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Ukraine-Krieg: Russland isoliert sich in der Raumfahrt – „Lasst sie auf ihren Besen ins All fliegen!“

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Von: Tanja Banner

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Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin vor einer Sojus-Rakete im Weltraumbahnhof Baikonur. Rogosin hat die Zusammenarbeit mit Deutschland eingestellt und will auch keine Raketentriebwerke mehr in die USA liefern. (Archivbild)
Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin vor einer Sojus-Rakete im Weltraumbahnhof Baikonur. Rogosin hat die Zusammenarbeit mit Deutschland eingestellt und will auch keine Raketentriebwerke mehr in die USA liefern. (Archivbild) © ITAR-TASS/Imago

Die Sanktionen im Ukraine-Krieg wirken sich auch auf die Raumfahrt aus und Russland isoliert sich als Reaktion weiter. Das betrifft auch die Zusammenarbeit mit Deutschland.

Moskau – Der Ukraine-Konflikt wirkt sich immer mehr auch auf die internationale Raumfahrt aus. Nachdem bereits vor einigen Tagen die europäische Raumfahrtorganisation Esa mitgeteilt hatte, dass der Start der deutsch-russischen „ExoMars“-Mission im Herbst 2022 „sehr unwahrscheinlich“ sei, hat nun das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine laufenden Kooperationen mit Russland offiziell beendet.

Als eine der größten Forschungsorganisationen in Europa sei man der internationalen Zusammenarbeit verpflichtet, hieß es in einer Erklärung. „Für uns gilt: Gewalt darf kein Mittel zur Durchsetzung von Zielen jedweder Art sein. Wir sehen deshalb mit großer Sorge die Entwicklungen in der Ukraine und verurteilen die kriegerischen Handlungen Russlands“, so das DLR.

Konkret betroffen seien eine Reihe Forschungsprojekte, bei denen das DLR mit russischen Einrichtungen kooperiert. Diese Zusammenarbeit werde gestoppt, außerdem werde es keine neuen Projekte oder Initiativen mit Institutionen in Russland geben, hat der Vorstand des DLR beschlossen. Die Internationale Raumstation ISS soll davon jedoch nicht betroffen sein, wie ein Sprecher gegenüber dpa betont. Hier seien die Europäische Raumfahrtagentur Esa und die US-Raumfahrtbehörde Nasa zuständig.

Raumfahrt im Ukraine-Krieg: Russland erklärt Zusammenarbeit mit DLR für beendet

Das sieht der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin offenbar anders. In einem Schreiben Rogosins, das am Donnerstag (03.03.2022) in Moskau veröffentlicht wurde, erklärt er die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt für beendet – als Reaktion auf die Aufkündigung der Kooperation von deutscher Seite. Die Entscheidung des DLR habe den langfristigen Beziehungen einen irreparablen Schaden zugefügt, der sich erheblich auf die Aktivitäten bei der Erforschung des Weltraums für friedliche Zwecke auswirke, heißt es in dem Schreiben.

Außerdem schreibt Rogosin laut dpa: „In dieser Hinsicht halte ich eine weitere Zusammenarbeit (...) für unmöglich, gemeinsame Experimente auf der Internationalen Raumstation durchzuführen.“ Auch Experimente zur Entwicklung eines Boden-Weltraum-Systems zur Überwachung und Vorhersage von Naturkatastrophen sei betroffen.

Ein DLR-Sprecher betonte auf Nachfrage von dpa, man nehme die Reaktion der russischen Seite zur Kenntnis, wolle sie jedoch nicht weiter kommentieren. Die Nasa prüft offenbar derzeit, wie ein Betrieb der ISS ohne Russland funktionieren könnte, betont jedoch derzeit noch den gut laufenden Betrieb. Gleichzeitig hatte Rogosin auf Twitter offen damit gedroht, die ISS abstürzen zu lassen.

Roskosmos-Chef Rogosin: „Lasst sie auf ihren Besen ins All fliegen“

Roskosmos-Chef Rogosin hat zuletzt nicht nur die Zusammenarbeit mit Deutschland beendet, sondern isoliert Russland in der Raumfahrt weiter. Auch die Lieferung von russischen Raketentriebwerken in die USA hat Rogosin gestoppt. Im Staatsfernsehen sagte er dazu „Lasst sie auf ihren Besen ins All fliegen“. Dabei geht es vor allem um Fracht-Flüge ins Weltall, denn die russischen RD-180-Triebwerke werden für die Atlas-V-Trägerrakete der United Launch Alliance (ULA) genutzt, die keine Astronaut:innen befördert.

Als Russland 2014 die Krim annektierte, hatte Rogosin damit gedroht, die USA von der Internationalen Raumstation abzuschneiden. Damals stellte sich die Situation jedoch anders dar als heute: 2014 hatte die Nasa nach der Einstellung des Space-Shuttle-Programms keine Möglichkeit, Astronaut:innen zur ISS zu transportieren.

Rogosin sprach damals von einem „Trampolin“, das die USA nutzen sollten, um zur ISS zu gelangen. Mittlerweile fliegt die „Crew Dragon“-Kapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk Raumfahrer:innen aus den USA und anderen Ländern zur Raumstation und zurück – Musk verkündete nach dem ersten gelungenen Start in Anspielung an Rogosin „das Trampolin funktioniert“.

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Ukraine-Konflikt und die Raumfahrt: Russland vergrault Satelliten-Unternehmen OneWeb

Die Reaktionen Russlands gehen noch weiter: Das Land will unter anderem vorerst gelieferte Triebwerksmotoren nicht mehr warten. Zuvor hatte Roskosmos sich von seinen Aktivitäten auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou zurückgezogen. Dort hatte das Unternehmen Starts der russischen Sojus-Rakete durchgeführt.

Vom britischen Satelliten-Unternehmen OneWeb hatte Russland zuletzt gefordert, Garantien auszusprechen, dass die geplanten Satelliten nicht für militärische Zwecke genutzt werden. Zudem sollte sich die britische Regierung aus dem Unternehmen zurückziehen. Als Reaktion darauf hatte OneWeb seine geplanten Raketenstarts vom Weltraumbahnhof Baikonur gestoppt. Der liegt zwar auf dem Gebiet Kasachstans, wird aber von Russland verwaltet und von russischen Streitkräften gesichert. Der nächste OneWeb-Start war für den 5. März geplant. (tab)

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