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Viele ehrgeizige Missionen ins All geplant

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„Shenzhou 15“
Das bemannte Raumschiff „Shenzhou 15“ auf der Trägerrakete „Langer Marsch 2F“ hebt ab. China verfolgt noch weitere ehrgeizige Ziele im All. © Li Gang/XinHua/dpa

Ansturm auf's All: Die globalen Raumfahrtpläne reichen von neuen Raumstationen bis hin zu Missionen zu Mond, Mars, Venus, Jupiter und zu Asteroiden. Dabei wird die Liste der mitmischenden Länder und kommerziellen Anbieter immer länger.

Washington - Missionen zum Mond, zum Mars, zu anderen Planeten - und neue Raumstationen: Zahlreiche Länder wollen auch im kommenden Jahr und darüber hinaus im All kräftig mitmischen. Ein Überblick:

USA

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa konzentriert sich vor allem auf das lange krisengeplagte Mondprogramm „Artemis“, bei dem nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf dem Mond landen sollen, darunter erstmals eine Frau und eine nicht-weiße Person. Nach einem ersten unbemannten Start im November laufen die Vorbereitungen für einen bemannten Start möglichst 2024 und eine Mondlandung 2025.

Außerdem will die Nasa beispielsweise die Sonde „Psyche“ starten, die den Asteroiden Psyche erforschen und dabei helfen soll, den Ursprung von Planetenkernen besser zu verstehen.

Auch die privaten Raumfahrtunternehmen wie SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic, deren Arbeit zuletzt etwas an Schwung verloren hatte, haben große Pläne: SpaceX will unter anderem den ersten von drei geplanten Flügen mit dem US-Milliardär Jared Isaacman starten - „Polaris Dawn“ heißt die Mission. Dabei sollen Isaacman und drei Kollegen mit der „Dragon“-Kapsel höher als je zuvor fliegen und auch - als erste Laien-Astronauten überhaupt - aussteigen. Blue Origin plant weitere bemannte Kurzflüge und auch Virgin Galactic will nach längerer Pause wieder Flüge an den Start bringen.

CHINA

Im Zentrum des chinesischen Weltraumprogramms steht die so gut wie fertiggestellte Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast). Dazu gehört auch ein „Xuntian“ genanntes Raumteleskop, das dem US-amerikanischen „Hubble“-Teleskop ähneln soll. Es soll regelmäßig an den „Himmelspalast“ andocken, um Treibstoff nachzutanken und gewartet zu werden. Ende 2023 oder Anfang 2024 könnte es starten.

China verfolgt noch weitere ehrgeizige Ziele im All: Bis 2025 soll möglicherweise ein wiederverwendbares Raumschiff zum Einsatz kommen. In den nächsten fünf Jahren sollen zudem Gesteinsproben von den Polarregionen des Mondes zur Erde geholt werden. Auch wird mit Russland an Plänen für eine Forschungsstation auf dem Mond gearbeitet. Geplant ist zudem unter anderem die Landung auf einem erdnahen Asteroiden. Auch will China Proben vom Mars zur Erde bringen, was 2028 erfolgen könnte. Eine Mission zur Erkundung des Jupiters könnte 2029 folgen. China hat mit „Beidou“ zudem ein eigenes Navigationssatelliten-System aufgebaut.

RUSSLAND

Angesichts des Angriffskriegs gegen die Ukraine ist Moskau international stark isoliert, die Raumfahrt ist zu einer der letzten verbliebenen Sphären russisch-westlicher Zusammenarbeit geworden. Trotz des Kampfgeschehens kamen im Herbst 2022 erstmals seit längerer Zeit wieder sogenannte Kreuzflüge zustande, bei denen Nasa-Astronauten und Roskosmos-Kosmonauten gemeinsam zur ISS aufbrechen. Auch für das kommende Jahr ist eine solche Reise geplant: An Bord sein sollen im Februar neben dem Russen Andrej Fedjajew und den US-Amerikanern Stephen Bowen und Warren Hoburg auch Sultan al-Nejadi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Russland will 2023 außerdem endlich die Raumsonde „Luna 25“ zum Mond bringen, die eigentlich schon längst unterwegs sein sollte. Nach wiederholten technischen Problemen soll es Roskosmos-Angaben zufolge nun zwischen Juni und Oktober so weit sein.

EUROPA

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa plant für das kommende Jahr mehrere Missionen. Der Satellit „Juice“ soll sich voraussichtlich im April auf den Weg zum größten Planeten unseres Sonnensystems, den Jupiter, machen, wie eine Sprecherin aus dem Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt sagte. Die Sonde soll Jupiters ozeanhaltige Eismonde Ganymed, Europa und Kallisto als mögliche Lebensräume charakterisieren und auch den Gasriesen selbst erforschen.

