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Eine Thrombose entsteht, wenn Blutzellen verklumpen.
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Eine Thrombose entsteht, wenn Blutzellen verklumpen.

Impfung

Astrazeneca: Verursacht die Impfung Thrombosen und Blutungen?

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Verdacht auf schwere Nebenwirkungen: Nach mehreren anderen europäischen Ländern stoppen auch Deutschland und die Niederlande die Impfungen mit Astrazeneca.

Die Zahl der Länder, in denen die Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend gestoppt wurden, wächst: Am Montag gaben Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien bekannt, das Vektorvakzin des schwedisch-britischen Pharmaherstellers vorerst nicht mehr einzusetzen. Am späten Sonntagabend hatte schon die Niederlande die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt.

Offenbar sollen auch Menschen, die bereits die erste Dosis erhalten haben, keine zweite mehr bekommen. In der vergangenen Woche hatten bereits Dänemark, Norwegen, Island, Irland und Bulgarien angekündigt, nicht mehr mit Astrazeneca zu impfen; in Thailand wurde der Beginn der Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt.

Die jeweiligen Regierungen betonen, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. In Deutschland hat das für Vakzine zuständige Paul-Ehrlich-Institut – das den Impfstoff bisher gelobt und als sicher bewertet hatte – zu diesem Schritt geraten. Hintergrund in allen Ländern sind Berichte über schwerwiegende Vorfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind. Dazu zählen Blutgerinnsel und Blutungen.

Wie das Science Media Center berichtet, seien in Deutschland sieben Fälle von Sinusvenenthrombosen aufgetreten. Das sind Blutgerinnseln in Venen, die Blut aus dem Gehirn abführen. Auch in Großbritannien seien drei solcher Fälle registriert worden.

Laut Paul-Ehrlich-Institut sind die Blutgerinnsel in den Hirnvenen zusammen mit einer Thrombozytopenie aufgetreten, einem Mangel an Blutplättchen, die zu einer Verklumpung des Blutes beitragen. Bereits am Wochenende war bekannt geworden, dass es in Norwegen bei drei jungen Menschen nach der Impfung zu Blutgerinnseln und Hirnblutungen gekommen ist. Wie die norwegische Gesundheitsbehörde Folkehelseinstituttet mitteilt, arbeiten alle im Gesundheitswesen.

Zudem ist in Norwegen eine Pflegerin, die jünger als 50 Jahre alt war, kurz nach der Impfung ins Krankenhaus gekommen und an einer Hirnblutung gestroben. Auch wurden mehrere Fälle gemeldet, bei denen junge Menschen nach Impfungen Hautblutungen oder blaue Flecken bekommen haben. Das kann laut Sigurd Hortemo von der Gesundheitsbehörde Hinweis auf eine zu geringe Anzahl an Thrombozyten (Blutplättchen) zurückzuführen sein. Ein solcher Mangel kann innere Blutungen auslösen. Ein Zusammenhang zwischen den genannten Vorfällen und der Impfung kann bisher weder belegt noch ausgeschlossen werden.

In Dänemark und Österreich sind zwei Frauen nach der Impfung gestorben; bei einer 60 Jahre alten Dänin sollen nach Angaben der dänischen Arzneimittelbehörde „höchst ungewöhnliche Symptome“ aufgetreten sein. Bei ihr habe man neben einer niedrigen Anzahl an Blutplättchen auch Blutgerinnsel in kleinen und großen Gefäßen sowie Blutungen festgestellt.

Eine 49 Jahre alte Krankenschwester aus Österreich war an multiplen Thrombosen gestorben. Ob die Impfung mit Astrazeneca tatsächlich die Ursache war, weiß man noch nicht. In Italien, wo drei Militärs gestorben sind, wurde zumindest für einen Fall ein Zusammenhang ausgeschlossen.

Ein Sprecher Astrazenecas hatte am Freitag Bedenken gegen zurückgewiesen: Eine Analyse von mehr als zehn Millionen Daten hätte „keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt“. Gleiches hatte bis Ende letzter Woche auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA verlauten lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte gestern allerdings, die EMA werde nun entscheiden, „ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken“.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bislang keinen Anlass gesehen, nicht mehr mit dem Vakzin von Astrazeneca zu impfen, hat aber wie die EMA eine Untersuchung der Fälle eingeleitet und will in einer Sondersitzung über das Vakzin beraten.

Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen

Den aktuell besten Überblick über gemeldete Nebenwirkungen bietet der Gelbe-Karten-Report der britischen Gesundheitsbehörde. Im Vereinigten Königreich wird sowohl mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer als auch mit dem Vektorvakzin von Astrazeneca geimpft. Bis zum 28. Februar wurden 10,7 Millionen erste und 800 000 zweite Dosen von Biontech/Pfizer sowie 9,7 Millionen Dosen Astrazeneca verimpft.

Als Gelbe Karten werden Meldungen von adversen Ereignissen nach der Impfung bezeichnet. Sie müssen allerdings nicht durch die Impfung verursacht worden sein, sondern können auch zufällig zeitnah aufgetreten sein. Insgesamt wurden bis zum 28. Februar in Großbritannien 33 207 Gelbe Karten für Biontech/Pfizer und 54 180 für Astrazeneca gemeldet. Relativierend ist zu ergänzen, dass die höhere Anzahl bei Astrazeneca auch damit zu erklären ist, dass hier die Nebenwirkungen häufiger nach der ersten und bei den mRNA-Impfstoffen häufiger nach der zweiten Dosis auftreten. Für beide Vakzine gibt die britische Gesundheitsbehörde eine Nebenwirkungsrate von drei bis sechs Gelben Karten pro tausend Dosen an.

