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Auch auf dem E-Motorrad macht das Fahren Spaß, hier bei einer umweltfreundlichen Spritztour durch den Südharz.

Elektro-Motorräder

"Volltanken für nur 1,80 Euro"

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Ralf Czaplinski, Deutschlandchef von "Zero Motors", spricht im FR-Interview über die Vorteile von E-Motorrädern.

Nicht nur Autos fahren mit Elektro-Antrieb, sondern auch Motorräder. Wie viele bereits über deutsche Straßen brausen, wie nachhaltig die Maschinen sind und woher ihr Strom kommt, darüber spricht Ralf Czaplinski, Deutschlandchef des weltgrößten Herstellers von Elektromotorrädern „Zero Motors“, mit der Frankfurter Rundschau

Herr Czaplinski, wie unterscheidet sich ein E-Motorrad vom E-Auto?
Im Prinzip gar nicht. Auch wir setzen auf einen Antriebsstrang bestehend aus Lithium-Ionen-Akkus, Elektromotor und Controller. Ein Tesla hat natürlich viel mehr Batteriekapazität. Aber wir haben dafür ein wesentlich besseres Leistung-Gewicht-Verhältnis. Das heißt: Wir brauchen von allem weniger – einen kleineren Motor, eine kleinere Batterie, einen kleineren Controller. Dennoch schaffen unsere Motorräder auch Reichweiten bis zu 250 Kilometer. Ein Verbrenner kommt auch nicht viel weiter mit einer Tankfüllung.

Warum sollte ein Autofahrer überhaupt auf ein Elektromotorrad wechseln?
Gerade in den Ballungszentren steigen inzwischen einige vom Auto aufs Motorrad um, ein Trend, der aus Südeuropa zu uns schwappt. Die Menschen nutzen das Motorrad wieder als Transportmittel, nicht mehr nur als reines Freizeitprodukt. In Städten wie Berlin, München, Hamburg und Stuttgart sieht man Pendler im Anzug auf dem Motorrad zur Arbeit fahren. Sie wollen drei Problemfelder vermeiden: Staus, Parkplatzsuche und Fahrverbote für Verbrenner – die in Zukunft in immer mehr Stadtteilen kommen werden.

Zur Nachhaltigkeit: Was ist mit denen, die gar kein Auto haben und sich dann für das Elektro-Motorrad entscheiden? 
Da ein Elektromotorrad am Ende des Produktlebenszyklus‘ eine positivere Ökobilanz aufweist als ein vergleichbares Verbrenner-Fahrzeug, ist der Kauf eines Elektromotorrades die ökologisch sinnvollere Entscheidung. Auch bei Anschaffungspreisen zwischen etwa 12 000 und 18 000 Euro. Die – im Vergleich zum Verbrenner- sehr geringen operativen Kosten stehen dem gegenüber. Unser typischer Kunde ist schon während des Studiums Motorrad gefahren, weil er sich damals kein Auto leisten konnte, und ist heute, sagen wir Elektroingenieur, hat das Haus abbezahlt, die Kinder sind aus dem Haus, die Karriere ist abgeschlossen. Und nun möchte er wieder Motorrad fahren, hat aber keine Lust mehr, Verbrenner anzufassen.

Einer ihrer Slogans ist: „Spaßfahren ohne schlechtes Gewissen – denn die Umwelt leidet nicht dabei.“ Derzeit kommen noch zwei Drittel aus dem Strommix aus fossilen oder atomaren Quellen – ein bisschen leidet die Umwelt ja wohl doch?
Unsere Kunden können sich aussuchen, woher sie ihren Strom beziehen, etwa von Ökostromunternehmen. Viele unserer Kunden haben eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Aber die Herstellung eines Motorrads, des Motors und der Batterie verursachen viel CO2.
So schlecht stehen wir nicht da. Ein Verbrenner-Fahrzeug muss ja auch produziert werden. Unser ökologischer Fußabdruck ist wegen des eingesparten Spritverbrauchs wesentlich geringer.

Wie viel Elektromotorräder gibt es in Deutschland?
Wir liegen im guten vierstelligen Bereich. Im Vergleich zum Verbrenner-Markt ist das natürlich verschwindend gering. In den vergangenen fünf Jahren, der Zeitraum in dem ich den Vertrieb in Deutschland begleite, haben wir Wachstumsraten im Absatz von über 30 Prozent. Nach Kalifornien ist Deutschland übrigens der weltweit zweitstärkste Markt.

Was fehlt für den Durchbruch in Deutschland?
Wir haben eine Petition bei der Bundesregierung eingereicht und nachgefragt, warum es für elektrisch betriebene Zweiräder keinen Zuschuss gibt, für Elektroautos aber schon? Wir wollen ja nur einen Bruchteil der 4000 Euro pro Fahrzeug. Aber gestern kam leider ein Brief vom Wirtschaftsministerium. In dem hieß es: Mit unseren Motorrädern würden wir nicht ausreichend dazu beitragen, die eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen zubekommen. Das ist paradox: Ich habe in meiner Anfrage genau das als Begründung angeführt! Die urbane Mobilität wird sich zunehmend wieder auf zwei Rädern abspielen, auch um den Verkehr in den Städten zu entzerren. Aber die Regierung setzt offensichtlich nur auf E-Autos.

Was können sie daran ändern?
Ich würde mir wünschen, dass ein weiterer großer Motorradhersteller auf den Markt kommt, damit wir gemeinsam diesen Weg ebnen können. Aber derzeit sind wir praktisch ohne Konkurrenz.

Liegt das auch daran, dass Motorradfreaks genau das brauchen: dass es qualmt und lärmt?
Wir setzen auf junge Leute, die durch ihre Unterhaltungselektronik mit Lithium-Ionen-Akkus mehr vertraut sind als mit einem Vergaser. Sie schenken uns mehr Aufmerksamkeit als jemand, der in den achtziger und neunziger Jahren mit dem Motorradfahren groß geworden ist, als das Motorrad noch laut und rappelig sein musste.

Können ihre Motorräder im Gegensatz zu Elektroautos an normalen Steckdosen laden?
Ja. Elektroautos haben wesentlich größere Akkus, weil sie wesentlich mehr abdecken müssen: Klimaanlage, Heizung, Radio. Wir mit unseren bis zu 13 Kilowattstunden können sehr gut an der normalen 220 Volt Haushaltssteckdose laden. Über das eingebaute Ladegerät dauert es dann allerdings acht Stunden für eine komplette Füllung.

Acht Stunden ist eine Menge.
Das klingt lange, aber acht Stunden habe ich immer irgendwie. Entweder über Nacht, wenn ich schlafe, oder während der Arbeitszeit.

Wer vergessen hat zu laden und eilig irgendwohin muss, wird sich ärgern.
Man muss eben ein bisschen Disziplin mitbringen und daran denken: Wenn ich stehe – Stecker in die Steckdose. Für etwa 1,80 Euro habe ich den Tank dann wieder voll und kann wieder meine bis zu 200 Kilometer fahren, zumindest im Stadtverkehr.

Interview: Benjamin von Brackel

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