Für Mai oder Juni ist der Start des Erdbeobachtungssatelliten „Sentinel-1C“ geplant, der mit Radartechnik Tag und Nacht Bilder von der Erdoberfläche liefern soll. Die Sonde „Euclid“ soll eine 3D-Karte des Universums erstellen, indem sie Milliarden Galaxien in einer Entfernung von bis zu zehn Milliarden Lichtjahren beobachtet. „Euclid“ soll auch Hinweise darauf geben, wie sich das Universum ausgedehnt und wie sich seine Struktur gebildet hat. Der Start soll zwischen Juli bis September stattfinden.

Die in diesem Jahr wegen des Krieges in der Ukraine abgesagte Rover-Mission „Exomars“ in Zusammenarbeit mit Roskosmos wird der Esa zufolge aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr nicht starten - anders als die Trägerrakete „Ariane 6“, die mit jahrelanger Verspätung zu ihrem Erstflug abheben soll.

JAPAN

Auch die asiatische Hightech-Nation Japan verfolgt Pläne zur Erkundung des Mondes und des Mars. Im Rahmen des „Artemis“-Programms der USA strebt Japan die erstmalige Landung eines eigenen Astronauten auf dem Mond an. Der Auswahlprozess werde wohl im kommenden Frühjahr abgeschlossen, sagte ein Vertreter der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa der Deutschen Presse-Agentur.

Jaxa arbeitet zudem an Landetechnologie zur Erkundung des Mondes. Die für 2023 geplante Mission „Slim“ (Smart Lander for Investigating Moon) hat das Ziel, eine präzise Navigation zu einem bestimmten Landepunkt zu ermöglichen. Für die kommenden Jahre sind zudem weitere Lander sowie ein zusammen mit dem Automobilkonzern Toyota geplanter, bemannter Rover angedacht. Auch eine Treibstofffabrik am Südpol des Mondes ist in Planung.

Daneben verfolgt Japan eine eigene Mars-Erkundungsmission. Das Projekt „Martian Moons Exploration“ (MMX) sieht für das Jahr 2024 den Start einer Sonde in Richtung der Mars-Monde Phobos und Deimos vor. Japans Weltraumagentur Jaxa will mit der Mission beide Monde erkunden und Bodenproben von Phobos holen - in der Hoffnung, Hinweise auf den Ursprung des Mars sowie Spuren möglichen Lebens zu finden. Die Proben sollen in einer Kapsel 2029 zur Erde gebracht werden.

INDIEN

Zwei indische Missionen, die unter anderem wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben wurden, sollen nun kommendes Jahr starten, wie örtliche Medien berichteten. Geplant sind eine Mission zur Sonne („Aditya-L1“) und eine Sonde auf dem Mond („Chandrayaan-3“). Ein erster indischer Mondlande-Versuch im Jahr 2019 hatte mit einer Bruchlandung geendet. Die Regierung möchte zudem zunehmend auf den Privatsektor setzen, Privatfirmen dürfen die Infrastruktur der Weltraumbehörde nutzen. Kürzlich schoss diese erstmals eine von einem einheimischen privaten Unternehmen entwickelte Rakete ins Weltall.

Voraussichtlich ab Ende 2024 will das Land weitere Projekte starten. So soll es Missionen zur Venus („Shukrayaan-1“) und zum Mars („Mangalyaan-2“) geben. Zudem sollen Astronauten ins All geschickt werden („Gaganyaan“).

ARABISCHE WELT

Im arabischen Raum geht bei der Raumfahrt vor allem die emiratische Regierung in Abu Dhabi eifrig voran. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen über zehn Jahre umgerechnet mehr als 800 Millionen Euro in die private Raumfahrt investieren, Unternehmen und Start-Ups sollen unter anderem in Dubai in speziellen Wirtschaftszonen an die Arbeit gehen. Die Emirate setzen dabei auf einen Mix aus staatlichen und privaten Projekten, ganz nach Vorbild der US-Raumfahrtbehörde Nasa - die allerdings mit deutlich größeren Summen arbeitet.

Die Ziele werden dabei hoch gesteckt. Parallel zu einer laufenden Mars-Mission, bei der Anfang 2021 eine Sonde in die Umlaufbahn des Roten Planeten eintrat, wollen die Emirate auch die Venus und den Asteroidengürtel erforschen. Nach dem Start der Mission im Jahr 2028 will das Land eine Sonde auf einem Asteroiden landen lassen - nach einer 3,6 Milliarden Kilometer langen Reise über fünf Jahre. Bei seiner ersten eigenen Mond-Mission arbeitet das Land mit einer Firma aus Japan zusammen.

Der große Nachbar Saudi-Arabien, der den ambitionierten und in vieler Hinsicht moderneren Emiraten häufig nacheifert, ist einen deutlichen Schritt hinterher. Immerhin hat das Königreich inzwischen ein eigenes Programm für Astronauten ins Leben gerufen und will 2023 erstmals eine Frau in den Weltraum schicken. dpa

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