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Die Venus ist eine Gluthölle. Nun haben Forscher in ihrer Atmosphäre ein Gas entdeckt, das möglicherweise von Mikroben produziert wurde. Gibt es auf der Venus Leben?
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Die Venus ist eine Gluthölle. Nun haben Forscher in ihrer Atmosphäre ein Gas entdeckt, das möglicherweise von Mikroben produziert wurde. Gibt es auf der Venus Leben?

„BepiColombo

Gibt es Leben auf der Venus? Raumsonde „BepiColombo“ fliegt am Planeten vorbei

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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Ein Forscherteam findet in der Atmosphäre der Venus ein Gas, das durch Mikroben entsteht. Gibt es auf der Venus also Leben? Die europäisch-japanische Raumsonde „BepiColombo“ besucht die Venus.

  • Die Venus ist ein extremer Planet, weshalb man dort nicht aktiv nach Leben gesucht hat. Nun haben Forschende in der Atmosphäre der Venus das Gas Phosphin entdeckt, das durch Mikroben entsteht.
  • Gibt es Leben auf der Venus? Die europäisch-japanische Raumsonde „BepiColombo“ fliegt an der Venus vorbei und sammelt Daten.
  • Planeten, Raumsonden und Co - alles rund um die Weltraumforschung.

Update vom 15.10.2020: Die europäisch-japanische Raumsonde „BepiColombo“ ist auf ihrem Weg zum Planeten Merkur an der Venus vorbeigeflogen. Um 5.58 Uhr kam die Raumsonde der Venus am nähsten, schon vorher waren einige Instrumente der Raumsonde aktiviert, um Daten des Planeten zu sammeln. „Es hat alles funktioniert, es war erfolgreich“, sagte Simon Plum vom
Esa-Satellitenkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt der Deutschen Presse-Agentur. Nun sollen die gesammelten Daten analysiert werden.

Das so genannte „Flyby“-Manöver hilft der Raumsonde „BepiColombo“, auf ihrem langen Weg zum Merkur abzubremsen. Im Jahr 2021 wird es einen weiteren Vorbeiflug an der Venus geben. Doch zuerst sind Forscher gespannt auf die Daten, die die Raumsonde heute von der Venus gesammelt hat. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es bereits: Die europäische Raumfahrtorganisation Esa hat Bilder veröffentlicht, die „BepiColombo“ von der Venus gemacht hat.

Raumsonde „BepiColombo“ soll Daten von der Venus sammeln

Update vom 14.10.2020: Vor etwa einem Monat ließen Forschende die Katze aus dem Sack: Sie hatten das seltene Molekül Phosphin in der Atmosphäre der Venus entdeckt. Zumindest auf der Erde wird Phosphin nur auf zwei Arten hergestellt: Industriell oder durch Mikroben - jedoch ohne Sauerstoff. Bedeutet dieser Fund, dass es auf der Venus Leben in Form von Mikroben gibt? So weit wollten die Forschenden dann doch nicht gehen, doch das Interesse an der Venus ist plötzlich neu angefacht.

Während man nun überlegt, wie man möglichst schnell eine geeignete Raumsonde zur Venus schicken kann, nähert sich die Raumsonde „BepiColombo“ bereits dem Planeten. Morgen früh (15.10.2020) um 5.58 Uhr soll sie in einem Abstand von etwa 10.000 Kilometern am Nachbarplaneten der Erde vorbeifliegen. Das Manöver ist nicht den jüngsten wissenschaftlichen Entdeckungen geschuldet, sondern ist bereits seit langer Zeit geplant. „BepiColombo“ - eine europäisch-japanische Kooperation - ist im Jahr 2018 zum Planeten Merkur gestartet. Nach einem letzten Vorbeiflug an der Erde im April 2020 nutzt die Raumsonde nun den Planeten Venus, um zu bremsen.

Dabei sollen sieben der elf Instrumente an Bord Daten von der Venus sammeln. Im August 2021 ist ein weiterer so genannter Flyby an der Venus geplant - dabei soll „BepiColombo“ dem Planeten noch deutlich näher kommen: Nur 550 Kilometer sollen ihn dann von der Venus trennen. Es bleibt spannend: Welche Geheimnisse wird „BepiColombo“ der Venus entlocken können?

Planet Venus ist plötzlich wieder im Fokus der Wissenschaft

Erstmeldung vom 15.09.2020: Gibt es Leben außerhalb der Erde? Wer diese Frage beantworten möchte, schaut meist weit hinaus ins Universum. Mindestens zum Planeten Mars oder zum Jupiter-Mond Europa, meist jedoch zu Exoplaneten - also Planeten, die um ferne Sterne kreisen. Dabei könnte außerirdisches Leben - in Form von Mikroben - viel näher an der Erde existieren, als bisher vermutet: Auf der Venus. Die Venus ist der Planet, der der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne am nächsten kommt.

