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Die Maus könnte durch das neue Online-Register davor bewahrt werden, auf dem Seziertische zu landen.

Tierversuche

Unnötige Experimente verhindern

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Eine neue Datenbank soll dafür sorgen, dass weniger Mäuse, Ratten und Co. für Tierversuche herhalten müssen. Dabei geht es auch um mehr Transparenz in der Forschung.

Auf Mäuse, Ratten und Zebrafische greifen Wissenschaftler am häufigsten zurück, wenn sie biomedizinische Therapieverfahren entwickeln. Nachdem die Zahl der verwendeten Versuchstiere im Jahr 2012 mit rund 3,08 Millionen einen Höchststand erreicht hatte, hat sich die Zahl seit 2014 auf rund 2,8 Millionen eingependelt. So viele Tiere landeten nach einer aktuellen Auswertung der „Ärzte gegen Tierversuche“ auch im Jahr 2017 auf den Labortischen der Republik, am meisten davon erneut in Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Seit 40 Jahren setzen sich die „Ärzte gegen Tierversuche“ für eine Medizin ein, für die keine Tiere forschungsverzweckt werden. Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R), ansässig am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, will Versuche an und mit Tieren derweil auf das unerlässliche Maß beschränken. Bf3R-Leiter Gilbert Schönfelder sagt auf FR-Anfrage: „Tierversuche bringen immer auch eine ethische Komponente mit sich und deshalb hat die Wissenschaft auch eine besondere Verantwortung“.

Dieser sieht sich Schönfelders Einrichtung schon mit dessen Abkürzung Bf3R verpflichtet, das sich auf das so gennannte 3R-Prinzip des wissenschaftlichen Tierschutzes bezieht: „refine“, „replace“ und „reduce“. Einen Beitrag zum „reduce“, also zur Verringerung der verwendeten Versuchstiere will das Bf3R nun mit einer Datenbank leisten, die in dieser Woche online gegangen ist. Auf der Webseite www.animalstudyregister.com können Wissenschaftler aus aller Welt ihre durchgeführten Versuche mit Tieren nun eintragen, sodass nationale und internationale Forscherkollegen bisherige Experimente besser nachvollziehen und somit unnötige weitere Tierversuche vermieden werden können. Entsprechend heißt es in der Mitteilung des BfR: „Tierversuche können eingespart werden, weil nun alle Studien öffentlich werden.“

Zumindest, wenn auch wirklich jeder Wissenschaftler weltweit seinen Tierversuchsvorhaben auf der neu eingerichteten Datenbank veröffentlicht, denn das Register basiert auf Freiwilligkeit – anders als die Online-Plattform www.animaltestinfo.de. Dort muss seit 2013 jeder Antrag für einen Tierversuch in Deutschland, dem die entsprechende Genehmigungsbehörde stattgegeben hat, für die Bevölkerung allgemein verständlich veröffentlicht werden, und sei es auch nur in einer abgespeckten Version. Die dabei herausgekommenen Ergebnisse blieben der Öffentlichkeit indessen allzu oft vorenthalten. „Das diskutieren wir in den letzten Jahren unter dem Stichwort Nachvollziehbarkeitskrise“, sagt Schönfelder.

Denn wie eine Umfrage der Fachzeitschrift „Nature“ unter mehr als 1500 Wissenschaftlern ergab, würden tendenziell nur diejenigen Ergebnisse veröffentlicht, die sich die jeweils verantwortlichen Forscher im Vorfeld auch von ihrem durchgeführten Experiment erhofft hätten. Ein Manko, sagt Schönfelder, dem letztlich auch Tiere unnötig zum Opfer fielen: „Ergebnisse aus Tierversuchen, die nicht publiziert werden, widersprechen nicht nur einer guten wissenschaftlichen Praxis sondern auch dem Tierschutz und können dazu führen, dass Tierversuche unnötigerweise wiederholt werden.“

Somit will die Datenbank auch eine wissenschaftliche Transparenzlücke schließen – und zwar auch für jene Studien, „deren Ergebnisse unbequem klingen“, heißt es in der Mitteilung.

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