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Venus
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Forschende finden Hinweise auf eine „Eisschollen“-Tektonik auf der Venus.

Weltraumforschung

Venus: Hinweise auf „Eisschollen“-Tektonik auf dem Planeten

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Auch auf der Venus gibt es wohl tektonische Bewegungen der Kruste. Forschende sprechen von sich „anrempelnden Eisschollen“.

Raleigh – Bislang ist die Erde der einzig bekannte Planet mit einer aktiven Plattentektonik. Nur hier lassen sich driftende Kontinentalplatten vorfinden. Sie werden angetrieben durch Konvektionsströmungen im Erdmantel, die die Kruste in Bewegung halten und Gebirge, Vulkanketten oder Tiefseegräben entstehen lassen.

Doch eine aktuelle Studie im Fachmagazin PNAS zeigt: Auch die Venus ist wohl geologisch aktiv. Es häufen sich Hinweise, dass unser Nachbarplanet nicht völlig starr und unveränderlich ist. Die Forschung könnte uns Aufschlüsse über die junge Erde und weit entfernte Welten liefern.

Plattentektonik auf der Venus? Forschende

Der Mars gilt als zu kalt, um eine ausreichend starke Mantelkonvektion auszubilden. Die Venus hingegen galt als zu heiß, da die Kruste zu weich und flexibel wäre, um feste Platten zu bilden. „Im Gegensatz zum Mosaik mobiler tektonischer Platten, das die Erde charakterisiert, besitzt die Venus gängiger Annahme nach eine global durchgängige Lithosphäre“, erklären Paul Byrne von der North Carolina State University in Raleigh und sein Team. „Die Venus zeigt mindestens seit 0,5 bis einer Milliarde Jahren alle Anzeichen eines Ein-Platten-Planeten.“

VenusErdnächster Planet
Oberfläche460,2 Millionen Kilometer²
Distanz zur Sonne108,2 Millionen Kilometer
Distanz zur Erdemind. 40 Millionen Kilometer
Druck92 bar
Siderische Umlaufzeit224,701 Erdtage

Das internationale Forschungsteam hat sich alte Radar-Aufnahmen der Magellan-Mission der Nasa, die 2004 zu Ende ging, genauer angeschaut. Auf ihnen erkannte man auffallend große Krustenblöcke, vor allem in den Tiefebenen der Venus. Diese geben Anzeichen dafür, dass sie sich im Laufe der Zeit gedreht und/oder seitlich zueinander verschoben haben – ähnlich wie „sich anrempelnde Eisschollen im Packeis“, heißt es. Die Krustenteile sind von Dehnungsfugen und Verwerfungen umgeben. Im Schnitt seien diese Ebenen „100 bis 1.000 Kilometer“ groß.

Venus: Radar-Aufnahmen einer beendeten Nasa-Mission liefern Hinweise zur Tektonik

Da sich einige der observierten Krustenteile in jungen Lavaebenen gebildet haben, könnten sie sich erst vor Kurzem bewegt haben. Möglicherweise dauert diese geologische Aktivität sogar an, erklären die Forschenden. Zuvor wurde spekuliert, dass die Kruste der Venus ein solider Block sei, wie die des Erdmondes. Die Tektonik ist zwar anders als auf der Erde, doch die Beobachtungen geben Hinweise darauf, dass die Mantelströmungen auf der Venus ausreichen, um die Kruste zu fragmentieren und die „Schollen“ zu bewegen.

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„Auf der Erde wird die Plattentektonik durch Konvektion angetrieben“, erklärt Paul Byrne. „Eine Variante davon scheint auch auf der Venus zum Tragen zu kommen. Dort werden zwar keine großen Gebirgszüge oder gigantischen Subduktionszonen erzeugt, aber auch ihre Veränderungen der Oberfläche gehen auf interne Mantelströmungen zurück.“ In welchen Zeiträumen die tektonischen Bewegungen auf der Venus ablaufen oder abgelaufen sind, ist noch nicht klar. Auch noch nicht geklärt ist die Anzahl und die Verbreitung der Brocken auf dem Planeten. Die Forschenden um Paul Byrne haben nach eigenen Angaben bislang 58 identifizieren können. Dies sei aber eine niedrig angesetzte Schätzung.

Venus: Hinweise über Plattentektonik auch für die junge Erde von Bedeutung

Doch was bedeutet das für die Erde? „Die Dicke der Lithosphäre eines Planeten hängt davon ab, wie heiß es ist, im Innern sowie an der Oberfläche“, erklärt Byrne. „Der Hitzefluss im Innern der jungen Erde war bis zu dreimal größer als heute, also könnte die Lithosphäre so ausgesehen haben wie das, was wir heute auf der Venus sehen: nicht dick genug, um Platten zu bilden, die Subduktion erzeugen, aber dick genug, um in Blöcke zu zerbrechen, die einander schoben, zogen und anrempelten.“

Was bedeuten Lithosphäre und Subduktion?

Die Lithosphäre ist eine Gesteinshülle eines Planeten. Sie umfasst die Kruste sowie den äußersten Teil des Mantels.

Subduktion ist ein Begriff der Plattentektonik. In sogenannten Subduktionszonen, sinkt eine Lithosphärenplatte (z. B. eine Kontinentalplatte oder eine ozeanische Platte) in den Mantel des Planeten.

Derzeit sind eine neue Mission der ESA und zwei Missionen der Nasa auf dem Weg zur Venus, die neue, genauere Daten über die Oberfläche sowie Hinweise auf potenzielles Leben auf dem Erdnachbarn liefern sollen. (Lukas Rogalla)

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