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Venus: Wie der Planet zu einem höllischen Treibhaus wurde

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Von: Tanja Banner

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Der Maat Mons ist mit drei Kilometern Höhe der größte Vulkan auf der Venus. (Computergeneriertes Modell)
Der Maat Mons ist mit drei Kilometern Höhe der größte Vulkan auf der Venus. (Computergeneriertes Modell) © NASA/JPL

Früher war die Venus ein gemäßigter, feuchter Planet – doch wie konnte sich daraus ein höllisches Treibhaus entwickeln? Eine neue Nasa-Studie gibt Hinweise.

New York – Die Venus ist heute ein höllischer Ort: Eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von 460 Grad Celsius und ein Druck, der 90 Mal höher ist als auf der Erde, machen den Planeten unbewohnbar und schwer zu erforschen. Doch die Venus war nicht immer eine Gluthölle – bis zu zwei Milliarden Jahre lang hatte der Planet einen flachen Ozean aus flüssigem Wasser und angenehme Oberflächentemperaturen, fanden Forschende bereits vor einigen Jahren heraus.

Doch wie wurde aus einem früher möglicherweise bewohnbaren Planeten, der der Erde gar nicht so unähnlich gewesen scheint, ein Planet, der so heiß ist, dass seine Oberfläche bisher kaum von Raumsonden erforscht werden konnte? Eine neue Nasa-Studie ist der Frage nachgegangen und kommt zu einem Ergebnis: Vulkanische Aktivitäten über lange Zeiträume, die gewaltige Mengen an Material freisetzten, könnten dazu beigetragen haben, dass die Venus zu dem Treibhaus wurde, als das sie heute bekannt ist.

Venus: Führten Vulkane zu einem „galoppierenden Treibhauseffekt“?

Ein Forschungsteam um Michael J. Way vom Nasa Goddard Institute for Space Studies in New York vermutet, dass mehrere vulkanische Eruptionen über einen Zeitraum von etwa einer Million Jahre zu einem sogenannten „galoppierenden Treibhauseffekt“ auf der Venus geführt haben. Dieser nicht aufzuhaltende und sich selbst verstärkende Treibhauseffekt, der letztendlich zum Verdampfen allen flüssigen Wassers auf einem Planeten führt, könnte den Übergang des Planeten von feucht und gemäßigt zu heiß und trocken eingeleitet haben, so die Studie, die im Fachjournal The Planetary Science Journal veröffentlicht wurde.

Die Oberfläche der Venus ist zu 80 Prozent von großen Feldern aus erstarrtem Vulkangestein bedeckt. „Wir wissen zwar noch nicht genau, wie oft die Ereignisse, die zu diesen Feldern geführt haben, stattgefunden haben, aber wir sollten in der Lage sein, dies einzugrenzen, indem wir die Geschichte der Erde studieren“, erklärt Hauptautor Way in einer Mitteilung.

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Nasa-Studie: Auf der Erde war Vulkanismus an Massenaussterbe-Ereignissen beteiligt

Auf der Erde gab es den Forschenden zufolge mindestens fünf große Massenaussterbe-Ereignisse, bei denen jeweils mehr als 50 Prozent der Tierwelt auf dem Planeten ausgelöscht wurde. Die meisten dieser Ereignisse seien durch die Art von Eruptionen verursacht oder verschlimmert worden, bei denen sogenannte „magmatische Großprovinzen“ entstehen. Dabei handelt es sich um Gebiete der Erdkruste, die sehr große Mengen magmatischer Gesteine enthalten, die sich in geologisch kurzen Zeiträumen gebildet haben.

Die Venus ist eine Gluthölle. Nun haben Forscher in ihrer Atmosphäre ein Gas entdeckt, das möglicherweise von Mikroben produziert wurde. Gibt es auf der Venus Leben?
Die Venus ist eine Gluthölle. Nun haben Forscher in ihrer Atmosphäre ein Gas entdeckt, das möglicherweise von Mikroben produziert wurde. Gibt es auf der Venus Leben? © picture alliance/NASA/JPL/dpa

Im Fall der Erde hätten diese Ereignisse und die daraus resultierenden klimatischen Störungen nicht ausgereicht, um einen unkontrollierbaren Treibhauseffekt wie auf der Venus auszulösen, heißt es in der Studie, an der Way beteiligt war. Die Gründe dafür sind noch nicht klar.

Um die Geheimnisse der Venus entschlüsseln zu können, will die Nasa gleich zwei Missionen zum Nachbarplaneten der Erde schicken. Ende der 2020er Jahre sollen die Sonden „Davinci“ und „Veritas“ aufbrechen und die Vergangenheit, Entwicklung und Gegenwart der Venus erforschen. „Ein Hauptziel von ‚Davinci‘ ist es, die Geschichte des Wassers auf der Venus einzugrenzen und herauszufinden, wann es verschwunden sein könnte, um mehr Einblicke in die Veränderungen des Venus-Klimas im Laufe der Zeit zu erhalten“, erklärt Way. (tab)

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