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Einhaltung von Kühlketten

Corona-Impfstoff: Der Transport in südliche Länder ist heikel – Gefrierschränke lösen nicht alle Probleme

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Den Corona-Impfstoff in warme Regionen zu transportieren, birgt einige Probleme. Europäische Unternehmen bauen Ultra-Tiefkühlschränke. Trotzdem bleibt der Transport heikel.

  • Die Corona-Impfstoffe müssen in speziellen Kühlboxen transportiert werden.
  • Corona: Besonders in südlichen Ländern ist der Impfstoff-Transport heikel.
  • Mehrere Unternehmen stellen spezielle Behältnisse her – doch damit sich nicht alle Schwierigkeiten behoben.

Frankfurt – Ein Dorf irgendwo in Afrika, bis zur nächsten Stadt, zum nächsten Krankenhaus ist es weit. Die Straßen, sofern man sie überhaupt so nennen kann, sind schlecht, die Sonne brennt bei Temperaturen von fast 40 Grad. Szenenwechsel: Eine Siedlung auf einer der vielen indonesischen Inseln, ohne eigenen Flughafen, abseits der großen Verkehrswege. Bruthitze auch hier, dazu eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wie soll die Bevölkerung an beiden Orten sicher an eine Impfung vor Covid-19 kommen?

Auch die Bewohnerinnen und Bewohner abgelegener Gebiete sind durch das Coronavirus bedroht, allein schon durch jene Menschen, die zur Arbeit in eine größere Stadt pendeln. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, ob das Massenimpfen zu schleppend anläuft, zu wenige Impfdosen oder die falschen Vakzine geordert wurden, droht die Versorgung der armen Länder des Südens aus dem Blickfeld der hiesigen Öffentlichkeit zu geraten.

Corona: Impfstoffe müssen bis zu minus 70 Grad kalt gelagert und transportiert werden

In diesen Ländern fehlt oft nicht allein das Geld, um sich ausreichend mit Impfstoffen einzudecken, sondern auch die nötige Infrastruktur und Ausstattung, um die Vakzine über teils erhebliche Entfernungen sicher zu transportieren – vor allem mit Blick auf die Einhaltung von Kühlketten. So müssen etwa die mRNA-Impfstoffe bei extremer Kälte von minus 70 Grad (Biontech/Pfizer) oder minus 20 Grad (Moderna) gelagert werden und sind in einem normalen Kühlschrank nur begrenzte Zeit haltbar – geschweige denn, dass sie sich ohne Kühlung bei Temperaturen, wie sie in diesen Ländern herrschen, aufbewahren ließen. Und selbst weniger empfindliche Vakzine wie der Vektorimpfstoff von Astrazeneca verkraften keine tropische Hitze.

Um auch in diesen Ländern eine durchgehende Kühlkette zu garantieren, sind besondere Behältnisse nötig, die es nicht im gewöhnlichen Einzelhandel zu kaufen gibt. Dazu zählen spezielle Kühl- und Gefrierschränke, die Temperaturen von hohen zweistelligen Minusgraden erreichen, sowie Transportboxen, die Kälte auch ohne Strom über längere Zeit halten können.

Corona: Impfdosen müssen in speziellen Kühlboxen transportiert werden

Laut einer Untersuchung des Paketdienstleisters DHL und der Beratungsgesellschaft McKinsey werden für den Transport von zehn Milliarden Impfstoffdosen in alle Welt allein rund 15 Millionen Kühlboxen benötigt. Solche Behältnisse werden von einigen spezialisierten Unternehmen entwickelt und produziert. Auch deutsche Hersteller gehören dazu, darunter die Firma Storopack aus Metzingen oder Thermocon, die Sparte für Pharmaprodukt-Verpackungen der Schaumaplast-Gruppe aus Reilingen.

In Luxemburg ansässig ist „B Medical Systems“, ein seit mehr als 40 Jahren bestehendes Unternehmen, das mit internationalen Gesundheits- und Hilfsorganisationen wie Unicef, der Weltgesundheitsorganisation WHO, der internationalen Impfallianz Gavi oder dem Roten Kreuz zusammenarbeitet. Zuletzt war die Firma unter anderem mit der Verteilung von Impfstoffen in Afghanistan betraut; das Land zählt international zu den traurigen Spitzenreitern mit den meisten Fällen von Kinderlähmung und Masern. In der aktuellen Corona-Pandemie hat das Unternehmen unter anderem die EU bei der Logistik der Transportketten für die Impfstoffe beraten und kümmert sich auch um den sicheren Transport von Vakzinen in Entwicklungs- und Schwellenländer: etwa in Teile Afrikas, Südamerikas, in Indien, Indonesien, den Philippinen oder Malaysia. In Ländern, die auf Spenden und Hilfe von anderen angewiesen sind, um sich Impfprogramme leisten zu können.

