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Wahrscheinlich waren es die Menschen, die der einstigen Tierwelt Australiens den Garaus gemacht haben.

Australien

Warum die Riesen ausstarben

Vor 45 000 Jahren verschwanden in Australien die großen Tiere von der Bildfläche. Schuld daran ist der Mensch.

Der Mensch ist Schuld am Verschwinden der großen Tiere in Australien vor etwa 45 000 Jahren. Das schließen Forscher unter anderem aus der Untersuchung von jahrtausendealten Pilzsporen. Klimaveränderungen spielten für das Verschwinden der so genannten Megafauna wohl keine Rolle, berichten Forscher im Fachblatt „Nature Communications“.

Als Megafauna bezeichnen die Wissenschaftler Tiere mit einem Gewicht von mehr als 44 Kilogramm. Vor etwa 50 000 Jahren lebten fast 500 Kilogramm schwere Kängurus, Wombats mit einem Gewicht von annähernd zwei Tonnen oder Schildkröten in der Größe eines Kleinwagens in Australien, schreiben die Wissenschaftler. Genau wie in anderen Teilen der Welt mit Ausnahme von Afrika, verschwand diese Megafauna vor etwa 45 000 Jahren.

Warum dies passierte, ist unter Forschern bis heute umstritten. Als Ursachen werden die Jagd durch den Mensch, der große Gebiete des Kontinents vor etwa 47 000 Jahren besiedelt hatte, gravierende Klimaveränderungen oder eine Kombination von beidem diskutiert.

Ein eindeutiger Beleg fehle unter anderem deshalb, weil es bisher schwierig gewesen sei, die Zeitpunkte für Klimaveränderungen und die Ausbreitung des Menschen auf dem Kontinent genau zu datieren, schreibt das Forscherteam um Sander van der Kaars von der Monash University (Clayton/Australien).

Die Wissenschaftler untersuchten nun einen Sedimentbohrkern, der im Indischen Ozean, vor der Südwest-Küste Australiens, entnommen worden war. In dem Bohrkern finden sich, chronologisch in Schichten abgelagert, organische Stoffe, die vom Land ins Meer getragen worden sind, etwa Staub und Pollen. Sie konnten mit Hilfe des Bohrkerns klimatische Veränderungen nachvollziehen, aber auch die Anwesenheit von Großtieren prüfen. Letzteres gelang ihnen durch Analysen des Dungpilzes Sporormiella, der auf dem Kot von Pflanzenfressern gedeiht.

Die Forscher konnten so über einen Zeitraum von 150 000 Jahren die Anwesenheit von Großtieren auf dem Kontinent nachvollziehen. „Die Häufigkeit dieser Sporen ist ein guter Beweis dafür, dass bis vor etwa 45 000 Jahren eine Menge großer Säugetiere im Südwesten Australiens lebte“, erläutert Gifford Miller von der University of Colorado Boulder (US-Staat Colorado), der an der Studie mitgewirkt hat, in einer Mitteilung der Universität. In dem Zeitraum von vor 150 000 bis vor 45 000 Jahren habe es erhebliche Klimaschwankungen gegeben, vor allem vor etwa 70 000 Jahren, als die dichten Eukalyptus-Wälder trockenem Buschland wichen. Die Megafauna habe dies anscheinend nicht beeinträchtigt.

„Dann, in einem Zeitfenster von nur wenigen tausend Jahren, brach die Megafauna-Population zusammen.“ Vor gut 43 000 Jahren, etwa 4000 Jahre nachdem die Menschen den Kontinent erobert hätten, sei die Megafauna ausgelöscht gewesen, schreiben die Forscher. Bedeutende klimatische Veränderungen habe es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.

Frühere Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass schon ein geringer Jagddruck ausreicht, um gerade größere Tierarten auszurotten, weil diese sich eher langsam vermehren und die Populationen oft nicht so groß sind. So reiche das Töten von einem Jungtier pro Person und Jahrzehnt aus, um eine Art innerhalb von wenigen Hundert Jahren auszulöschen. Das nennen Fachleute einen „unbemerkten Overkill“. (Anja Garms, dpa)

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