Derzeit ist die Venus früh morgens als heller Morgenstern am Himmel zu sehen - und in ihrer Atmosphäre haben Forschende nun das seltene Molekül Phosphin entdeckt, das auf der Erde nur auf zwei Arten hergestellt wird: industriell oder durch Mikroben, die in sauerstofffreier Umgebung leben. „Als wir die ersten Hinweise auf Phosphin im Spektrum der Venus erhielten, war das ein Schock“, erinnert sich die Teamleiterin Jane Greaves von der Universität Cardiff, die die ersten Anzeichen von Phosphin bei Beobachtungen am James Clerk Maxwell-Teleskop (JCMT) auf Hawaii entdeckte. Zur Bestätigung des Fundes zogen die Forschenden das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile heran. Und tatsächlich: „Am Ende stellten wir fest, dass beide Observatorien das Gleiche gesehen hatten“, erklärt Greaves. ALMA konnte den Phosphin-Fund in der Atmosphäre der Venus bestätigen.

Phosphin in der Atmosphäre der Venus: Wie konnte es entstehen?

Doch gibt es - neben Mikroben - noch andere Möglichkeiten, wie auf der Venus Phosphin entstehen kann? Das Forscherteam ging nach eigenen Angaben mehrere Möglichkeiten durch. Berechnungen zeigten jedoch, dass auch Sonnenlicht, von der Oberfläche nach oben gewehte Materialien, Vulkane oder Blitze nicht annähernd genug Phosphin erzeugen könnten, um die Menge von etwa zwanzig Phosphin-Molekülen pro eine Milliarde Moleküle in den Wolken der Venus zu erklären. Die nicht-biologischen Phosphin-Quellen machten den Berechnungen zufolge höchstens ein Zehntausendstel der Phosphin-Menge aus, die die Teleskope aufgespürt hatten.

Die Venus ist eine Gluthölle. Nun haben Forscher in ihrer Atmosphäre ein Gas entdeckt, das möglicherweise von Mikroben produziert wurde. Gibt es auf der Venus Leben?

Phosphin gilt - genau wie auch Methan - als Biomarker für Leben auf anderen Planeten. Clara Sousa Silva, ein Mitglied des Forscherteams, die sich mit Phosphin als Biosignatur für sauerstofffreies Leben auf Planeten beschäftigt, betont: „Phosphin auf der Venus zu finden, war ein unerwarteter Erfolg.“ Die Entdeckung werfe neue Fragen auf, beispielsweise, „wie etwaige Organismen dort überleben können“. Das ist eine legitime Frage, denn die Venus ist eine echte Hölle: Nicht nur ist es auf dem Nachbarplaneten der Erde heiß (die mittlere Temperatur beträgt 464 Grad Celsius), der Druck ist immens hoch (92 bar), es gibt möglicherweise aktive Vulkane, und die Wolken der Venus bestehen zu etwa 90 Prozent aus Schwefelsäure. „Auf der Erde können einige Mikroben bis zu etwa fünf Prozent Säure in ihrer Umgebung vertragen“, erklärt Silva weiter. Allerdings gelten Teile der Venus-Atmosphäre als relativ lebensfreundlich - es ist dort deutlich kühler, und auch der Druck ist geringer.

Phosphin-Fund: Ist das der Beweis für Leben auf der Venus?

Aber ist die Entdeckung von Phosphin in der Atmosphäre der Venus jetzt der Beweis dafür, dass es Leben auf dem Planeten gibt? Ganz so weit will das Forscherteam nicht gehen. Zwar habe man zahlreiche Wege, wie das Phosphin auf der Venus entstanden sein könnte, ausschließen können. Trotzdem erfordere es noch viel Arbeit, das Vorhandensein von „Leben“ auf der Venus zu bestätigen.

Der ESO-Astronom Leonardo Testi, der an der Studie nicht beteiligt war, ordnet die Ergebnisse der Forschenden, die im Fachjournal „Nature Astronomy“ veröffentlicht wurden, in einer Mitteilung der ESO so ein: „Die Bestätigung der Existenz von Leben in der Venusatmosphäre wäre ein bedeutender Durchbruch für die Astrobiologie.“ Es sei unerlässlich, die Ergebnisse mit theoretischen und beobachtenden Studien weiterzuverfolgen - so könne man die Möglichkeit ausschließen, dass das Phosphin auf der Venus „einen anderen chemischen Ursprung haben könnte als auf der Erde“.

„Leben“ auf der Venus: Noch ist viel Forschung nötig

Forschende wollen nun die Venus und andere Gesteinsplaneten auch außerhalb unseres Sonnensystems beobachten, um Hinweise zu sammeln, wie Phosphin dort entstehen kann.

Die US-Raumfahrtorganisation Nasa, die an der Studie nicht beteiligt war, betont, dass die Venus bisher kein bedeutender Teil der Suche nach Leben auf anderen Planeten war - wegen ihrer extremen Temperaturen, der Zusammensetzung ihrer Atmosphäre und anderer Faktoren. Jedoch seien zwei der vier Kandidaten für künftige Missionen im „Discovery Program“ auf die Venus fokussiert. Der Nasa-Chef Jim Bridenstine geht das Thema auf Twitter deutlich offensiver an: „Es ist Zeit, die Venus zu priorisieren“, schreibt er und betont, die Entdeckung von Phosphine in der Atmosphäre der Venus sei „die bisher bedeutendste Entwicklung bei der Suche nach Leben außerhalb der Erde“. Im vergangenen Jahr hatte das Raumfahrtunternehmen OHB für eine Mission zur Venus geworben - ohne Erfolg. Möglicherweise könnte sich das bald ändern. (Von Tanja Banner)

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