1. Startseite
  2. Wissen

Vierte Corona-Impfung: Studie zum zweiten Booster liefert erste Ergebnisse

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Corona-Impfstoff
Der internationale Pharmaverband IFPMA in Genf hat einen Vorschlag für eine gerechtere Verteilung von Impfstoffen und Arzneimitteln bei einer neuen Pandemie vorgelegt. © Marijan Murat/dpa

Sollte man sich die vierte Corona-Impfung geben lassen? In die Diskussion in Deutschland platzt eine neue Studie aus den USA mit ersten Ergebnissen.

Atlanta – Sollte man sich zum vierten Mal gegen Corona impfen lassen? In Deutschland ist eine Debatte um diese Frage entbrannt, seit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auch Personen unter 60 Jahren öffentlich den zweiten Corona-Booster empfohlen hat. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die vierte Corona-Impfung dagegen bisher nur Personen ab 70 Jahren, Personen in Gesundheitsberufen sowie gesundheitlich gefährdeten Menschen. Nach Lauterbachs Empfehlung hatte sich Stiko-Chef Thomas Mertens gegen die Empfehlung gewandt und erklärt, er kenne keine Daten, die einen solchen Vorschlag rechtfertigten. Er erklärte: „Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ‚Viel hilft viel‘ auszusprechen.“

Nun hat die US-Seuchenschutzbehörde CDC eine Studie veröffentlicht, die die Position von Karl Lauterbach untermauern könnte. In die Studie mit einbezogen wurden mehr als 200.000 Patient:innen, die Notaufnahmen in den USA besuchten und 58.000 Patient:innen, die mit Covid-19 in Krankenhäuser in den USA eingeliefert wurden. Die Analyse der Gesundheitsdaten der Patient:innen zeigt: Die dritte und die vierte Corona-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) führen zu einem guten Schutz bei Erwachsenen mit einem gesunden Immunsystem, heißt es bei der CDC.

Vierte Corona-Impfung: Neue Studie zeigt, wie der zweite Booster gegen Omikron wirkt

Konkret stellten die Forschenden fest, dass der erste Corona-Booster in den ersten sechs Monaten zu 68 Prozent gegen schwere Krankheitsverläufe der Omikron-Varianten BA.1 und BA.2/BA.2.12.1 schützt, danach fällt der Schutz nach Angaben der CDC auf nur noch 52 Prozent ab. Nach dem zweiten Corona-Booster – also insgesamt der vierten Corona-Impfung – steigt der Schutz vor schweren Verläufen bei Menschen ab 50 Jahren nach mehr als einer Woche auf 80 Prozent, zeigt die neue Studie. Auf welches Level der Schutz nach sechs Monaten absinkt, ist noch nicht klar, da diese Daten noch nicht verfügbar sind.

Kürzlich veröffentlichte Daten zeigen nach Angaben der CDC, dass Personen, die sich mit der Corona-Variante BA.2 infiziert haben, Antikörper haben könnten, die auch gegen die Variante BA.5 schützen. Daraus schließt die CDC, dass die derzeit erhältlichen Corona-Impfstoffe auch einen Schutz vor schweren Verläufen der aktuell weit verbreiteten Corona-Variante BA.5 bieten dürften. Daten zum Schutz vor dieser Variante, die derzeit auch das Infektionsgeschehen in Deutschland treibt, liefert die Studie jedoch nicht.

Zweiter Corona-Booster gegen Omikron: Eine der ersten Studien zum Thema veröffentlicht

Die vierte Dosis eines mRNA-Corona-Impfstoffs wird der Studie zufolge auch mit einer niedrigeren Hospitalisierungsrate und weniger Besuchen in Notaufnahmen in Zusammenhang gebracht. Wie die CDC mitteilt, ist die Studie eine der ersten, die die Auswirkungen des zweiten Corona-Boosters im Kampf gegen die Omikron-Varianten untersucht. „Die Ergebnisse dieser Studie sind wichtig, weil sie eine Antwort auf eine Frage geben, die sich viele Menschen stellen: Sollte ich mir eine zweite Auffrischungsimpfung geben lassen?“, erklärt Shaun Grannis, Co-Autor der Studie, in einer Mitteilung. „Die Daten zeigen deutlich, dass eine zweite Auffrischungsimpfung die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen diese Varianten – die in vielen Gebieten zwar nicht mehr vorherrschen, aber immer noch vorhanden sind – deutlich erhöht“, so Grannis.

Corona-Studie: Wer Anspruch auf die vierte Impfung hat, sollte sie wahrnehmen

„Mit Blick auf den Herbst, wenn die Viren in der Regel zunehmen, möchten wir die Menschen, die für eine zweite Auffrischungsimpfung infrage kommen, dazu ermutigen, proaktiv zu handeln und eine Auffrischungsimpfung unbedingt in Betracht zu ziehen, da sie einen besseren Schutz bietet“, betont der Co-Autor der Studie weiter und fügt hinzu: „Dadurch wird die Notwendigkeit von Corona-bedingten Notaufnahmen und Krankenhausaufenthalten verringert.“

In den USA empfiehlt die CDC die vierte Corona-Schutzimpfung Personen ab 50 Jahren sowie Menschen, die immungeschwächt sind. Die Studienautor:innen empfehlen allen Personen, sich die Corona-Auffrischungsimpfungen sofort geben zu lassen, sobald der Anspruch besteht: „Die Auffrischungsdosen sollten sofort verabreicht werden, wenn die Personen für eine Impfung infrage kommen.“ Die EU empfiehlt die vierte Corona-Impfung Menschen über 60 Jahren. (tab)

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, der Schutz vor schweren Verläufen bei Menschen ab 50 Jahren steige in den sechs Monaten nach der Impfung auf 80 Prozent. Wir haben diesen Satz korrigiert: Er stieg nach mehr als einer Woche auf 80 Prozent – Daten für längere Zeiträume liegen noch nicht vor.

Auch interessant

Kommentare