Bei Corona-Impfstoffen müssen die Kühlketten eingehalten werden

Damit Impfstoffe ihre Schutzwirkung entfalten können, ist der Erhalt der Kühlkette essenziell. Für die Lagerung der besonders empfindlichen mRNA-Vakzine benötigt man spezielle Tiefkühlschränke und für Transportboxen. Bei B Medical Systems etwa schaffen die Ultra-Tiefkühlschränke Temperaturen von bis zu minus 85 Grad, einige Geräte sind zudem solarbetrieben. Für die Transportboxen verwenden die Firmen besondere Kühlflüssigkeiten oder Trockeneis als Kühlhaltemittel.

„Es ist gerade bei den mRNA-Impfstoffen wichtig, dass die Kühlkette lückenlos aufrechterhalten wird“, sagt Matin Khajooei, Leiter für Vertrieb und Marketing bei „B Medical Systems“. Sie dürfen auf keinen Fall auftauen, ohne bald verbraucht zu werden, denn dann würde die RNA zerfallen. Ein Wiedereinfrieren sei nicht möglich. Das Problem: Man kann es dem Impfstoff nicht ansehen oder ohne Laboruntersuchung erkennen, ob er zwischendurch aufgetaut war. Direkt gefährlich wäre das nicht, aber das Vakzin würde dadurch seine Schutzwirkung verlieren.

Hochleistungskühlschränke schaffen es auf hohe zweistellige Minustemperaturen – auch wenn es außen noch so heiß ist.

Corona-Impfstoff: Transport in Impfstationen in Afrika, Südamerika und Asien kann schwierig sein

Matin Khajooei erläutert, wie man sich den Weg eines Impfstoffs vom Ort seiner Produktion bis in eine Impfstation in einer Siedlung irgendwo in Afrika, Südamerika oder Asien vorzustellen hat: Mit dem Flugzeug werden die Fläschchen in großen Containern zunächst in die verschiedenen Länder gebracht, wo sie zu den Distributionszentren in den großen Städten geliefert werden. Dort können die Impfstoffe dann in Ultra-Tiefkühlschränken längere Zeit gelagert werden. Von den Distributionszentren aus geht es eventuell noch mit dem Schiff und dann auf dem Landweg zu den lokalen Impfzentren.

Das ist der heikelste, störungsanfälligste Teil des Transports. Nicht selten ist die kostbare Fracht Erschütterungen ausgesetzt, wenn es mit dem Boot übers Meer oder mit dem Moped über rumpelige Pisten geht. Und auch Stromausfälle sind in diesen Ländern relativ häufig, deshalb müssen auch Kühl- und Gefrierschränke die erforderliche Kälte über einen längeren Zeitraum gewährleisten können.

Um die Kälte in den Transportboxen zu halten, müssen diese extrem gut isoliert sein. Die deutsche Firma Thermocon verwendet dafür einen besonderen Schaumstoff, B Medical Systems arbeitet mit einer Außenschale aus stabilem Kunststoff und einer Innenschale, die in Öfen in eine besondere Form gebracht wird. Für den Transport von den Verteilungs- zu den lokalen Impfzentren hat man bei B Medical Systems Boxen in sechs verschiedenen Größen und Formen entwickelt, die laut Khajooei bis zu 9700 Impfdosen fassen können. Sie seien in der Lage, die für den Biontech/Pfizer-Impfstoff nötige Kälte von minus 70 Grad etwa fünf Tage lang zu bewahren.

Einhaltung von Kühlketten: Corona-Impfstoffe brauchen spezielle Kühlflüssigkeiten oder Trockeneis

Für die Kühlung selbst verwendet etwa Thermocon eigens entwickelte Kühlflüssigkeiten, die dosiert Kälte abgeben sollen, B Medical Systems setzt Trockeneis-Pellets ein. Trockeneis besteht aus festem Kohlenstoffdioxid, wie es natürlicherweise auf der Erde nicht vorkommt. Der Umgang damit ist nicht ganz ohne. „Man muss vorsichtig sein“, sagt Khajooei. „Trockeneis taut nicht, sondern verdampft zu gasförmigem Kohlendioxid. Wenn das unbemerkt zum Beispiel im Auto passiert, kann es schnell zu Sauerstoffmangel führen.“

Bis die Impfstoffe tatsächlich auch in den abgelegenen Regionen der Erde angekommen sind und die Mehrheit der Weltbevölkerung die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, könnte es noch länger dauern, vermutet Khajoonei. Nicht auszuschließen, dass für die zuerst geimpften Menschen in den USA, Israel oder Europa, dann bereits die nächste Impfrunde ansteht, sollte die Schutzwirkung der Vakzine nicht länger als ein Jahr halten – was nach derzeitigem Wissensstand nicht auszuschließen ist. Der Frankfurter Flughafen bereitet sich auf den Corona-Impfstoff-Transport vor. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © B. Medical Systems

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