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Vertikaler Salat

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Von: Joachim Wille

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Urbanes Gärtnern der Zukunft kommt ohne hängende Gärten nicht aus. Möglicherweise lässt sich so oder ähnlich in Zukunft auch Gemüse anbauen.
Urbanes Gärtnern der Zukunft kommt ohne hängende Gärten nicht aus. Möglicherweise lässt sich so oder ähnlich in Zukunft auch Gemüse anbauen. © Daniel Karmann/dpa

Das „Urban Farming“, also das Gärtnern in der Stadt, liegt im Trend. Die Vorteile sind vielfältig, doch die Grünfläche könnte größer sein. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Corona war auch hier ein Einschnitt: Die Lust auf Gärten und am Gärtnern ist seit dem Beginn der Pandemie deutlich gewachsen, gerade in den Großstädten. Die Städterinnen und Städter sehnen sich nach mehr Grün, viele auch nach der eigenen Ernte. Man weiß: Grünflächen heben die Laune, mindern Aggression und Gewalt, und sie sind gut fürs Kleinklima. Und: Das „Urban Farming“, ob im Garten am Haus, im Schrebergarten oder in den modernen Mietäckern, trägt zur Lebensmittelversorgung bei.

Gut und schön, das so allgemein zu wissen. Aber wenn es hart auf hart geht, zum Beispiel Kleingärten-Anlagen für Bauprojekte weichen sollen, zählt das oft wenig. Deswegen ist es gut, dass ein Forschungsteam jetzt in seinem Projekt „GartenLeistungen“ einmal berechnet hat, was selbige in Euro wert sind – am Beispiel von Berlin. Und ganz konkret auch anhand der Lebensmittel, die dort von den Bürger:innen erzeugt werden.

Die Berliner Gärten machen rund 3,3 Prozent der Stadtfläche aus, wobei die reine Anbaufläche 140 Hektar beträgt. Bei einem angenommenen kleinen bis mittelgroßen Ertrag produzieren die Hobbygärtner:innen pro Gartensaison immerhin 7600 Tonnen Gemüse, Kartoffeln und Kräuter. Das wäre, so das bei dem Projekt federführende Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), genug, um den Bedarf von 50 000 Menschen ein Jahr lang zu decken. Auf dem Markt wären diese Lebensmittel laut IÖW rund zehn Millionen Euro wert.

Alle Berliner:innen mit lokalen Produkten zu versorgen, ist natürlich illusorisch; die Stadt hat über 3,7 Millionen Einwohner:innen. Doch es gibt Möglichkeiten, den Anteil zu steigern, wie die Studie auch aufzeigt. In einem „Reallabor“ des Projektes GartenLeistungen baute die TU Berlin sogenannte vertikale Gärten, in denen in Gestellen zum Beispiel Salatpflanzen übereinander wachsen und die mit gereinigtem Regen- oder Grauwasser versorgt werden. Es zeigte sich: Pro Saison deckt so eine Anlage auf nur zwei Quadratmetern den Salat-Bedarf von 28 Personen.

Das urbane Gärtnern hat mit Vertikalgärten also tatsächlich noch Luft nach oben. Doch das darf keine Ausrede für Stadtregierungen sein, angesichts des massiven Siedlungsdrucks nun doch Kleingartenflächen zu opfern, weil man auf dem Rest ja mehr ernten kann. Im Gegenteil. Mehr statt weniger Fläche für Gärten ist nötig.

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