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Vitamin D in Lebensmitteln kann Krebssterblichkeit senken

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Von: Pamela Dörhöfer

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Milchprodukte im Supermarkt. Senken sie die Krebssterblichkeit, wenn sie mit Vitamin D angereichert sind?
Forschende untersuchen, inwieweit mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel wie Milchprodukte die Krebssterblichkeit senken können. (Symbolfoto) © Martin Wagner/Imago

Ein Forschungsteam aus Deutschland untersucht die Auswirkungen von mit Vitamin D angereicherten Produkten des täglichen Bedarfs auf Krebserkrankungen. Das Ergebnis ist vielversprechend.

Heidelberg – Eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D könnte die Krebssterblichkeit in etwa so stark senken wie eine regelmäßige Einnahme in Form von Vitaminpräparaten – konkret: um mehr als zehn Prozent. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ) gekommen.

Dass Vitamin D essenziell für die Knochengesundheit ist, weiß man schon lange. In den vergangenen Jahren hat sich aber auch zunehmend abgezeichnet, dass das Vitamin eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung verschiedener Erkrankungen spielen kann. So geht man davon aus, dass es einen positiven Einfluss auf das Immunsystem hat, zudem gibt es Hinweise, dass Vitamin-D-Mangel mit einem erhöhten Risiko einhergeht, an akuten Atemwegsinfekten zu erkranken.

Auch mit Blick auf die Prävention von Tumorerkrankungen und die Krebssterblichkeit hin wurde Vitamin D untersucht. So erschienen 2019 drei Meta-Analysen großer randomisierter Studien, die zu dem übereinstimmenden Ergebnis kamen, dass eine Substitution von Vitamin D die Krebssterblichkeit um 13 Prozent senken kann – und das unabhängig von der Krebsart.

Vitamin D kann laut Studien Krebs-Sterblichkeit senken

Allerdings war es bei diesen Studien immer nur um Vitamin-Präparate gegangen, wie man sie in Apotheken oder Drogerien kaufen kann. Das Team des Deutschen Krebsforschungszentrums wollte nun herausfinden, ob sich der gleiche Effekt erzielen lässt, wenn Menschen Vitamin D nicht täglich gezielt in Form einer Tablette oder eines Pulvers einnehmen, sondern über angereicherte Lebensmittel – etwa in Milchprodukten, Säften oder Frühstücksflocken.

Die Vorstellung ist nicht abwegig. In Ländern wie Schweden, Finnland, Kanada oder Australien ist es Usus, dass bestimmte Produkte zusätzlich Vitamin D enthalten. Wie es in einer Mitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums heißt, regeln dort staatliche Programme, welche Lebensmittel mit welcher Vitamindosis angereichert werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DKFZ arbeiteten bei ihrer Studie mit einer Modellrechnung. „Es ist nahezu unmöglich, den Effekt von Vitamin D-angereicherten Lebensmitteln auf die Krebssterblichkeit mit einer klassischen klinischen Studie direkt zu untersuchen“, erklärt der Epidemiologe Hermann Brenner: „Deshalb haben wir einen indirekten Weg gewählt.“

Mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel können Krebs-Sterblichkeit reduzieren

Zunächst untersuchten Brenner und sein Team, wie stark sich der Vitamin-D-Spiegel durch angereicherte Lebensmittel steigern lässt. Dabei ermittelten sie einen durchschnittlichen Anstieg, der einer Einnahme von 400 sogenannten internationalen Einheiten entspricht. Diese Menge in Vitaminpräparaten hatte sich in den großen Studien als wirksam erwiesen, um die Krebssterblichkeit zu verringern.

Die Forschenden kamen bei ihrer Untersuchung für angereicherte Lebensmittel auf eine Reduktion der Krebssterblichkeit um elf Prozent. Zur Einordnung der Mengen: Das Robert Koch-Institut gibt für Kinder ab einem Jahr und Erwachsene aller Altersgruppen einen geschätzten Bedarf für die tägliche Zufuhr von Vitamin D über die Nahrung von 20 Mikrogramm an, das entspricht 800 internationalen Einheiten.

Die Kosten für eine solche Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D schätzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf etwa fünf Prozent der Summe, die eine Versorgung der über 50-Jährigen in einer Bevölkerung mit Vitamin-D-Tabletten beanspruchen würde. Und: „Im Vergleich zu den eingesparten Krebsbehandlungskosten wären die Kosten vernachlässigbar gering“, sagt Tobias Niedermaier vom DKFZ, Erstautor der Studie. Überdies könne man mit angereicherten Lebensmitteln „weitaus größere Kreise erreichen, etwa Menschen mit einem geringen Gesundheitsbewusstsein, die häufig besonders niedrige Vitamin-D-Spiegel haben“.

Milchprodukte im Supermarkt. Senken sie die Krebssterblichkeit, wenn sie mit Vitamin D angereichert sind?
Forschende untersuchen, inwieweit mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel wie Milchprodukte die Krebssterblichkeit senken können. (Symbolfoto) © Martin Wagner/Imago

Vitamin D: Trotz vielversprechender Studie gibt es noch Unsicherheiten

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen räumen gleichwohl ein, dass es „wie bei allen Modellrechnungen“ noch „Unsicherheiten“ gebe, in welchem Maße genau zugefügtes Vitamin D in Nahrung die Krebssterblichkeit senken kann. Sie schlagen vor, das Potenzial eines solchen Ansatzes zur Vermeidung von Krebstoten in weiteren Studien zu prüfen.

In unseren Breiten ist Vitamin-D-Mangel keine Seltenheit und vor allem im Winter verbreitet. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten. Denn die Versorgung wird zu einem Großteil über das von der Haut aufgenommene Sonnenlicht sichergestellt. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt deshalb, sich bei Sonnenschein etwa zwei- bis dreimal pro Woche für etwa zwölf Minuten im Freien aufzuhalten – ohne Sonnenschutz.

Allein über – nicht angereicherte – Lebensmittel nimmt man nicht genug Vitamin D auf. Nur wenige Nahrungsmittel enthalten es natürlicherweise und meist nur in geringen Mengen. Dazu zählen unter anderem fette Seefische wie Lachs oder Makrele sowie Eier und Leber. (Pamela Dörhöfer)

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