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Fledermäuse können unter anderem aufgrund ihres besonderen Stoffwechsels eine Vielzahl von Viren beherbergen, ohne selbst krank zu werden.
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Fledermäuse können unter anderem aufgrund ihres besonderen Stoffwechsels eine Vielzahl von Viren beherbergen, ohne selbst krank zu werden.

Coronavirus

Corona: Bereits vor 25.000 Jahren gab es eine große Epidemie

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein Forschungsteam findet Hinweise, dass ein mit Sars-CoV-2 verwandtes Virus die steinzeitlichen Menschen in Ostasien plagte.

Merkmale im Erbgut von Menschen aus Ostasien deuten darauf hin, dass es dort bereits vor mehr als 20.000 Jahren eine lange andauernde Epidemie mit einem Coronavirus gab. Das vermutet ein internationales Forschungsteam um Yassine Souilmi von der Australien National University. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten für ihre bislang nur preprint auf dem Server bioRxiv veröffentlichte Studie das Erbgut von rund 2500 Menschen aus 26 verschiedenen Populationen untersucht.

Dabei fanden sie bei Menschen aus Ostasien Genveränderungen, die dazu führen, dass 42 Proteine vermehrt produziert werden, die eng mit der Abwehr von Coronaviren zusammenhängen; diese Art von Eiweißen werden als Viren-interagierende Proteine bezeichnet. Das legt nach Ansicht der Forschenden nahe, dass die Vorfahren dieser Menschen sich diesen Erregern massiv ausgesetzt sahen und ihr Körper entsprechend darauf reagiert hat. Solche Spuren, heißt es in der Studie, ließen sich über zehntausende Jahre hinweg zurückverfolgen. Im Zuge einer „positiven Selektion“ werden diese genetischen Veränderungen bevorzugt an die Nachkommen weitergegeben. Das bedeutet: Sie blieben erhalten, weil sie einen evolutionären Vorteil boten, etwa den Immunschutz gegen Coronaviren verbesserten.

Corona-Epidemie vor 25.000 Jahren in Ostasien

Während sich bei den ostasiatischen Populationen starke genetische Signale für eine Anreicherung von spezifisch mit Coronaviren interagierenden Viren fanden, konnte das Forschungsteam im Erbgut von Menschen aus anderen Teilen der Welt keine solchen Hinweise auf eine frühere Konfrontation mit diesen Erregern entdecken. Bei Proteinen, die in Zusammenhang mit anderen Viren stehen, habe es hingegen keine Unterschiede zwischen der ostasiatischen und der restlichen Bevölkerung gegeben.

Yassine Souilmi und sein Team folgern daraus, dass es in der Vergangenheit in Ostasien eine schwere, über einen längeren Zeitraum anhaltende Corona-Epidemie gegeben haben muss. Um festzustellen, wann genau sich das ereignet hat, sahen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die auf Interaktion mit dem Coronavirus zielenden Gene genauer an. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die positive Selektion für dies Gene vor ungefähr 25.000 Jahren einsetzte, vor rund 900 Generationen. Denn etwa zu diesem Zeitpunkt sei die Zahl der Mutationen im Erbgut plötzlich angestiegen. Das Muster passe zum Auftreten einer Epidemie, die vor 25.000 Jahren einen starken Schub für die entsprechenden Virus-interagierenden Proteine bewirkte.

Aus dem zeitlichen Muster der Mutationen folgern die Forschenden, dass vermutliche mehrere Generationen in Ostasien mit dem damaligen Coronavirus zu kämpfen hatten. Denn nur wenn die Menschen über einen langen Zeitraum einen Erreger ausgesetzt waren, sind derart deutlichen Spuren im Erbgut möglich. Als ein Großteil der Bevölkerung immun war, könnte die Epidemie abgeflaut sein.

Coronaviren bereits in der Steinzeit vom Tier auf den Menschen übergesprungen

Aus ihren Ergebnissen folgern die Forschenden somit auch, dass Coronaviren bereits in der Steinzeit vom Tier auf den Menschen übergesprungen sind. Dass das in Ostasien geschehen sein könnte, passt zu dem, was man aus der jüngeren Vergangenheit weiß. Im Laufe der letzten 20 Jahre sind drei Coronaviren aus dem Tierreich auf Menschen übergesprungen sind: Sars, Mers und Sars-CoV-2.

Sars und Sars-CoV-2 haben ihren Ursprung in Asien, Mers tauchte auf der Arabischen Halbinsel erstmals bei Menschen auf. Die starke Vermutung lautet, dass der erste tierische Wirt eine Fledermaus war. Die Flugsäuger können unter anderem aufgrund ihres besonderen Stoffwechsels eine Vielzahl von Viren beherbergen, ohne selbst krank zu werden. Für das Sars-Virus wird als Zwischenwirt die Schleichkatze vermutet, für das Mers-Virus das Dromedar. Für Sars-CoV-2 ist noch nicht geklärt, ob es tatsächlich einen Zwischenwirt gab, anfangs war vor allem das Schuppentier im Gespräch.

Ihre Erkenntnis über frühere Epidemien mit Coronaviren sehen die Forschenden indes nicht nur als Blick in die Vergangenheit, sie hoffen, auf dieser Basis auch künftige Pandemien besser einschätzen zu können. (Pamela Dörhöfer)

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