beispielsweise produzieren sie Kalksteinskelette und leben in enger Partnerschaft mit winzigen Algen. Letztere verleihen den Korallen ihre bunten Farben und produzieren mit Hilfe des Sonnenlichts Nahrung für sie.

Versuche, Korallen wiederanzusiedeln

Da Korallen sich geschlechtlich, aber auch ungeschlechtlich vermehren, können abgebrochene Korallenfragmente durchaus wieder am Meeresboden weiter wachsen und einen neuen Korallenstock bilden. Letzteres erlaubt es Forscher:innen, Korallenriffen unter die Arme zu greifen.

In Indonesien beispielsweise arbeitet Andrew Taylor, ein kanadischer Meeresbiologe und Direktor von Blue Corner Marine Research, seit 2018 an einem Riff-Restaurationsprojekt. Im Meer vor Nusa Penida, einer Insel südöstlich von Bali, waren die Korallen durch Abwässer, Algenzucht, Überfischung sowie den Bau eines neuen Fährhafens stark geschädigt. Doch nachdem Taylor und sein Team auf über 300 Strukturen mehr als 15 000 Korallenfragmente angesiedelt haben, hat sich die vorherige „Unterwasserwüste“ inzwischen wieder in eine Art Korallengarten verwandelt, in den auch Fische und andere Meerestiere zurückgekehrt sind.

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