Am häufigsten gemeldet wurden bei beiden Impfstoffen die auch aus den Studien bekannten Impfreaktionen wie Kopf- und Gliederschmerzen, die bei Astrazeneca teilweise sehr schwer ausfielen, Schüttelfrost, Fieber, Durchfall, Übelkeit, Schwindel und Abgeschlagenheit. Nicht ganz selten wurden auch Herzrasen und Herzrhythmusstörungen gemeldet.

Auch schwerwiegende Ereignisse wurden gemeldet: Gesichtslähmungen (Biontech/Pfizer 193, Astrazeneca 88), Gesichtsschwellungen (Biontech 230), Thrombosen (Biontech 10), Thrombozytopenie (Astrazeneca 35, Biontech 13), Blutbbildstörungen (Astrazeneca 1098), zerebravaskuläre (die Gefäße des Gehirns betreffende) Ereignisse (Astrazeneca 41), Hirnblutungen (Astrazeneca 7), Schlaganfälle (Astrazeneca 9), Erblindung (Biontech 15, Astrazeneca 28). pam

In der EU sollen bis zum 10. März bei knapp fünf Millionen Geimpften 30 Fälle von Thrombosen gemeldet worden sein. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts gab es in Deutschland bis zum 11. März elf Meldungen über „unterschiedliche thromboembolische Ereignisse“, vier Menschen sollen daran gestorben sein.

Der Pharmakovigilanz-Ausschuss der EMA prüft laut einem Bericht in der „Pharmazeutischen Zeitung“ neben den Thrombosen auch Fälle von Immunthrombozytopenie nach Impfungen mit Astrazeneca, aber auch mit den beiden mRNA-Impfstoffen, sowie Gesichtsschwellungen, die bei Frauen und Männern aufgetreten waren, die früher Gel-Injektionen gegen Falten erhalten hatten.

Bei einer Immunthrombozytopenie kommt es im Rahmen einer Autoimmunreaktion zu einem Mangel an Blutplättchen, der zu Blutungen führt, wie sie etwa beim Todesfall in Dänemark beobachtet wurden. Diese Autoimmunerkrankung entsteht, wenn sich Antikörper gegen Blutplättchen richten und diese schädigen oder zerstören. Dieses seltene Ereignis kann auch als Folge einer Virusinfektion auftreten.

Das Fachgremium der EMA soll laut „Pharmazeutischer Zeitung“ erklärt haben, die Berichte deuteten darauf hin, dass es sich um ein „Sicherheitssignal“ handele. Darunter seien Informationen zu verstehen, die auf „eine neue unerwünschte Wirkung hindeuten“.

Ein solcher Blutplättchenmangel wurde allerdings nicht nur nach Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca, sondern auch nach Impfungen mit mRNA-Vakzinen wie dem von Biontech/Pfizer oder Moderna beobachtet. So hatte gleich zu Beginn der Impfkampagne in den USA der Tod eines 56 Jahre alten Arztes in Miami Schlagzeilen gemacht, der nach einer mRNA-Impfung an einer Immunthrombozytopenie gestorben war.

Wie wahrscheinlich es ist, dass die gemeldeten Fälle auf die Impfungen zurückzuführen sind, ist schwer einzuschätzen. Es bleibe bis „zu diesem Zeitpunkt spekulativ“, sagt der Infektiologie-Professor Clemens Wendter von der München Klinik Schwabing. Weitere Untersuchungen müssten abgewartet werden.

Gewarnt vor solchen Nebenwirkungen hatte indes ausgerechnet ein Wissenschaftler, der früher als renommiert galt, sich zu Beginn der Pandemie dann aber von der „Querdenker“-Szene instrumentalisieren ließ und sich damit ins Abseits geschossen hat: Sucharit Bhakdi, Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe und vor seinem Ruhestand langjähriger Leiter des Mainzer Instituts für Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz. Er erörterte seine Bedenken gegenüber sämtlichen zugelassenen Covid-Impfstoffen auch in einem Brief an die EMA, den einige weitere Kolleginnen und Kollegen unterschrieben haben.

In dem Brief führt Bhakdi aus, dass die genbasierten Impfstoffe nach der Injektion in den Muskel in die Blutbahn gelangen und sich im Körper verbreiten könnten. So könnte das vom Körper produzierte Spike-Protein des Virus auch in kleine Gefäße und Kapillare gelangen. Dort könne es dann zu einer Schädigung der Gefäßinnenwände mit anschließender Auslösung der Blutgerinnung durch Thrombozytenaktivierung kommen. Auch ein Abfall der Thrombozytenzahl und Schlaganfälle könnten die Folge sein.

Was man bisher sicher weiß, ist, dass eine Coronainfektion selbst das Risiko von Thrombosen und Schlaganfällen erhöht.

Abgesehen von möglichen schweren Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Blutungen war der Impfstoff von Astrazeneca auch durch außergewöhnlich starke Impfreaktionen aufgefallen. Viele Geimpfte berichteten von sehr hohem Fieber und extremen Kopfschmerzen und mussten sich krankschreiben lassen. Es war immer wieder zu hören, dass solche Symptome ein gutes Zeichen seien, weil sie zeigten, dass das Immunsystem arbeite. Ein Immunologie-Professor äußerte gegenüber der FR indes Zweifel an dieser Sichtweise. Die Häufigkeit solcher starken Reaktionen sei „nicht normal“, das müsse untersucht werden.

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