Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Künstlerische Darstellung: Die Galaxie ID2299 entstand wohl durch eine Kollision zweier Galaxien. Ein „Gezeitenschweif“ schleudert fast die Hälfte des Gases der Galaxie ins Weltall.
+
Künstlerische Darstellung: Die Galaxie ID2299 entstand wohl durch eine Kollision zweier Galaxien. Ein „Gezeitenschweif“ schleudert fast die Hälfte des Gases der Galaxie ins Weltall.

Universum

Forschende beobachten, wie eine Galaxie stirbt

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Galaxien sterben, wenn sie aufhören, Sterne zu bilden. Doch wie verlieren Galaxien den Treibstoff zur Bildung von Sternen? Forschende haben zufällig den Beginn dieses Prozesses beobachtet.

  • Blick in die Tiefe des Weltalls: Die Galaxie ID2299 stößt sehr schnell fast die Hälfte ihrer Masse aus.
  • Astronom:innen haben die Galaxie zufällig beobachtet – und dabei interessante Beobachtungen zum Sterben von Galaxien gemacht.
  • Neues aus der Astronomie und Weltraumforschung.

Wenn Galaxien aufhören, Sterne zu bilden, sterben sie. Das ist soweit Konsens unter Astronom:innen. Doch bisher konnten Forschende noch nie einen klaren Blick auf den Beginn dieses Prozesses in einer weit entfernten Galaxie erhaschen. Nun ist es ihnen – rein zufällig – gelungen.

Mit dem ALMA-Teleskop (Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile hat ein Team um die Studienleiterin Annagrazia Publisi (Durham University in Großbritannien) eine Galaxie beobachtet, die 46 Prozent ihres sternbildenden Gases ausstößt – und zwar mit einer verblüffenden Geschwindigkeit: Die Galaxie stößt pro Jahr Gase im Wert von 10.000 Sonnen aus und verliert so schnell den Treibstoff zur Bildung neuer Sterne. Da die Galaxie außerdem sehr schnell Sterne bildet, wird das verbleibende Gas rasch aufgebraucht. In einigen zehn Millionen Jahren sollte die Galaxie zum Stillstand kommen, vermuten die Forschenden.

Forschende beobachten sternbildende Galaxie zu Beginn ihres Sterbeprozesses

„Das ist das erste Mal, dass wir eine typische massereiche sternbildende Galaxie im fernen Universum beobachtet haben, die im Begriff ist, aufgrund eines gewaltigen kalten Gasauswurfs zu erlöschen“, freut sich Puglisi. Die Galaxie, die die Forschenden beobachtet haben, trägt den Namen ID2299, sie ist so weit von der Erde entfernt, dass es neun Milliarden Jahre dauert, bis ihr Licht die Erde erreicht.

Galaxie verliert nach Kollision mit anderer Galaxie schnell Material

Die Forschenden um Puglisi glauben, dass die Galaxie nach der Kollision mit einer anderen Galaxie so schnell an Material verliert. Sie gehen davon aus, dass zwei Galaxien kollidiert und zur Galaxie ID2299 verschmolzen sind. Einen Hinweis auf dieses Szenario haben die Forschenden auch entdeckt: Einen so genannten „Gezeitenschweif“. Dabei handelt es sich um einen langgestreckten Strom von Sternen und Gas, der sich in den interstellaren Raum erstreckt. Gezeitenschweife entstehen, wenn zwei Galaxien miteinander verschmelzen – meist sind sie jedoch zu schwach, um aus großer Entfernung wahrgenommen zu werden.

Forschende gehen davon aus, dass Winde, die beispielsweise durch die Sternentstehung oder schwarze Löcher im Zentrum massereicher Galaxien entstehen, sternbildendes Material ins Weltall schleudern und so die Fähigkeit von Galaxien, neue Sterne zu bilden, beenden. Die Studie von Puglisi und ihrem Team zeigt nun jedoch, dass die Verschmelzung zweier Galaxien ebenfalls dafür verantwortlich sein könnte, dass Treibstoff für die Sternenentstehung ins All hinausgeschleudert wird. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Winde und Gezeitenschweife „sehr ähnlich aussehen können“, erklärt der Ko-Autor der Studie, Emanuele Daddi.

Er vermutet: Einige Phänomene, die bisher als Winde von fernen Galaxien identifiziert wurden, könnten in Wirklichkeit Gezeitenschweife gewesen sein, die Gas aus den Galaxien herausschleudern. „Das könnte dazu führen, dass wir unser Verständnis davon, wie Galaxien sterben, revidieren müssen“, so Daddi.

ALMA-Teleskop beobachtete Galaxie ID2299 nur kurz

Die Entdeckung, die durch weitere Beobachtungen weiter untersucht werden soll, entstand rein zufällig. Eigentlich untersuchten die Forschenden Daten von weit entfernten Galaxien, die das ALMA-Teleskop aufgenommen hatte. Untersucht werden sollten die Eigenschaften von kaltem Gas an den Galaxien. Das Teleskop ALMA beobachtete die Galaxie ID2299 dazu nur wenige Minuten lang.

„ALMA hat ein neues Licht auf die Mechanismen geworfen, die die Sternentstehung in fernen Galaxien zum Stillstand bringen können“, erklärt die Forscherin Chiara Circosta, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Die Beobachtung eines solch gravierenden Störvorgangs fügt dem komplexen Puzzle der Galaxienentwicklung ein wichtiges Stück hinzu.“ In Zukunft könnte das Teleskop dazu genutzt werden, weitere Aufnahmen der Galaxie zu machen. Die Forschenden wollen die Dynamik des ausgestoßenen Gases besser verstehen.

Die Studie wurde im Fachjournal „Nature Astronomy“ veröffentlicht (doi: 10.1038/s41550-020-01268-x). (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare