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Viren auf Reisen

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Bakteriophagen sind Viren (oben), die Bakterien infizieren und sich in ihnen vermehre. Getty
Bakteriophagen sind Viren (oben), die Bakterien infizieren und sich in ihnen vermehre. Getty © Getty Images/Westend61

Krankheitserreger nutzen Mikroplastik als Transportmittel / Für Menschen bedeutet das eine potenzielle Gefahr, stellt eine australische Studie fest

Mikroplastik an sich ist ein großes Problem. Es verseucht Meere, Flüsse und Böden, gelangt aufgrund seiner geringen Größe in die hintersten Winkel – und auch in den Körper. So konnten die Kunststoffpartikel bereits im Blut, im Magen, der Lunge und in menschlichem Stuhl nachgewiesen werden. Forschende aus Australien entdeckten nun eine weitere potenzielle Gefahr, die von Mikroplastik ausgehen kann. Das Team der University of Queensland stellte fest, dass Viren die winzigen Partikel als Transportmittel nutzen, das zudem ihre „Lebenszeit“ verlängert.

„Wir hören oft von den menschlichen und ökologischen Schäden, die durch Mikroplastik im Wasser verursacht werden, aber es ist wenig darüber bekannt, ob die winzigen Mikroplastikpartikel Viren tragen können“, wird Studienleiter Jianhua Guo vom Australian Center for Water und Environmental Biotechnology der University of Queensland in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert: „Was wir gefunden haben, ist, dass Viren auf Mikroplastik trampen.“ Das Schlimme daran: Auf diese Weise, erklärt der Wissenschaftler, könnten die Erreger „ihre Infektiosität verlängern“, was wiederum bedeute, „dass ein erhöhtes Risiko der Virusübertragung in Gewässern und der Umwelt bestehen könnte“.

Anstoß für die Untersuchung gab die Corona-Pandemie, als klar wurde, dass sich Sars-CoV-2 auch im Abwasser nachweisen lässt. Für ihre im Fachmagazin „Water Research“ veröffentlichte Studie konzentrierten sich die Forschenden auf E.coli-Bakteriophagen. Anders als man aufgrund des Namens vielleicht annehmen könnte, handelt es sich dabei nicht um Bakterien, sondern um Viren, die Bakterien infizieren und sich dort replizieren. Für Menschen sind E.coli-Bakteriophagen nicht schädlich. Als Material verwendeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Partikel unterschiedlicher Größe aus Polystyrol, besser bekannt unter dem Handelsnamen Styropor – ein weitverbreiteter Kunststoff, der in vielen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt wird.

„Wir fanden heraus, dass mehr als 98 Prozent des von uns verwendeten Virus auf dem Mikroplastik gefunden wurde“, erklärt Li Ju von der University of Queensland, ein weiterer Studienautor. Und: Mehr als die Hälfte der Viren habe man zehn Tage später noch nachweisen könnten, „viel länger, als wenn die Viruspartikel frei im Wasser schwimmen würden“. Das Team stellte außerdem fest, dass die Wahrscheinlichkeit, Viren als Passagiere zu tragen, stieg, je mehr Umweltschädliches sich auf den Plastikpartikeln fand.

Wie groß die Virusmenge auf Mikroplastik sein muss, um für Menschen infektiös zu sein, vermögen die australischen Forschenden auf Basis ihrer Studie nicht zu sagen: „Aber es könnte Fälle geben, in denen die Dosierung ausreicht, um eine mögliche Infektion zu verursachen“, sagt Li Ju. Er weist zudem darauf hin, dass die nötige Menge je nach Virusart variiert und deshalb keine pauschale Aussage möglich ist. Der Wissenschaftler mahnt aber zur Vorsicht: „Da Mikroplastik potenziell tödliche Viren ansammeln und durch Wasserstraßen wandern kann, könnte es riskant sein, Meeresfrüchte zu essen, die aus Gebieten stammen, in denen sie häufig mit Mikroplastik kontaminiert sind.“

Die Tatsache, dass Viren auf Mikroplastik reisen, könnte für die menschliche Gesundheit „problematisch“ sein, lautet das Fazit der Studienautor:innen. Es müsse jetzt weitere Forschung betrieben werden, um die Auswirkungen weiter zu untersuchen. Unter anderem sei zu prüfen, welche Krankheitserreger auf den winzigen Partikeln „trampen“ können – und welche Materialien eine geeignete Grundlage dafür abgeben.

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