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Unsichere Zukunft

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Vor allem in Ländern des globalen Südens bekommen Kinder die Auswirkungen des Klimawandels schon direkt zu spüren.
Vor allem in Ländern des globalen Südens bekommen Kinder die Auswirkungen des Klimawandels schon direkt zu spüren. © Getty Images

Für Kinder sieht es düster aus: Vielen Ländern gelingt es nicht, ihnen eine gesunde Umgebung zu bieten. In Deutschland ist die Lärmbelastung ein Problem. Das zeigt ein Unicef-Bericht. Von Hanna Mertens.

Die Pandemie haben wir auf Kosten der jungen Generation bewältigt: geschlossene Schulen und Vereine, fehlende soziale Kontakte. Die starken Eindämmungsmaßnahmen führten zu Kontrollverlust; das eigene Leben zu erkunden unmöglich. Die Einschränkungen in der Selbstwirksamkeit haben bei den jungen Menschen Spuren hinterlassen und Gesundheitsstörungen nehmen drastisch zu. Die Erfahrungen prägen die Jugend auch in ihrer Sicht auf die Klimakrise.

Eine neue Studie des Unicef-Forschungszentrums Innocenti in Florenz blickt ebenfalls über die Coronakrise hinaus und gibt dem Nachwuchs Rückendeckung: Sie zeigt eine langfristige gesellschaftliche Entwicklung mit düsteren Zukunftsaussichten für Kinder.

Wir leben in vielen Bereichen auf Kosten der heutigen Kinder und zukünftiger Generationen.

Christian Schneider, Unicef Deutschland

Damit sich Kinder körperlich und mental gut entwickeln können, brauchen sie eine sichere und gesunde Umgebung und eine intakte Umwelt. Doch auch in vermögenden Ländern sind Kinder in starkem Maße Luftbelastungen, Schwermetallen oder Lärm ausgesetzt. Die Umwelt- und Klimakrise schadet mit steigenden Temperaturen, zunehmendem Biodiversitätsverlust und Extremwetterereignissen dem Wohlergehen der jungen Menschen, hemmen ihre kognitive Entwicklung und beschneiden ihre Zukunftsperspektiven.

Klimaangst

Junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren sorgen sich weltweit stark wegen der Klimakrise. Die bisher größte internationale, wissenschaftliche Studie „Klimaangst“ zeigt, dass mehr als die Hälfte der Kinder und jungen Erwachsenen Angst vor der Klimakrise hat, so stark, dass es ihren Alltag und ihre Psyche negativ beeinflusst. Für 65 Prozent der Befragten sind die Regierungen, die nicht genug tun, um die Klimakatastrophe zu verhindern, für diese Angst verantwortlich. 58 Prozent der Befragten fühlen sich von der älteren Generation und den Regierungen betrogen. hm

Für den Unicef-Report „Umgebung und Umwelt von Kindern“ wurden Daten zur näheren und weiteren Umgebung von Kindern aus 39 OECD- und EU-Ländern sowie Daten zum internationalen Beitrag dieser Länder zu Klimaveränderungen und Ressourcenverbrauch ausgewertet. Eine Rangliste auf dieser Basis bildet ab, wie gut es den Ländern gelingt, bei sich wie auch international für eine kindgerechte, sichere und gesunde Umgebung und eine intakte Umwelt zu sorgen. Es ging darum, mit minimalem ökologischem Fußabdruck heutige und zukünftige Kinder zu schützen. Für das Ranking wurden neun Indikatoren benutzt.

Die untersuchten Länder schneiden bei den einzelnen Kriterien sehr uneinheitlich ab. Kein Land bietet für Kinder durchgängig gute Bedingungen. „Die Mehrheit der reichen Länder schafft es nicht, innerhalb ihrer Grenzen eine gesunde Umgebung für ihre Kinder zu schaffen, und trägt darüber hinaus zur Zerstörung der Lebensräume von Kindern in anderen Teilen der Welt bei“, fasst Innocenti-Direktorin Gunilla Olsson t zusammen.

Einige Länder wie Finnland, Norwegen, Kanada und Australien können ihren Kindern zwar heute ein relativ gutes Lebensumfeld bieten, gefährden aber durch hohen Ressourcenverbrauch die Zukunft der Kinder und nachfolgenden Generationen stark. Würden alle Menschen weltweit so leben wie der Durchschnitt in den betrachteten Ländern, wären 3,3 Erden vonnöten. Die Spanne reicht von 1,2 Erden in Kolumbien bis zu acht Erden in Luxemburg.

In den wohlhabenden Ländern sorgt der hohe Rohstoffverbrauch auch für hohe Abfallmengen – durchschnittlich 529 Kilogramm pro Person und Jahr. Die am schnellsten wachsende Müllfraktion ist Elektroschrott, der Giftstoffe wie Quecksilber, Kadmium und Blei enthält. Elektroschrott wirkt sich über lange Zeiträume und große Distanzen aus. Schadstoffe, die in einem wohlhabenden Land weggeworfen werden, finden ihren langen Weg in den Globalen Süden. Mehr als ein Drittel der Kinder weltweit sind derzeit in hohem Maße einer Bleibelastung ausgesetzt.

Costa Rica, Rumänien oder Chile haben zwar einen geringeren Ressourcenverbrauch, bieten aber ihren Kindern eine schlechtere Umgebung. Doch auch einigen reichen Ländern wie den USA oder Belgien gelingt es nicht, sichere Bedingungen für ihre Kinder zu schaffen. Viele Wohnungen sind zu dunkel oder zu feucht. Städte und Gemeinden bieten nur unzureichenden Zugang zu Parks und Grünflächen. Die Luft ist mit Schadstoffen belastet, spürbare Auswirkungen der Klimakrise und Pestizidrückstände setzten dem Körper zu. Angeführt wird die Rangliste von Spanien, gefolgt von Irland und Portugal. Diese Länder bieten eine gute Umgebung für Kinder und tragen im Vergleich weniger zu den globalen Umweltproblemen bei. Deutschland liegt auf Platz neun, schneidet aber bei der Lärmbelastung besonders schlecht ab. Lärm hat gesundheitliche Auswirkungen sowie auf Stress und kognitive Leistungen der Kinder. Vor allem arme Familien sind betroffen.

„Wir leben in vielen Bereichen auf Kosten der heutigen Kinder und zukünftiger Generationen“, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. „Auch in wohlhabenden Ländern wachsen Kinder unter Bedingungen auf, die krank machen, ihre Entwicklung beeinträchtigen und ihre Lebenschancen einschränken.“

Das UN-Kinderhilfswerk forderte Regierungen und Unternehmen auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen und ihre Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen einzuhalten. Belange von Kindern müssten auf allen Entscheidungsebenen einbezogen werden.

Unicef untersuchte auch das Bewusstsein der unter 15-Jährigen für Klima- und Umweltprobleme. Besonders hoch ist es demnach in Südkorea, auch Deutschland erreicht einen guten Wert. Schlusslicht ist Rumänien. Die Organisation hebt hervor, dass sich Kinder und Jugendliche mit großem Engagement für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen und eine wachsende Rolle in regionalen bis internationalen Klimadialogen spielen. Laut einer Umfrage in sechs wohlhabenden Ländern blickt die Hälfte der jungen Menschen so sorgenvoll auf ihre Umwelt, dass es ihren Alltag und ihre Lebenszufriedenheit beeinträchtigt.

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