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Bislang noch eine Simulation: der TraceGas Orbiter (links), das Landemodul Schiaparelli und der ESA-Rover auf dem Mars.

Europäische Raumfahrt

Wechsel an der ESA-Spitze

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Rolf Densing übernimmt bei der Esa den Missionsbetrieb und das Kontrollzentrum. Viel Zeit bleibt zum Einarbeiten bleibt ihm nicht: Insgesamt sechs Missionen will die Esa in diesem Jahr auf den Weg bringen - so viele wie nie zuvor.

Viel Zeit, um sich erst einmal einzuarbeiten, bleibt dem Neuen nicht: Am 1. Januar hat Rolf Densing den Posten des Direktors für Missionsbetrieb der europäischen Weltraumorganisation Esa und die Leitung des Raumfahrtkontrollzentrums Esoc in Darmstadt übernommen – und gleich in den nächsten beiden Monaten stehen zwei Starts an: Am 4. Februar soll ein Sentinel-3-Satellit des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und am 14. März der erste Teil der ExoMars-Mission ins All geschickt werden. Insgesamt sechs Missionen will die Esa in diesem Jahr auf den Weg bringen, so viele wie nie zuvor, sagt Robert Densing.

Der 56 Jahre alte Rheinländer folgt als Esoc-Chef dem ehemaligen Astronauten Thomas Reiter, der die Leitung der „Bemannten und Robotischen Exploration“ am Esa-Technologiezentrum in den Niederlanden übernommen hat. Der personelle Wechsel ist verbunden mit einer Umstrukturierung, denn Reiter war für Kontrollzentrum und bemannte Raumfahrt gleichermaßen zuständig – ein zu umfassendes Verantwortungsgebiet für nur eine Person, wie man im Führungszirkel der Esa der Ansicht war. Sein Nachfolger will sich künftig stärker auf den Satellitenbetrieb im Esoc fokussieren, sagt er.

Rolf Densing ist neu in Darmstadt, in der Raumfahrtbranche verfügt er gleichwohl über eine mehr als 25-jährige Erfahrung: Er studierte und promovierte am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, lehrte an der University of Virginia, ging schließlich zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo von 2003 bis 2009 im Raumfahrtmanagement die Abteilung Esa-Angelegenheiten führte und zuletzt als Programmdirektor arbeitete; in diesem Funktion war er unter anderem für die deutschen Beiträge von jährlich etwa 900 Millionen Euro für das Raumfahrtprogramm der Esa verantwortlich.

Er verstehe sich gut mit dem neuen Esa-Generaldirektor Jan Wörner, das habe vielleicht eine Rolle dabei gespielt, dass er für den Posten in Darmstadt unter vielen Bewerbern ausgewählt wurde, sagt Rolf Densing. Als Leiter von Missionsbetrieb und Kontrollzentrum wird er zuständig sein für 238 Esa-Angestellte, hinzu kommen 800 Spezialisten von Fachfirmen, die bei verschiedenen Projekten fest mitarbeiten. Die Schwerpunkt am Esoc liegen bei der Kontrolle des Starts und des Betriebs von Missionen, der Entwicklung von Konzepten und Bodensystemen sowie bei der Weltraumlageerfassung. Letztere dient dazu, Bedrohungen der Infrastruktur am Boden und im Orbit – etwa durch Kollisionen mit Objekten oder Weltraumwetter – schnell zu erkennen. Für all diese Aufgaben steht dem Esoc jährlich ein Budget von 190 Millionen Euro zur Verfügung.

Insbesondere beim Satellitenbetrieb wächst seit einigen Jahren indes die Konkurrenz vor allem durch private Firmen: „Wir müssen effektiver werden“, sagt Rolf Densing deshalb. Paolo Ferri, Leiter der Abteilung Missionsbetrieb, gibt allerdings zu bedenken, dass das Esoc aktuell bereits 16 Satelliten im Flug betreut – und 2016 sechs weitere Starts geplant seien; was heißt: Die Mitarbeiter sind voll ausgelastet. Unter anderem sollen vier Galileo-Satelliten gleichzeitig ausgesetzt werden. Das europäische Navigationssystem befindet sich derzeit im Aufbau, zwölf Satelliten sind bereits im Orbit, 2018 soll die Konstellation mit 28 bis 30 Satelliten vollständig sein.

Das Galileo-Navigationssystem ist ein Beispiel für anwendungsorientierte Technologie bei der Esa – eine Nutzung, die den Menschen heute selbstverständlich ist, ohne die Luftfahrt, Logistik oder auch die Börse nicht mehr funktionieren würden. Auch die Erdbeobachtungsmissionen spielen eine wichtige Rolle für das Leben auf der Erde. Sie helfen, Klimawandel und Veränderungen in der Umwelt wie drohende Erdbeben besser einschätzen zu können. Und auch das gehört dazu: Für das Militär sind Satelliten ebenfalls unverzichtbar.

Die rein wissenschaftlichen Missionen in die Weiten des Weltraums hingegen sind weit entfernt von jeglicher Alltäglichkeit und üben wie die Landung der Rosetta-Mission auf einem Kometen im November 2014 nach wie vor eine besondere Faszination aus. In diesem Jahr steht mit dem ersten Teil von ExoMars nun erneut der Auftakt zu einer spektakulären Reise an. Ziel ist es, nach Wasser und Spuren vergangenen oder noch existierenden Lebens auf dem roten Planeten zu suchen. Für den Start ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, denn Erde und Mars müssen sich in einer bestimmten Konstellation zueinander befinden, erklärt Densing – klappt es nicht, so dauert es 22 Monate, bis es wieder soweit ist. Im März 2016 werden zunächst der „Trace Gas Orbiter“und der kleine Lander „Schiaparelli“ ins All geschickt. Der Orbiter soll Signale an die Erde übertragen und unter anderem Gase in der Marsatmosphäre untersuchen, erklärt Paolo Ferri, „Schiaparelli“ soll die Landung auf dem Mars proben. Anfang 2018 wird der zweite Teil der Mission, bestehend aus einem Oberflächenrover und einem Bohrer zum Entnehmen von Proben auf den Weg gebracht.

Und was macht eigentlich Rosetta? Die Kometenmission soll Ende September zu Ende gehen, erklärt Paolo Ferri. Bis dahin steht der Sonde aber noch ein abenteuerlicher Trip bevor. Ganz nahe soll Rosetta dem Kometen „Tschuri“ kommen und den Abstand von derzeit 100 Kilometern auf zunächst sieben und dann im Tiefflug auf nur noch einen Kilometer verringern, bis sie schließlich auf der Oberfläche aufsetzt. Das wird das Ende des Kontakts zwischen Rosetta und der Erde sein. Doch bis dahin soll die Sonde noch viele wertvolle Bilder und Messungen liefern, hofft der Missionsleiter.

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