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Aktuelles Vogelgrippevirus befällt auch Säugetiere

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Von: Pamela Dörhöfer

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Vor allem Jungfüchse scheinen stark betroffen zu sein. Getty
Vor allem Jungfüchse scheinen von der Vogelgrippe stark betroffen zu sein. © Getty Images/500px Prime

Aus Nordamerika werden mit Vogelgrippe infizierte Füchse, Luchse, Kojoten und Stinktiere gemeldet. Vor allem an den Küsten gibt es viele kranke Wildvögel.

Frankfurt – Große Massen von Hühnern sind wegen des aktuell grassierenden Vogelgrippe-Virus H5N1 bereits gekeult worden – allein in Nordamerika 77 Millionen Tiere, wie die New York Times berichtet. Die meisten Tötungen betrafen Geflügel aus Massentierhaltung, deren Bedingungen es dem Erreger leicht machen, sich zu verbreiten.

Schlimm genug, doch das Virus hat auch sehr viele Wildvögel befallen, mehr als 100 verschiedene Arten, vor allem Seevögel wie Möwen, Basstölpel oder Eiderenten. Die Weltorganisation für Tiergesundheit schätzt, dass seit Oktober 2021 weltweit mehr als 383.000 Wildvögel durch H5N1 umgekommen sind, bei einer vermutlich hohen Dunkelziffer. Auch an deutschen Küsten haben sich viele Seevögel angesteckt und sind an der Infektion mit dem hochpathogenen H5N1-Stamm gestorben.

Vogelgrippe H5N1 ist auf wild lebende Säugetiere übergesprungen

Mittlerweile ist das Virus allerdings auch auf wild lebende Säugetiere übergesprungen, dazu gibt es Berichte aus den USA, aber auch aus Finnland. Betroffen sind vor allem Füchse, außerdem Otter, Luchse, Kojoten, Stinktiere und Dachse. So schreibt die New York Times, dass der Erreger in mindestens sieben US-Bundesstaaten in jungen Rotfüchsen nachgewiesen wurde. Bei Obduktionen der toten Tiere habe sich gezeigt, dass viele eine Lungenentzündung hatten. Auch habe man im Gehirn der Füchse „eine Menge Entzündungen“ entdeckt. Als Erklärung, warum das Virus vor allem junge Füchse befällt, vermuten Expertinnen und Experten das noch nicht voll entwickelte Immunsystem bei Jungtieren. Bei zwei infizierten Rotluchsen wurde noch eine weitere Auffälligkeit beobachtet: Demnach hätten die Tiere kaum oder gar keine Scheu vor Menschen gezeigt.

Bedeuten diese Berichte, dass das Vogelgrippe-Virus sich so verändert hat, dass es auch von Säugetieren übertragen werden kann? Das wäre eine fatale Entwicklung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen es laut New York Times durchaus für möglich halten, dass das Virus in einer Weise mutiert ist, die es ihm leichter macht, Säugetiere zu infizieren. Als plausibelste Erklärung sehen sie es jedoch an, dass die befallenen Säuger infizierte Vögel gefressen haben – und die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, sei dieses Jahr besonders hoch, weil sich so viele Wildvögel mit H5N1 angesteckt haben.

Vogelgrippe H5N1: Risiko für Menschen ist gering

Das Risiko für Menschen sehen Expertinnen und Experten als gering aus. Zwar ist es nicht unmöglich, dass Menschen sich infizieren, bislang wurde das aber fast nur nach engem Kontakt mit befallenem Geflügel berichtet. Grundsätzlich gilt der Rat, keine toten Vögel zu berühren und auch Hunde auf Abstand zu halten. Wer in seinem Garten Futterhäuschen oder Vogelbäder stehen hat, sollte diese jede Woche waschen und desinfizieren, da die Vogelgrippe hauptsächlich über Speichel oder Kot übertragen wird. (Pamela Dörhöfer)

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